Politcamp Graz 09: Meine kleine Nachbetrachtung

Anfang Mai 2008, ich hatte Blogs eben erst kennen gelernt, hörte ich von einer Veranstaltung die sich Politcamp nannte und praktisch vor meiner Haustür (jedenfalls in Graz) stattfinden würde. Ich war neugierig und dachte, dass das toll klingt, spannend und interessant. Und dass ich, ganz neu im Web 2.0 und ohne Plan und Ahnung, der ich niemanden dort kenne, dort nix verloren habe. Also war ich nicht dort. Rückblickend war das selbstverständlich eine dumme Entscheidung die auf unbegründeter Angst basierte. Das kann ich aber erst jetzt, nach dem Politcamp 2009 sagen, in dessen Vorfeld ich dieselben Zweifel hegte. Den Unterschied machte letztlich die Teilnehmerliste. Beim Lesen von Namen wie Dieter Zirnig (Neuwal, Waljournal, hätte mich unglaublich interessiert, ist aber leider nicht gekommen), Max Kossatz, Gerald Bäck, Martin Schimak, Niko Alm und hc voigt war die Neugierde schon gewaltig und die Motivation wirklich hinzugehen gegeben.

Das Politcamp war meine erste derartige Veranstaltung. Dementsprechend kann ich keine Vergleiche ziehen wie üblich/unüblich Organisation und Ablauf waren. Aber dass für einen einfachen Besucher wie mich alles sehr reibungslos ablief (also die Organisation sehr gut gemacht war) möchte ich doch anerkennend erwähnen (das ist ja immerhin eine Menge Arbeit mit einer Unzahl an potentiellen Problem- bzw. Fehlerquellen).

Inhaltlich raucht mir noch immer der Kopf, besonders die theoretischen Sessions von hc voigt („Die Emergenz des web2.0 als Bedingung der Möglichkeit neuer politischer Praxen„) und Julian Ausserhofer, der, gemeinsam mit seinem Betreuer Heinz Wittenbrink und hc voigt, über seine Abschlussarbeit und darüber hinaus über die Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) und Bruno Latour sprach, waren sehr interessant und intensiv (sehr viel guter Inhalt in kurzer Zeit).

Ich möchte hier nicht den Ablauf des Politcamps dokumentieren, dazu gibt es mit den Organisatoren sicher befähigtere Leute als mich. Außerdem gibt es Videos. Deshalb werde ich einfach damit fortfahren, ein paar meiner Eindrücke zu schildern.

Zum Beispiel dass ich mich sehr gefreut habe, Christian Klepej persönlich kennen zu lernen (den Onlinebekanntschaften mal direkt ins Gesicht sehen zu können, ist wahrscheinlich das beste an solchen Veranstaltungen). Das ich herausgefunden habe, dass Walter Reiner, den ich auch zum ersten Mal live sah, in seinem Wiki an etwas ähnlichem arbeitet wie ich mit „Internetsperren in Österreich“ (was gut ist, da sich die Projekte in einer frühen Phase befinden und so nicht groß Arbeit doppelt gemacht wurde). Oder dass ich Martin Strobl, einer meiner, wenigen, web-affinen Genossen, endlich mal wieder gesehen habe. Ja, die erwähnten sind wie ich Grazer, lustig, irgendwie…

Ich breche die Liste der Leute mit denen ich geredet habe (ich müsste eigentlich alle auflisten, da es ausnahmslos angenehme Begegnungen waren) einfach unbegründet ab und komme nochmal zurück zu den Sessions. Da gab es nämlich noch die von Niko Alm über die Laizismusinitiative, die anschließend sehr kritisch diskutiert wurde. Mir war bis dahin nicht klar, dass die Initiative als polemisch wahrgenommen wird.

Nun aber zu meinem einzigen Kritikpunkt, und der betrifft ausschließlich mich. Ich war nämlich vollkommen passiv und hab (in den Sessions) nur zugehört. Das hat einerseits mit meiner Gier möglichst viel Wissen zu sammeln das ich noch nicht habe zu tun und andererseits war ich wohl einfach feige. Aber wenn es mehr Leute wie mich gäbe, wär das für solche Veranstaltungen ziemlich schädlich.

Das Politcamp 09 in Graz war eine tolle Veranstaltung von der ich sehr viel mitgenommen habe. Nächstes Jahr soll es wieder eines geben, im November diesen Jahres ist ein Politcamp in Wien geplant.

Über das Politcamp haben schon gebloggt:
Jürgen Koprax
Heinz Wittenbrink
Jochen
PS: Dieser Eintrag steht hier und nicht in meinem Politikblog, da es sich um eine persönliche Reflexion handelt. Einen Beitrag über das „Politische“ am Politcamp schreib ich vielleicht später noch.

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8 Antworten zu “Politcamp Graz 09: Meine kleine Nachbetrachtung”

  1. Ich denke nicht, dass mehr Leute wie du schädlich für Barcamps sind!
    Denn auf Barcamps gibt es kein richtig und falsch. Wenn du nix vortragen kannst, dann reicht es auch wenn du einfach eine Frage oder ein Problem vorstellst und die Gruppe bearbeitet dies dann.

  2. Mathias sagt:

    Danke für den Bericht. Wäre auch sehr gern dort gewesen, ging sich aber zeitlich nicht aus. Ich kann dich jedenfalls verstehen, beim ersten Mal gleich irgendetwas selbst zu veranstalten wäre auch nicht mein Ding. 😉 Bei der Laizismus-Diskussion hätte ich aber gerne meine Meinung zum Besten gegeben – naja, in Wien dann…

  3. […] auch christian, jürgen und thomas haben inzwischen übers politcamp […]

  4. Thomas sagt:

    Schade, aber vielleicht sehen wir uns ja mal beim Politcamp in Wien…:)

  5. Thomas sagt:

    Du hast vollkommen recht, außer mit der Idee das ich etwas zu sagen gehabt hätte. Vielleicht wenn ich genug über Internetsperren.at nachgedacht gehabt hätte. Nächstes Jahr wird alles besser 😉

    Das steht hier, weil es sich um eine persönliche Reflexion und nicht wirklich um einen politischen Beitrag handelt.

  6. tja, ich hab ja schon im Vorhinein und Vorort gesagt, dass ich sehr gespannt gewesen wäre, eine Session von Dir zu hören und bin überzeugt davon, dass Du auch locker 3 hättest bestreiten können. Hätte mich gefreut.

    muss Dir in einem Punkt widersprechen, sorry und *grins*, das Aufsaugen von Wissen stünde in gar keinem Widerspruch zum Selbst Exponieren, weil, was glaubst Du, was Du da alles an Feedback aufsaugen würdest können. 🙂

    Freu mich aber auf das nächste Jahr, davon ausgehend, dass Du dann sehr wohl etwas präsentierst, was dann auch sicherlich für mich sehr interessant sein wird.

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