Rudas. Die alte Politik.

Ein halbes Jahr ist Laura Rudas nun, gemeinsam mit Günther Kräuter, Bundesgeschäftsführerin der SPÖ. Damit fand die steile Karriere der jungen Politikerin ihren vorläufigen Höhepunkt. Die Tochter des bekannten Psychiaters Stephan Rudas und Nachfolgerin ihres Onkels Andreas Rudas (ehm. SPÖ-Bundesgeschäftsführers) machte eine klassische Parteikarriere, nur im Schnelldurchlauf.

Im Jahr 1999 wurde Rudas in der Wiener SPÖ-Bezirksorganisation Rudolfsheim-Fünfhaus aktiv, wo sie von 2002 bis 2005 den Vorsitz der Sozialistischen Jugend inne hatte. 2003 wurde sie Bezirksrätin, 2004 Wiener Gemeinderätin. Seit 2007 sitzt sie nun im Parlament.
Dabei fragen sich nicht wenige, warum?
In der Wiener SPÖ fand sich ein Netzwerk, um Bürgermeister Häupl und den jetzigen Bundeskanzler Faymann, dass Rudas über Jahre konsequent aufgebaut und unterstützt hat. Dabei dürfte sowohl ihre familiäre Herkunft, als auch das Bedürfnis nach einem „jungen Gesicht“ eine Rolle gespielt haben. In der Folge kam es zu einer klassischen „win-win-Situation“. Rudas hatte ihre fixe Karriere, und musste nur das tun, was die Rolle die man ihr zuwies verlangte. Dafür hatte die Wiener SPÖ eine „Nachwuchshoffnung“ die, anders als der Parteinachwuchs in der Sozialistischen Jugend und der Jungen Generation, durch ihre familiäre Einbindung und wohl fixe Karrierezusage von Anfang an eigener Ziele unverdächtig war.

Beide Seiten arbeiteten fortan an ihrer Karriere. Rudas begann sich in ihrer Altersgruppe ein Netzwerk aufzubauen, dass, wohl gespeist aus ihrer SJ-Zeit, bei den Wiener Landtagswahlen 2005 als „Junge Rote“ in Erscheinung trat. Dabei handelt es sich um keine dritte Jugendorganisation, sondern um Rudas politischen Freundeskreis. Auch 2006, Rudas kandidiert für den Nationalrat, unterstützen die „jungen Roten“ Alfred Gusenbauer. Rudas entwächst der Wiener Lokalpolitik ins Parlament.
Als wenig später wieder Nationalratswahlen vor der Tür stehen und ihr Förderer Werner Faymann die „neue Politik“ ausruft, ist sie vorn dabei und weicht im ganzen Wahlkampf nicht von seiner Seite. Sie machte hier wie dort brav ihre Arbeit (auch wenn ihre „jungen Roten“ gern mal dämlich dastanden).

Nun muss Rudas aber, wie ihr Chef, feststellen, dass die Bundespolitik ungleich schwieriger ist, als die Wiener Lokalpolitik. Die Netzwerke sind nicht mehr tragfähig, die Opposition ist schärfer, die Kritik lauter. Ihr Auftritt nach den schweren Schlappen bei den Landtagswahlen in Kärnten und Salzburg brachte ihr innerhalb und außerhalb der Partei viel Kritik ein (außer Phrasen nix gewesen).

Anfang April 2009 schrieb „Datum“ ausführlich und kritisch über Laura Rudas. Der Artikel ist eindeutig – Rudas kann nichts und ist ein reines Protektionsprodukt. Nach dem Lesen hat man den Eindruck, sie werde dauernd von der Partei geschützt und könne allein nicht einmal gerade Sätze formulieren.
Laura Rudas ist ein junge, durchaus attraktive Frau. Das sind die Qualifikationen, die ihr über die Tragfähigkeit des Netzwerkes das sie aufgebaut hat, innerparteilich Erfolg ermöglicht hat. Die SPÖ sucht verzweifelt und ohne Erfolg einen Draht zu den jungen Wählern, Rudas sollte die Antwort sein.

Aber sich mit dieser Kritik auf Rudas einzuschießen, verstellt den Blick dafür, dass es wohl kaum Parteikarrieren gibt, die anders funktionieren. Faymann ist sympathisch und lächelt. Und haben nicht alle betont, wie wichtig es ist, das Eva Glawischnig eine Frau ist? Wäre Strache hässlich, wäre er nicht FPÖ-Obmann. Und hieße Josef Pröll nicht Pröll, wäre er nicht Vizekanzler.

Inhaltlich fällt Laura Rudas selten auf. Häufig vorgehalten wird ihr ihre Solidarisierung mit SPÖ-Pensionistenvertreter Blecha, die einzige Konstante scheint ihre scharfe Abgrenzung von der FPÖ zu sein, wie sie auch in einem aktuellen Interview im „Standard“ betont.

Ein Thema bei dem sie besondere Kompetenz gezeigt hätte, kenne ich nicht. Publizistik müsste theoretisch ein solches sein, da sie unlängst ihr Studium derselben als Magistra abgeschlossen hat. Damit ist sie in einem „Kommunikationsjob“ eigentlich gut aufgehoben.

8 Antworten zu “Rudas. Die alte Politik.”

  1. ich verweise nur auf meinen blog aus 2008 .

  2. georgM sagt:

    Ist ja an sich ein tolles Round-Up, das hier:Laura Rudas ist ein junge, durchaus attraktive Frau. Das sind die Qualifikationen, die ihr über die Tragfähigkeit des Netzwerkes das sie aufgebaut hat, innerparteilich Erfolg ermöglicht hat… ist aber schon eine gewagte Aussage, die Fr. Rudas gleichzeitig so ziemlich alles an sonstiger Qualifikation abspricht.

  3. Thomas sagt:

    Na, ich sprech ihr keine anderen Qualifikationen ab. Sie ist sicher nicht blöd. Die zitierte Stelle betont lediglich die Eigenschaften, wegen denen sie meiner Meinung nach dort ist, wo sie ist. Wenn sie so dämlich wär, wie das stellenweise im „Datum“ Artikel rüberkommt, hätte das aber auch nichts genutzt.

  4. 1n_t sagt:

    bravo.ein weiterer „politik-beitrag“, der es problemlos schafft völlig ohne politischen inhalt zu bleiben.niemand darf sich wundern, wenn „die politik“ sich nicht mehr die mühe macht, mehr in die tiefe zu gehen als ihre betrachter.thomas vermutungen -journalistische recherche hat es offensichtlich nicht gegeben- über die „jungen rote“ sind übrigens schlichtweg unwahr.

  5. Thomas sagt:

    1) Selbstverständlich ist der Werdegang und das Umfeld einer Politikerin in einem bestimmten Sinn politisch. Wieso nicht?2) Ich bin ein Hobby-Blogger, kein Journalist. Mir mangelnde „journalistische Recherche“ vorzuwerfen, ist wie jemandem der gerne medizinische Fachzeitschriften liest, aber kein Mediziner ist, vorzuwerfen dass er keinen chirurgischen Eingriff vornehmen kann.3) Wer bist du? Woher kommst? Woher hast du deine Informationen über die „Jungen Roten“? Den de facto gibt es kaum Infos über sie, nicht mal eine Homepage. Und außerhalb von Wahlzeiten sieht man sie im Gegensatz zu JG, SJ, AKS und VSStÖ auch nicht. Aber vielleicht stell ich die Fragen ja in die falsche Richtung, immerhin kann niemand wissen, woher „1n_t“ kommt oder wer dahinter steckt…

  6. 1n_t sagt:

    1) das umfeld -allerdings nicht das familiäre- mag politisch sein, deine polemischen vermutungen darüber aber nicht.2) den vorwurf nehme ich bedauernd zurück. journalistische recherche ist dir nicht zuzumuten.3) die „jungen roten“ habe ich als politisch interessierter linker kennengelernt. auf meinem weg zur arbeit habe ich sie im vorbeigehen einige male gesehen, ansprechen lassen habe ich mich dann eines abends vor einem lokal in meidling.meiner beobachtung nach und laut meiner jungen roten gesprächspartnerin bestehen die jungen roten aus menschen, die für ihre (spö-nahen) politischen überzeugungen auch aktiv etwas tun möchten.wahlwerben, informieren, proteste organisieren, …unterwegs sind sie nach eigenen angaben fast jeden tag.deine „JG, SJ, AKS und VSStÖ“- beobachtungen klingen interessant. richtig sind sie sicher nicht.

  7. Thomas sagt:

    1) Wenn die Familie viel Einfluss auf die Partei hat die wiederum Einfluss auf den Staat hat, dann ist das nicht nur politisch, sondern geht auch jeden Staatsbürger etwas an. Welche polemischen Vermutungen stelle ich bitte an?2) Ja, das ist scheiß viel Arbeit. 3) Ich kann meine JG, SJ, AKS und VSStÖ-Beobachtungen mit Veranstaltungen und Initiativen belegen. Ich hab einfach noch nie außerhalb eines Wahlkampfes jemand von den jungen Roten gesehen. Mag aber sein dass sie einfach nie über Wien hinaus wahrgenommen wurden, und ich sie deshalb nicht kenne (aber auch für ein lose Plattform ist es merkwürdig das man nirgends etwas über sie findet, nicht einmal auf der SPÖ Homepage, der Homepage der SPÖ Wien oder im Campa – bis auf die Verbindung zu Laura Rudas eben).Oder meinst du die burgenländische Zusammenarbeit der einzelnen Jugenorganisationen? Die hat aber wiederum nix mit Laura Rudas zu tun. Aber wer bist du, dass du für sie sprichst? Ein junger Roter?

  8. 1n_t sagt:

    ob die „jungen roten“ auch in den bundesländern aktiv sind, kann ich dir nicht sagen. aber ich erkundige mich bei gelegenheit gerne für dich.unter polemik verstehe ich zb das fakten-, nachweis- und beweisfreie in-den-raum-stellen der behauptung „die familie“ hätte viel einfluss auf „die partei“. andreas rudas ist -laut wikipedia- seit fast 10 jahren nicht mehr in der politik und rudas' vater ist -so schreibst zumindest du- arzt.wo, wann und wie wird hier einfluss auf „die partei“ ausgeübt? das interessiert mich vor allem deshalb, weil ich nicht eine partei unterstützen möchte, die von einigen wenigen aussenstehenden beeinflusst wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.