Meine politische Heimat, mein Problem

Ich habe, speziell auf Feuerhaken.org, ein Problem. Ich bin einer jener „Nestbeschmutzer“, die das Eigene, dem sie angehören und/oder dass sie wertschätzen bzw. mögen gerade deshalb kritisieren. Wir sehen die Potentiale und wir ärgern uns über Schwächen, deshalb sprechen wir sie an. Weil wir das Beste aus der Sache herausholen wollen. Das geht mir mit Österreich so. Ich mag das Land. Nicht so gern wie Länder südlich davon, aber im Vergleich zu Ländern wie Finnland, die außer Ebenheit, Seen, Kälte und Dunkelheit nichts zu bieten haben, liebe ich Österreich heiß.

Das geht mir aber auch mit meiner politischen Heimat, der Sozialdemokratie und ihrer politischen Manifestation, der SPÖ, so. Ich bin ein Linker im ganz klassischen Sinn. Ich bin Sozialdemokrat, aus Überzeugung und aus tiefstem Herzen. Nicht dennoch, sondern gerade deshalb, finden sich auf Feuerhaken.org mehr Einträge die die Linken kritisieren, als Einträge gegen Rechts. Es finden sich über keine Partei so viele kritische Einträge, wie über die SPÖ. Die positiv gehaltenen Einträge über die SPÖ kann man glaube ich an einer Hand abzählen (bei inklusive diesem 529 Einträgen).

Dies ist vor allem aus zwei Gründen ein Problem. Einerseits, weil sich dadurch eine gewissen Kommunikationsroutine einschleicht. Aus dem Stand heraus tue ich mir wesentlich leichter, die SPÖ zu kritisieren, als sie zu verteidigen. Auch mit Kritik an den anderen Parteien tue ich mir schwer, wobei ich Grüne und Kommunisten immer noch deutlich besser kritisieren kann, als ÖVP, BZÖ und FPÖ. Nicht dass es nicht genug zu kritisieren gäbe, aber ich muss erst analysieren, vorformulieren, etc. Nachdenken auf gut Deutsch. Andererseits kommt mein Zugang zur Sozialdemokratie und zur SPÖ bei vielen Genoss_inn_en, Sympathiesant_inn_en und Linken nicht gerade gut an. Verkürzt scheint es so, als würde ich sagen „Ihr seids super“ und im gleichen Atemzug ergänzen „Aber deshalb, deshalb, deshalb und deshalb seids ihr scheiße.“

Jetzt ist mir bewusst dass ich das nicht tue und das eine Sache die nicht auch intern hinterfragt und kritisiert wird, sich bald einmal verrennt und abstirbt. Gerade im politischen Bereich überlässt man, wenn man nicht genug Selbstkritik übt, die ganze Kritik dem politischen Gegner. Etwas dass die österreichische Linke (und nicht nur die) zur Perfektion getrieben hat. Wenn man sich dominante Themen der Zeit anschaut, Migration, Asylwesen, Integration – dann haben die linken Parteien konsequent alle miteinander die Augen fest verschlossen, als es noch um mögliche Konsequenzen und Probleme ging. Jetzt, wo sich reale Probleme längst manifestiert haben, öffnen sie sie langsam. So ergibt sich, dass die entsprechende Politik in Österreich idiotischer nicht gemacht werden könnte (zB Wir wollen zwar eigentlich keine Asylwerber, aber weil es sich halt gehört, nehmen wir sie auf, aber dafür behandeln wir sie nicht wie Menschen).

Der Umstand dass nicht nur nicht um hochqualifizierte Ausländern geworben wird, sondern dass diesen, wenn sie trotzdem, vor allem dank einzelner Universitäten und Fachhochschulen kommen wollen, alle nur irgendwie erdenkbaren Steine in den Weg gelegt werden. zB die in den meisten österreichischen Städten betriebene „Ghetto“-Bildung bei der Vergabe von öffentlichen Wohnungen.). Die Linken haben bis heute keine vernünftige Position gefunden, außer dass die Menschenrechte gewahrt werden müssen. Schön, die werden aber ohne großen Aufschrei permanent mit den Füßen getreten. Und außerdem ist das dann doch recht wenig. Die Themen sind deshalb inzwischen klar rechts und teilweise rechtsextrem besetzt. Die rechte Kritik an den Linken hat sich hier etabliert und wirkt weit in gemäßigte und teilweise linke Kreise hinein.

Seht ihr? Schon wieder die Linke kritisiert.

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4 Antworten zu “Meine politische Heimat, mein Problem”

  1. tom93 sagt:

    und jetzt erwähne doch bitte noch die negativen folgen und effekte deiner ständigen "nestbeschmutzung".
    oder war das eh wieder die immergleiche leier in eleganterer verpackung?

  2. Ach, wenn du hin und wieder ein bisschen weniger weit mit dem Polemikhammer ausholst passt das schon 🙂

  3. in österreich scheint man noch schneller als nestbeschmutzer gebrandmarkt zu werden, als bei uns in der schweiz. kommt ein angriff von innen oder von aussen, so halten plötzlich alle betroffen wie ein mann zusammen. trotzdem braucht es jene, die ein bestehendes system immer wieder kritisch beleuchtet, nur so kann es qualitativ wachsen.

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