Parteien und ihre Websites

Michael Thurm schrieb unlängst einen Deutschland-bezogenen Artikel über Parteien, Politiker und YouTube. Das brachte mich ein wenig zum Nachdenken, und so möchte ich an dieser Stelle kurz ein paar Gedanken über Parteiwebsites veröffentlichen. Gegenstand meiner Beobachtung werden dabei die Websites von SPÖ, ÖVP, FPÖ, BZÖ und den Grünen sein. Vorweg möchte ich betonen dass ich kein Techniker bin, und auch keinen technischen Blick beabsichtige, ebenso wenig kann ich Barrierefreiheit beurteilen.

Alle Parteien, nicht nur die großen, sondern auch kleine und neu gegründete haben Websites. Das Internet ist längst als Möglichkeit der Informationsverbreitung etabliert und fast jeder der seine Ideen transportieren möchte, geht davon aus, dass sie über Google (uä) gefunden werden sollten. Für neue Parteien (Gruppen, Initiativen) ist dies oft sogar der einzige Weg, wahrgenommen zu werden (nicht nur die eigene Homepage, sondern auch Foren und Blogs auf denen man kommentiert, etc.). SPÖ, ÖVP und Grüne haben grundsätzlich gute Sites, das BZÖ bemüht sich, die FPÖ scheint darauf zu verzichten irgendetwas außer schlechter Grafiken und Presseaussendungen online zu stellen. Das ist insofern interessant, als man sich für den Parteiobmann Strache eine wesentlich besser gemachte Site leistet. Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob es überhaupt Sinn macht, mehr als FPÖ und BZÖ ins Internet zu investieren.

Die Leute surfen auf eine Site, sehen sich ein paar Bilder an, suchen vielleicht eine Kontaktadresse oder Standpunkte und Vorschläge einer Partei zum Thema X. Dafür reicht das Angebot der FPÖ (Informationen anbieten = Web 1.0 oder so). Das BZÖ bietet zusätzlich noch mehr bewegte Bilder. Allerdings hat man beim BZÖ auch öfters den Eindruck, dass sie ihre Sites nicht ganz verstehen bzw. die volle Kontrolle darüber haben. Das sah man beim Angriff linker Webterroristen, man merkt es aber auch daran, dass man heute noch unter einer URL die auf ein Portrait von Peter Westenthaler schließen lässt, einen Lebenslauf von Jörg Haider findet, der schon zu dessen Todeszeitpunkt nicht mehr aktuell war.

Im Gegensatz zu FPÖ und BZÖ versuchen sich SPÖ, ÖVP und Grüne mehr und mehr am Web 2.0. Die ÖVP hat unlängst, mit großem Trara, ihre neue Homepage vorgestellt, mit der sie sich aber nur langsam an SPÖ und Grüne, die hier einen Vorsprung haben und diesen auch ausbauen, annähert. Das beste (und „innovativste“) an der Site ist, dass sie Inhalte unter CC-Lizenz stellt, wenngleich unter die restriktivste, so dass man mit den Inhalten nichts machen darf, außer sie unverändert und mit Quellenangabe weiterzugeben, was praktisch für niemanden eine Veränderung darstellt. Alle drei Parteien sind auf diversen Social-Media-Plattformen (Flickr, YouTube) und Social-Networks (Facebook, Myspace) vertreten. Im EU-Wahlkampf entdeckt Hannes Swoboda (SPÖ) beispielsweise auch Twitter (zu seiner Verteidigung muss man aber sagen, dass er schon vorher regelmäßig sein Blog füllte, so das zumindest dieses kein Wahlkampf-Strohfeuer sein dürfte). Politiker der drei bloggen, was von allen in Blogportalen zusammengefangen wird, die auch prominent beworben werden (bei der SPÖ sogar mit einer eigenen Domain, bei der ÖVP dagegen mit wenigen und teilweise katastrophal gemachten Blogs).

Rein von der Benutzung des Web 2.0 hat die SPÖ unter Laura Rudas und Kommunikationschefin Elisabeth Hakel zu den Grünen aufgeholt (die es im Nationalratswahlkampf 08 von den fünf Parlamentsparteien unbestritten am besten verstanden). Die Plattform zum Mitreden, das Netzwerk Campa (auch wenn es in der Ausführung lahmt), endlich die Kommentare auf YouTube freizugeben, das alles sind offene Diskussionsmöglichkeiten. Mit dem Sammeln von „BotschafterInnen für das A-Team“ hat man im Internetwahlkampf für die EU-Wahl klar die Spitzenposition übernommen. So sehr mich das als Internet- und Web 2.0-affinen Roten auch freut – hat das einen Sinn? Im letzten Nationalratswahlkampf waren in diesem Feld wie gesagt, die Grünen Spitze, das LiF ebenso, die FPÖ dagegen war ein Totalausfall. Das hatte aber keinerlei signifikante Auswirkungen, die FPÖ sahnte gerade bei den Jungen, die mit dem Internet aufwachsen (und aufgewachsen sind) ab, die Grünen wurden enttäuscht durchgereiht, das LiF vernichtet.

Die Web 2.0-Gemeinde in Österreich ist überschaubar, um nicht zu sagen bedeutungslos. Der Anteil dieser kleinen Gruppe, der an Politik interessiert ist, ist meist ohnehin schon „vergeben“. Extra für diese Gruppe Zeit und Geld zu verschwenden ist einfach gesagt, dumm. Aber das wird, denke ich, auch keine Partei tun. Es geht mehr um ein Experimentieren, darum, etwas anzubieten, das vielleicht bald selbstverständlich sein wird, und von den früheren Erfahrungen und Kontakten zu profitieren. Im Web 2.0 sind SPÖ, ÖVP und Grünen der Mehrheit ihrer Wähler weit voraus. Wenn beim deutschen Politcamp die Frage auftaucht, ob Wahlkampf im Netz ein überbewertetes Spielzeug ist, dann lautet die Antwort: Ja, noch… Im Übrigen bin ich der Meinung das Politiker auf Facebook keine Profile, sondern Seiten (wie Joe für Europa) haben sollten.

3 Antworten zu “Parteien und ihre Websites”

  1. hanschristianvoigt sagt:

    Die Web 2.0-Gemeinde in Österreich ist überschaubar, um nicht zu sagen bedeutungslos. Der Anteil dieser kleinen Gruppe, der an Politik interessiert ist, ist meist ohnehin schon “vergeben”.

    … das ist eine wohltuend realistisch und hebt sich mal endlich von der „Die PolitikerInnen haben web2.0 nicht verstanden“ und „Die Politiker müssen sich dem web2.0 gegenüber öffnen“ Euphorie sinnvoll ab.
    Wenn diese Sicht von Politik – umgelegt à la „das Internet is a series of tubes“ mal etwas von der ihr eigenen Naivität abgearbeitet hat, wird wahrscheinlich der Raum frei für interessantere Ideen und Ansätze, das Medium im politischen Feld zu nutzen.

  2. christian passin sagt:

    die frage ist eine grundsätzliche… inwieweit ist die politik an web x.y interessiert… es scheitert bei den österreichischen parteien (ich mein damit auch orts-, gemeinde- und bezirksstrukturen) an geld, zeit und resourcen um gewisse standards des web 2.0 – falls es diese überhaupt wirklich geben soll – zu erfüllen… ich sag nur eins, jeder an politik interessierte user – sei’s nun aktiv oder passiv – soll das machen was spaß macht… wie z.b. stripbloggen… .)

  3. michaelthurm sagt:

    Meine Konzentration aufs „Deutsche“ hat natürlich neben der Herkunft vor allem damit zu tun, dass es auf den Österreichischen YouTube-Kanälen von SPÖÖVPGRÜNEFPÖ nicht allzuviel zu sehen gibt. Sehr schade, aber die Begründung für die „schleißigen“ Online-Auftritte trifft auch für die Videoportale zu.
    Ich hoffe, mit deiner Einschätzung des „NOCH“ (Überbewertete Spielzeuge) hast Du recht.

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