It’s Wahlkampf on the internet

Dies ist mein eigener Beitrag zu meiner Blogparade zum Thema „Internetwahlkampf“: Ich bin kein Politiker und keine Medienexperte, ich bin kein Medientheoretiker und kein Webprofi, ich bin auch kein Puplizistik- oder Journalismusstudent, sondern im wesentlichen Konsument (und in bescheidenem Ausmaß Blogger). Von dieser Position aus, ohne Praxiserfahrung (mich „verkaufen“ zu müssen) oder theoretisches Konzept schreibe ich diesen Eintrag, daher möge bitte niemand die Erleuchtung erwarten. Wenn (unsere österreichischen) Parteien einen „Internetwahlkampf“ ankündigen, was spätestens seit Barack Obamas erfolgreicher Verwendung des Mediums gerne und oft passiert, bedeutet das in der Regel eine Relaunch der Parteihomepage, die Einrichtung eines oder mehrere Blogs und Konten bei social networks für die Spitzenkandidaten (und häufig auch die „Jugendkandidaten). Diese verweisen dann (wenigstens) in der Regel auch aufeinander. Dazu gesellt sich dann noch der eine oder andere Twitter Account. Bilder werden via Flickr online gestellt. Videos bei YouTube. Kommentare werden in der Regel nicht ermöglicht bestenfalls aber (streng) moderiert und ignoriert.

Dass die Politiker selbst ihre Facebook-, Twitter-, uä Accounts verwenden (und befüllen), glauben nur noch die wenigsten. Genau genommen, könnte man das aber auch gar nicht erwarten, wenn man den Politiker als Politiker und Wahlkämpfer ernst nimmt (Tweets kann man selbst schreiben, aber auf jeden Kommentar, jeden Pinnwandeintrag und jede Nachricht selbst zu antworten, muss einfach  zu viel Zeit beanspruchen, wenn man das Web 2.0 auch nur ein wenig erfolgreich einsetzt). Das Web 2.0 wird allem Anschein nach als „Köder“ oder „Wegweiser“ zu den online verfügbaren Informationen, Slogans, Wahlkampfprogrammen uä gesehen. Und diese Sichtweise ist ja so blöd nicht, das Netz steckt ja nicht umsonst in vernetzen.

Aber! Einfach alten Wein in neue Schläuche gießen doesn’t do the trick. Außerdem! So gut wie alles, was im Internetwahlkampf eingesetzt wird, liegt danach brach. Ausnahmen sind Politiker die sich von sich aus mit dem Internet und speziell dem Web 2.0 beschäftigen, wie Eva Lichtenberger, Christoph Chorherr und Andreas Schieder (das wirft nebenbei die Frage auf, warum dies vor allem linke und einige konservative Politiker, aber keine rechten, tun).

Was das Web 2.0 den Politikern und ihren potentiellen Wählern bietet, ist Kommunikation, Interaktion, abseits des Händeschüttelns bei Wahlkampfveranstaltungen und Zeltfesten (und die Möglichkeit, Menschen zu erreichen, die man bei solchen Veranstaltungen nicht erreicht). Aber wird dies genutzt? Eben. Bloß präsent zu sein reicht nicht (mehr), man muss „real“ sein, interagieren (antworten!). Man kann auf einen Internetwahlkampf kaum mehr verzichten, wenn er von einem erwartet wird, weil ihn alle machen, weil Obama so erfolgreich war. Die „alten“ Medien berichteten im Rahmen der Landtagswahlen im deutschen Bundesland Hessen ausführlich über die Web-Aktivitäten der Parteien. Auch das ist ein Grund, zumindest irgendetwas ins Internet zu stellen.

Sich im Web 2.0 zu etablieren braucht Zeit. Zeit, um sich zu vernetzen, aber zu aller erst, um es überhaupt zu verstehen. Auch dieses Medium „richtig“ (Interaktion) für einen Wahlkampf zu nutzen, erfordert mehr Arbeit, als Presseaussendungen. Oder zumindest andere. Dieses Verständnis ist in den Parteizentralen großteils wohl nicht vorhanden. Andererseits muss man sich aber auch fragen, ob das Internet als Medium überhaupt relevant genug ist, um sich die Mühe zu machen. Kann man damit Wählerstimmen in signifikantem Ausmaß (zumindest so groß, dass es den Aufwand rechtfertigt) gewinnen? Gibt es überhaupt genug potentielle Wähler, die man auf diesem Weg erreichen kann? Hat Wahlkampf im StudiVZ Sinn, wenn die Leute dort nur Partyfotos kommentieren und sich gegenseitig Schmähs auf die Pinwand schreiben wollen (ich erwähne StudiVZ weil es in Österreich (wie im ganzen deutschsprachigen Raum Facebook (noch) weit voraus ist)?

Wohl (noch) nicht. Aber es kann soweit kommen. Sehr wahrscheinlich wird es soweit kommen. Und vernünftig wäre, „hineinzuwachsen“, bevor es so weit ist. Die Wahlkämpfer die scheiterten, weil sie die Bedeutung des Mediums Fernsehen nicht oder zu spät verstanden haben (Bild statt Wort), als dieses seinen Durchbruch feierte (was länger dauerte, als es beim Internet der Fall sein dürfte), sollten eigentlich mahnende Beispiele sein. Jemand der dies verstanden hatte, und 1975 in einem TV-Duell einen großen Sieg gegen jemand, der es nicht verstanden hatte, einfuhr, sagte einmal (aus anderem Anlass): „Lernen Sie Geschichte…“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.