Super Scheißinternet

Wolfgang Lorenz, Programmdirektor des ORF hatte bekanntlich am 7. November beim ORF-Dialogforum im Rahme des Grazer Elevate-Festivals die Öffentlichkeit endlich darüber aufgeklärt, dass die Jugend, außer in Postings im “scheiß Internet”, nicht in der Lage ist sich richtig zu artikulieren. Was einerseits ein Problem ist, da es ihm, dem ersten Träger des „Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten“ “scheißegal” ist, was die in diesem Internet machen. Andererseits zählt diese Gruppe ohnehin nicht, schließlich ist ihm „scheißegal, ob Sie zuschauen oder nicht”.

Doch die „verlinkte Öffentlichkeit“ war inzwischen schon so groß und offensichtlich auch artikulationsfähig, dass der ORF seine Spitzen aussenden musste, um die Sache zu relativieren richtigzustellen.

Doch ein Problem mit diesem „Scheissinternet“ ist die Vernetzung, was in diesem Fall heißt, dass die Leute nicht einzeln vor sich hin beleidigt waren, sondern sofort Plattformen wie Scheissinternet.at aufstellten. Wenige Tage später folgte das „Gegenstück“, das es den Usern ermöglicht, „gratis für den ORF zu arbeiten„: Superinternet.at.

Heinz Wittenbrink vom Studiengang Journalismus und Unternehmenskommunikation der FH Joanneum, Graz und Daniel Erlacher von Elevate starteten diese Initiative, deren Zweck es ist, „Ideen der UserInnen zur Netz-Zukunft des ORF zu sammeln. Sowohl spontane Einfälle und Geistesblitze, als auch konkrete Vorschläge und Konzepte können auf dieser Plattform veröffentlicht werden.

Die Vorschläge werden in einem Wiki zusammengefasst und öffentlich diskutiert. Sie sollen den ORF-Verantwortlichen gegen Anfang 2009 übermittelt werden.
Die UserInnen können zu diesem Zeitpunkt eine Petition unterzeichnen, welche die Verantwortlichen im ORF dazu auffordert, die gesammelten Vorschläge zu diskutieren und umzusetzen.“ (Zitiert aus den FAQs)

Schon einmal, im Mai, hatte ein via Twitter in einem Blog gelandetes Gerücht die „alte“ Medienwelt durchdrungen (Helge über Google in OÖ). Doch während es damals eine Reaktion der „alten“ Medien (via der futurezone) auf einen Beitrag des wohl bekanntesten österreichischen Bloggers war, ist es dieses Mal eindeutig das Ergebnis der Tätigkeit der „verlinkten Öffentlichkeit“ die die Ereignisse via Twitter in Blogs und von dort ua zu „Standard“ und „Presse“ brachten (die nicht nur über Lorenz’s Sager berichteten, sondern auch über Superinternet.at).

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