Österreich braucht Studiengebühren

Österreich im Jahr 2009. Die Universitäten werden von wilden Horden an Studierenden überrannt. Unvorstellbare Massen, man spricht von bis zu 300.000 Studierenden, sprengen die Kapazitäten der österreichischen Universitäten, die dem Ansturm schutzlos ausgeliefert sind. Die Folgen sind unabsehbar, im schlimmsten Fall könnte die AkademikerInnenquote in Österreich sogar auf über 20 % steigen und sich damit gefährlich dem OECD-Schnitt von 27 % nähern, der offensichtlich nur durch sozialistische Gleichmacherei und Nivellierung nach unten erreicht werden kann.

Doch es muss nicht so sein. In den Jahren 2001-2008 flossen an den österreichischen Universitäten Milch und Honig. Die unter der schwarz-blau/orangen Bildungsministerin Elisabeth „Man kann durchaus stolz darauf sein, als Wissenschaftsministerin niemals eine Universität von innen gesehen zu haben“ Gehrer eingeführten Studiengebühren hatten dazu geführt, das die Universitäten soviel Geld hatten, dass sie selbst nach üppigen Forschungs- und Nachwuchsförderungen, zahllosen Stipendien, massenhaft Neuanstellungen und Werbung von SpitzenwissenschafterInnen aus dem Ausland, dem Ankauf sämtlicher aktueller Literatur in sämtlichen wissenschaftlichen Disziplinen und der Renovierung und Modernisierung aller Gebäude aller Universitäten, nicht wussten, wohin damit. Im Winter wurde sogar mit 500 Euro-Noten geheizt, da der Tresor zu platzen drohte. Doch gerade als man dabei war, Harvard geradezu rückständig und unterentwickelt aussehen zu lassen, verschworen sich die sozialistischen Gleichmacher mit den kiffenden Langzeitstudenten und den anderen Feinden der ÖVP, die populistisch genug waren, Österreich ins Verderben zu stürzen.

Im Vorfeld der Nationalratswahl 2008 wurde die Zahl der Studiengebührenpflichtigen soweit eingeschränkt, dass die Studiengebühren de facto für den Großteil der Studierenden abgeschafft wurden. Diese Katastrophe biblischen Ausmaßes führte dazu, dass innerhalb nur eines Jahres sämtliche SpitzenforscherInnen das Land verließen, sämtliche renovierte und modernisierte Gebäude in baufälligen Zustand zurückfielen, etc. Und nun kommen sie alle, die Armen, die Alten, der Pöbel, aus ihren Löchern gekrochen und wagen es, an den Universitäten zu studieren! Aber es ist noch nicht alles verloren. Dr. Johannes Hahn, langjähriger Philosophiestudent mit einer qualitativ lächerlichen Kant vernichtend schlagenden Dissertation die in keinster Weise jeder Hinsicht den Standards wissenschaftlichen Arbeitens genügt, hat mit seiner Plastikmesserscharfen Analysekompetenz sofort die Wurzel allen Übels erkannt, und kämpft nun völlig wirr und planlos unermüdlich dafür, die Studiengebühren wieder für alle einzuführen. Danke Gio, Danke, denn damit wären, wie schon einmal, auf magische Weise alle Probleme der Universitäten gelöst

9 Antworten zu “Österreich braucht Studiengebühren”

  1. Stimmt, Studiengebühren sind wirklich mehr oder weniger sinnlos, vor allem wenn man bedenkt, dass sie nur ein Tropfen auf dem heißen Stein der Staatsausgaben für die Bildung sind.Was wir hingegen wirklich brauchen, sind Zugangsbeschränkungen für überfüllte Studiengänge – und davon gibt es, zumindest meiner Erfahrung nach, mehr als genug.Ich sehe es nicht wirklich ein, dass a) ambitionierte Studierende keinen Platz in Übungen und Seminaren bekommen, weil Bummelstudenten auf ihre Familienbeihilfen-ECTS-Punkte hin alles Mögliche belegen und b) eben auch das Studium jener Studenten staatsalimentiert wird, die dies als nettes Hobby oder lustigen Zeitvertreib sehen („Ich weiß nicht, was ich sonst machen soll“ etc.), anstatt als Chance zur Ausbildung.So zu tun, als liefe eh alles super, ist jedenfalls vermessen. Die Akademikerquote steigt schließlich nicht zwangsläufig, nur weil prinzipiell mehr Leute studieren – bzw. nicht in einem sinnvollen Verhältnis zu den entstehenden Kosten. Das sozialdemokratische Credo, es müsse jeder – egal, wie uninteressiert oder unbegabt er ist – in Österreich studieren dürfen, wird's auf Dauer ganz einfach finanziell nicht spielen.

  2. Stefan sagt:

    Was um alles in der Welt, außer ideologischer Irrwitz, veranlasst SPÖ und Grüne so gegen Studiengebühren zu wettern, wo diese doch, mit einem entsprechend auszubauenden Stipendiensystem, einiges zur so oft geforderten Umverteilung von oben nach unten beitragen könnten?Man kläre mich bitte auf, warum die Allgemeinheit das, vielleicht auch noch elendslange, Studium von Politikerkindern oder dem Nachwuchs der s.g. wirtschaftlichen Elite genau so finanzieren soll wie das eines sozial schwächer gestellten jungen Erwachsenen aus einer Arbeiterfamilie?Wäre es nicht (sozial) viel gerechter, würden die Wohlhabenden einen Beitrag zur Finanzierung unsere Bildungssystems leisten? Wäre das nicht viel mehr im Sinn der sozialdemokratischen Grundwerte? Reichensteuer aber kostenloses Studium für die Kinder von Herrn Treichl oder Konrad?Irgendwie ist mir die Logik nicht ganz klar, bitte um Aufklärung.

  3. Wie auch immer die Diskrepanz zwischen Ausbildung/Einkommen der Eltern und Chancen eines Kindes auf Erlangen einer hochwertigen Ausbildung gelöst wird: Fest steht, dass sie gelöst werden muss. Das Potenzial eines etwaigen Studenten (um nicht zu sagen: seine Intelligenz) hängt nämlich – man höre und staune! – nicht zwingend von der Vermögenssituation bzw. Bildungsniveau seiner Eltern ab. Kann sein, dass das Viele (erstaunlicherweise oft Kinder aus Familien, die vor Generationen irgendwann erfolgreich Geld angehäuft haben) nicht wahr haben wollen, aber Intelligenz und somit mitunter akademisches Potenzial werden gänzlich unabhängig von Vermögenswerten vererbt…Originell aufbereitet mitunter hier:http://diepresse.com/home/wirtschaft/karriere/b

  4. Ich bin sogar davon überzeugt, dass ein kausaler (nicht bloß statistischer) Zusammenhang zwischen dem Vermögen der Eltern und dem Ausbildungsniveau des Kindes kaum vorhanden ist. Es sind doch vielmehr der Umgang mit Bildung im elterlichen Haus, der Erfahrungsschatz und die an das Kind vermittelte Weitsichtigkeit, die dazu beitragen, aus dem Sprössling einen intelligenten Akademiker zu machen – alles idelle Werte, die man mit noch mehr Geldzufluss auch nicht erzwingen kann.Wo spielt da bitteschön Geld noch eine Rolle und warum ist es so unvorstellbar, dass auch beim Vorhandensein von Studiengebühren Arbeiterkinder studieren gehen – solange sie das notwendige geistige Feedback ihrer Eltern erhalten?

  5. Ebenfalls müsste man eruieren, wie viele potentielle Studierende aufgrund von Studiengebühren nun wirklich dazu verdammt sind, ihren Wunschberuf Akademiker aufzugeben und arbeiten gehen müssen, obwohl es ihnen anders lieber wäre. Immerhin reden wir nicht von Gebühren jenseits der 1000€ pro Semester, sondern um im Vergleich lächerliche 360€, die die Studiengebühren zuletzt in etwa betrugen. Es fällt mir schwer zu glauben, dass es jemand nicht schafft, 720 Euro übers Jahr verteilt aufzubringen, um damit die Gebühren bezahlen zu können. In etwa so viel habe ich in einem Monat Ferialjob bei der Post (wo wirklich jeder reinkommt) verdient, das ich dann eben nicht in meine Xbox, sondern in meine Ausbildung investiert hätte – so what?

  6. Name sagt:

    Das Geld, dass ich im Ferialjob verdiene, verwende ich aber lieber für bessere lebensmittel, damits nicht jeden Tag Nudeln mit Ketchup sein müssen. Übrigens solls hie und da auch Studenten geben, die ein Praktikum machen und da einen Scheißdreck verdienen. Wer 360€ als lächerlich bezeichnet, soll meinetwegen gerne zahlen, ich will das aber nicht.

  7. Gast 7 sagt:

    Die Studiengebühren gehören wiedereingeführt und sogar erhöht und denStudenten die länger als 5 Jahre in Ö leben oder Ö Staatsbürger sind zurückbezahlt.

  8. Manuela sagt:

    Ich bin für die Studiengebühren, weil €400 pro Semester ist nicht viel. Und was arbeiten und studieren angeht, funktioniert super nur man muss in der Lage sein alles unter einem Hut zu kriege.

  9. Thomas sagt:

    @Manuela – es ist schön für dich, dass 400 € pro Semester für dich nicht viel Geld sind. Für mich und viele andere ist das aber sehr wohl so. Und es gibt mehr als genug Studienrichtungen, wo man zumindest nicht in Mindestzeit bleibt, wenn man nebenbei arbeiten muss, was dann dazu führt, dass man sämtliche Unterstützungen der öffentlichen Hand verliert, was dann dazu führt, dass man noch mehr arbeiten muss.

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