Trotz allem ein politischer Mensch

Im Juni 2010 schrieb ich eine „Kritik der österreichischen Politik„. Ein vulgärtherapeutischer Eintrag quasi. Ich habe darauf einige Reaktionen bekommen. Christian etwa legte mir seine, ungleich positivere Sicht dar, Michael baute mich seinen Falter-Artikel über junge Menschen am Scheideweg Politik oder Selbstachtung (so nenne ich das jetzt einfach) ein. Letzteres wiederum führte dann doch zu Reaktionen aus meiner Partei, obwohl ich relativ moderat zitiert wurde.

Und seither?
Heute würde ich Politik als ein Hort von Unfähigkeit, Dummheit, Nepotismus und Korruption, als Moralvakuum, als bösartige und zugleich dumme Realisierung von Homo homini lupus, als Pingpongspiel zwischen Intrige und Lüge, als völlig von der Außenwelt abgeschottetes, in keinster Weise mit den vorgegebenen Grundwerten übereinstimmendes und von innen heraus verrottetes Affentheater beschreiben.

Es ist so unglaublich welche Leute aus welchen Gründen Karriere machen, erfolgreich sind und so entscheidenden Einfluss auf das Leben anderer Menschen bekommen können. 2 Jahre in der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH), im Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) und im Umfeld der SPÖ haben mir eines ganz deutlich gemacht: Ich bin nicht der Pragmatiker, der ich glaubte zu sein, sondern der Idealist, auf den ich spöttisch herabblickte.

Ich will nicht dankbar sein, wenn überhaupt irgendetwas geschieht. Ein Schritt in die richtige Richtung ist immer noch ein Schritt. Wenn der Weg lang und steinig ist, ist ein einzelner Schritt sinnlos, wenn der Weg kurz und leicht ist, lächerlich. Ich will nicht planen, um im nächsten Wahlkampf gut gefüllte Flyer zu haben, sondern um Projekte umzusetzten, die Sinn machen. Ich will Politik nach Idealen, nicht Strategien zum Machterhalt und Wahlerfolg, machen. Ich will das Inhalte vor Seilschaften, Qualität vor Quantität (an Jahren in der Partei z.B.) zählt. Mit anderen Worten: Ich will nicht in der Politik aktiv sein.

Ich war, bin und bleibe ein politischer Mensch. Ich sehe gesellschaftliche Missstände als veränderbar und Gerechtigkeit als unbeding anzustrebendes Ideal an. Aber ich muss einen anderen Weg finden, mich einzubringen. Das klassische Parteiensystem versagt unter anderem auch moralisch. Ich glaube an die (repräsentative) Demokratie und mehr als alles hier kritisierte lehne ich revolutionäre Wahnideen, anarchistische Zerstörungswut und die Idee des „starken Mannes der aufräumt“ ab. Ich will kein anderes System, sondern ein verbessertes. Und ich will darin meinen Platz finden. Inzwischen weiß ich zumindest eindeutig, wo er nicht ist.

6 Antworten zu “Trotz allem ein politischer Mensch”

  1. Hannes sagt:

    bravo!!!

  2. watchdog sagt:

    Sehr schöner und offener Kommentar!
    Bin jetzt nach langer Zeit wieder mal auf deinen Blog gestoßen. Gefällt mir sehr gut…
    Schöne Grüße aus dem politik-forum.at
    „watchdog“ 😉

  3. Homo Sapiens Sapiens sagt:

    Für wen verfasst Du solche Texte?
    95% unverständlich… willst Du etwas ausgleichen?

  4. Mutiger Artikel, Gratulation zum „Aufwachen“ (wenn ich das so sagen darf)! Viele werden noch folgen – auch aus anderen Parteien 🙂
    LG

  5. Fabian sagt:

    Ich bin heute bei einer diffusen Suche nach österreichischen Politik Blogs und Communities (abseits von Parteigeschwätz) auf deinen/diesen Blog gestoßen. Deine Beschreibungen bestätigen leider meine Befürchtungen betreffend die Parteikultur in Österreich. Bisher habe ich mir immer versucht einzureden, dass es hinter der Bühne jeder Partei vernünftige „Masterminds“ geben muss, aber diese Hoffnung ist gestorben. Trotzdem: ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es nicht besser geht!
    Was ich eigentlich nur sagen wollte: Danke, dass du dir die Zeit nimmst, deine Erkenntnisse zu publizieren!
    Viele Grüße

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