Mikroskopaufnahme eines Coronavirus

Warum COVID-19 gefährlicher als die Grippe ist

Aktualisiert am 10.03.2020

Ist die von einem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) ausgelöste Krankheit COVID-19 gefährlicher als die Grippe? Der Vergleich zwischen den Krankheiten wird oft gezogen, da die sie ähnliche Symptome haben. Beides sind infektiöse Atemwegserkrankungen. Es gibt aber wichtige Unterschiede, die darauf hinweisen, dass COVID-19 gefährlicher ist.

Wenn du glaubst du könntest an COVID-19 erkrankt sein, solltest du dich unbedingt selbst isolieren. Bleib zu Hause, vermeide Kontakt mit anderen Personen und ruf das Gesundheitstelefon unter der Nummer 1450 an. Hier findest du aktuelle Informationen des österreichischen Gesundheitsministeriums.

Selbstverständlich löst das neuartige Coronavirus nicht die Zombieapokalypse aus und niemand ist geholfen, wenn alle in Panik die Supermärkte leerkaufen und sich in ihren Kellern einsperren. Mediale Panikmache ist nichts als schädlich und verhindert, dass richtige und wichtige Informationen wahrgenommen werden.

Allerdings sind das keine Gründe dafür, die Gefährlichkeit einer Krankheit herunterzuspielen. Wenn man sagt „COVID-19 ist nicht gefährlicher als die Grippe“ klingt das fast so, als wäre die Sache harmlos. Der deutsche Virologe Alexander Kekulé z.B. kritisiert die Behörden dafür, dass sie COVID-19 als weniger gefährlich als die Grippe darstellen würden. Außerdem – die Grippe ist eine gefährliche Krankheit, an der jedes Jahr Menschen sterben. Und es sieht danach aus, dass COVID-19 noch gefährlicher ist.

Größere Ansteckungsgefahr

Vieles weist darauf hin, dass sich das neue Coronavirus noch „erfolgreicher“ verbreitet als die Influenzaviren. In beiden Fällen werden die Krankheitserreger durch „Tröpfchen“ übertragen, die beim Sprechen über den Speichel, beim Niesen oder beim Husten entstehen. Während die Grippe durch solche Tröpfchen (und Kontakt) übertragen wird, gibt es Hinweise darauf, dass sich das neue Coronavirus als Aerosol in der Luft hält. Das würde bedeuten, dass es sich auch noch verbreitet, wenn die ursprünglich erkrankte Person den Raum bereits verlassen hat.

Dazu kommt, dass COVID-19 anscheinend eine sehr lange Inkubationszeit haben kann. Das heißt, die Zeit zwischen Infektion und dem Auftreten von Symptomen kann zwei Wochen betragen (die durchschnittliche Inkubationszeit sind ungefähr 5 Tage, aber auch 27 Tage wurden dokumentiert). Das macht die Isolation von Krankheitsfällen um Ansteckungen zu verhindern extrem schwierig. Zum Vergleich, die Inkubationszeit der saisonalen Grippe liegt bei ungefähr bei 1-2 Tagen.

Was ist der R0 Wert?

Im Zusammenhang mit COVID-19 ist immer öfter vom R0 Wert zu hören, das ist die Basisreproduktionszahl. Vereinfacht gesagt besagt sie, wie viele Menschen sich durchschnittlich bei einem Krankheitsfall anstecken werden. Wenn der R0 Wert zum Beispiel 3 ist, dann stecken sich durchschnittlich drei Menschen bei einer erkrankten Person an.

Der R0 Wert von COVID-19 wird von der WHO auf 2-3 geschätzt, in aktuellen Studien liegt er noch etwas höher. Das entspricht ungefähr den Werten, die wir für die Spanische Grippe von 1918/19 haben. Hochansteckende Krankheiten haben aber einen deutlich höheren Wert, für die Masern wird z.B. in der Regel 10-18 angegeben.

Der R0 Wert ist ein Durchschnitt, der möglichen Ansteckungen auf eine Zahl zusammenfasst. Es ist kein Naturgesetz und nicht nur der Virus selbst, sondern auch die sozialen und politischen Reaktionen darauf beeinflussen die Höhe des Wertes. Die Basisreproduktionszahl sagt aus, wie viele Ansteckungen verhindert werden müssen, um die Ausbreitung einer Krankheit einzudämmen.

Gleichzeitig ist COVID-19 laut WHO möglicherweise weniger ansteckend als die Grippe, d.h. die Übertragung ist aus Sicht des Virus weniger effizient. Wenn die ungünstigen Faktoren (Inkubationszeit, etc.) kontrolliert werden könnten, wäre daher eine Kontrolle des Coronavirus realistisch.

Höhere Mortalität

Die Mortalitätsrate ist ein Wert, der angibt, wie viele Menschen an einer Krankheit sterben. Für COVID-19 ist es noch zu früh sich genau festzulegen, aber eine aktuelle Studie zu den Zahlen aus China kommen auf Werte zwischen 2,3 % und 2,5 %. Die WHO verzeichnet sogar einen Wert von 3,4 %. Auch hier gibt es Ähnlichkeiten zur Spanischen Grippe, für die die WHO einen Wert von 2-3 % angibt (PDF). Für die saisonale Grippe beträgt der Wert in den USA im vergangenen Jahrzehnt ungefähr 0,1 % (laut CDC).

Keine Impfung

Ein weiterer Unterschied der COVID-19 gefährlicher als die Grippe macht ist das Fehlen von Impfstoffen. Gegen viele Influenzaviren kann man sich impfen lassen. Die Impfung verhindert die Erkrankung in vielen Fällen oder kann sie abschwächen. Mit einem Impfstoff gegen den neuen Coronavirus ist allerdings frühestens in einem Jahr zu rechnen.

Sehr wahrscheinlich ist COVID-19 gefährlicher als die Grippe

Diese drei Punkte sprechen dafür, dass COVID-19 gefährlicher als die Grippe ist und sehr ernstgenommen werden sollte. Auch die WHO betont, dass COVID-19 eine schwerere Erkrankung ist, als die Influenza. Die teilweisen sehr drastisch wirkenden Reaktionen, von Regierungen in aller Welt, sind nicht unbegründet. Sie basieren auf der Hoffnung, die Verbreitung der Krankheit eindämmen oder überhaupt stoppen zu können. Wenn die Krankheit erst einmal weit verbreitet ist, bringen diese Maßnahmen wenig. Derzeit sei eine Eindämmung laut WHO noch realistisch.

COVID-19 ist ohne Zweifel eine gefährliche Krankheit. Denn eine Todesrate von 2,5 % klingt vielleicht nicht sehr bedrohlich. Aber bei einer derart ansteckenden Erkrankung können das schnell 2,5 % von einer sehr großen Zahl werden.

Zur Veranschaulichung: wenn wir z.B. nur 10 % der österreichischen Bevölkerung erkranken, dann sind 2,5 % davon statistisch rund 22.000 Todesfälle. Und jetzt denkt einmal daran, wie viele ältere Menschen ihr kennt, die vielleicht noch Lungenprobleme oder ähnliche Vorerkrankungen haben. Eltern, Großeltern, etc. Bei solchen Fällen liegt die Todesrate bei bis zu 15 %.

Panik ist sinnlos und gefährlich. Vorsicht und strikte Kontrollmaßnahmen sind es nicht. Noch gibt es nicht genug Daten, um vorauszusehen, wie sich das neue Coronavirus weiter verbreiten und entwickeln wird. Aber nach allem was wir heute wissen ist COVID-19 gefährlicher als die Grippe, weil der Virus „erfolgreicher“ ansteckt, eine höhere Mortalitätsrate aufweist und es keine Impfung gibt.

Foto: NIAID(CC BY)

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3 comments

  • […] COVID-19 ist gefährlich als die Grippe. Es gibt keine Impfung und es gibt keine Medikamente. Die derzeit noch niedrigen Zahlen an Ansteckungen verführen zu falscher Sicherheit. Aber wenn man sich anschaut wie die Tendenz ist, kann man sich vorstellen, wohin die Reise geht. […]

  • Die genannte Mortalitätsrate bezieht sich auf die Gesamtbevölkerung.
    Da jedoch fast nur Alte sterben, ergibt das ein falsches Bild.
    3% von 100 sind 3, aber es sind ja 3 Alte also 3 von 30 = 10%. Von den Gefährdeten sterben also 10%.

  • Bei der Mortalitätsrate werden Äpfel mit Birnen verglichen. Die 0,1% bei der Grippe bezieht sich auf alle vermutlich infizierten und nicht bloß jene, die getestet oder diagnostiziert worden sind! Die Zahlen bei der Corona-Epedemie beziehen sich aber auf getestete/diagnostizierte Infizierte. Auch der der führenden Virus-Forscher Deutschlands, Christian Drosten, weist darauf hin, dass in China vermutlich die Mortalitätsrate „nur“ 0,3% war. Also 3 x so hoch wie bei schwereren Grippe-Epedemien. Da Problem ist wohl auch die fehlenden Notfallsresourcen im zu knapp bemessenem Gesundheitssystem, bei dem in Österreich seit Jahren eine Deckelung der Bundesausgaben für sinkende Ressourcen sorgt! Früher hat man allgemein auch in der Technik wesentlich großzügigier dimensierniert. Dank neoliberal zugespitztem Kaptialismus bzw. aufgrund der Zinsezinsdynamik (Gewinnerwartung der Kapitaleigner ist in Prozent weshalb die Gewinne/Vermögen der Obersten Schicht exponentiell steigen auf Kosten aller!) wird alles immer knapper bemessen und daher in der Qualität/Quantität schlechter!

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