Sebastian Kurz kann es nicht, Pamela Rendi-Wagner kann es zu gut

Pamela Rendi-Wagner

Die SPÖ-Vorsitzende kann ihre Emotionen zu gut kontrollieren und ist zu rational. Damit wird sie laut vielen JournalistInnen die Wahl im Herbst nicht gewinnen.

Sebastian Kurz ist im Nationalrat während der Diskussion des Misstrauensantrags gegen seine Regierung offensichtlich emotional. Als Peter Pilz ihn vor allen darauf anspricht, dass er schon wieder aufs Handy schaue, wird der ÖVP-Obmann rot. Am Abend, nach dem Misstrauensantrag, sucht Kurz die Bestätigung seiner AnhängerInnen, emotional spricht er zu ihnen.

Pamela Rendi-Wagner wirkt selbst beim Einbringen des ersten Misstrauensantrags in der Geschichte der Republik, der erfolgreich sein wird, kühl und rational. Sie hat ihre Emotionen offensichtlich im Griff und lässt sich nicht anmerken, was sie fühlt.

Vor lauter Emotionen ist bei Sebastian Kurz kaum Platz für Inhalt. Für viele Menschen ist es nicht leicht, mit emotionalen Menschen umzugehen, sie vermeiden, diese zu hinterfragen oder konfrontieren.

So bleiben die Fragen was Sebastian Kurz eigentlich will oft ungestellt. Was will er eigentlich für Österreich? Wer ist er hinter all den Emotionen? Kann er mehr, als von JournalistInnen als kommunikatives Naturtalent, äußerst begabter Politiker oder sicherer Wahlsieger bezeichnet zu werden?

Im Gegensatz zum emotionalen ÖVP-Obmann hat Pamela Rendi-Wagner rational und logisch gehandelt. Wie „der Politologe Peter Filzmaier sagte: Es war unmöglich für die SPÖ und auch für die FPÖ, nichts zu tun. Da hätten sie Kurz auch gleich zum Wahlsieg durchwinken können.“ [1]

Statt der Emotion setzt die SPÖ-Vorsitzende auf Logik und Inhalt. Sebastian Kurz dagegen bleibt oberflächlich, er „hat keine besondere ideologische Tiefe (Aussage eines alten ÖVPlers).“ [2]

Rendi-Wagner will den Sozialstaat ausbauen. Sie ist zum Beispiel für eine faire Besteuerung von Großkonzernen. Sie will ein gerechteres Gesundheitssystem schaffen. Österreich vertrüge durchaus einen Schuss mehr soziale Gerechtigkeit.

Korruptionsanfällig

Als äußerst begabter Politiker hat Sebastian Kurz logischerweise ein gutes Sensorium für „die rechtsextreme Natur seines ehemaligen Koalitionspartners FPÖ. Die zeigen sich immer wieder als rechtsextrem, inkompetent und korruptionsanfällig“ [3]

Die Vorstellung, dass Sebastian Kurz ein äußerst begabter Politiker sei, aber keine Ahnung habe was in der Politik passiert oder wer die FPÖ nicht erst seit gestern ist, ist so absurd, dass man sich nicht vorstellen kann, dass jemand das ernsthaft vertreten könnte.

Für Rendi-Wagner wäre nach der Wahl eine Koalition mit den Neos (unwahrscheinlich), den Grünen oder eine Dreierkoalition möglich. Die ÖVP erscheint abgemeldet. Sie hat nicht nur einen Parteiobmann, der zu emotional ist, sondern auch die Soziologie gegen sich. „Die autoritär denkenden Hackler gehen zur FPÖ, die liberalen Gebildeten zu den Grünen (übrigens europaweit).“ [4]
Kurz muss jetzt versuchen, seine Emotionen in den Griff zu bekommen und sich in seiner neuen Rolle als einfacher Parteiobmann, neben der neuen Regierung ohne ihn, zurecht zu finden. Die rationale Rendi-Wagner steht vor keiner vergleichbaren Hürde.

Bis zur Wahl ist es noch lange hin und es wird sich zeigen, ob Sebastian Kurz zu emotional für die Politik ist und die WählerInnen die Rationalität von Pamela Rendi-Wagner bevorzugen.

Anmerkungen:

[1] Aus dem jenseitig betitelten Kommentar von Hans Rauscher, um den es hier in erster Linie stellvertretend geht. Es geht vor diesem Hintergrund selbstverständlich nicht wirklich darum, ob Sebastian Kurz zu emotional für die Politik ist. Alle Menschen sind emotional. Aber die sich ständig selbst bestätigenden Frames, dass das politische Jahrtausendtalent Kurz übers Wasser geht, während Rendi-Wagner ein nicht näher spezifiziertes „es“ nicht kann oder nicht gut genug kann, sind höchstens Sichtweisen und persönliche Meinungen. Man kann die Situation genauso aus vielen anderen Perspektiven beschreiben, zum Beispiel indem man die an sich stark sexistische konnotierte Betrachtungsweise das man „zu emotional“ für Politik sein könne (gemeint sind damit Frauen), und „rationale“ Menschen (gemeint sind damit Männer) es besser machen würden, anwendet.
[2] Ebd.
[3] Ebd.
[4] Ebd.

Foto: SPÖ Presse und Kommunikation/Flickr

Eine Antwort zu “Sebastian Kurz kann es nicht, Pamela Rendi-Wagner kann es zu gut”

  1. […] Sebastian Kurz kann es nicht, Pamela Rendi-Wagner kann es zu gut […]

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