Ist Paul Krugman kein Klugmann? Fragt Josef Pröll!

Paul Krugman sprach über Österreich, und das angesprochene Land verfällt in Panik. Doch fürchtet euch nicht, wir haben Pepi Pröll! Was war passiert? Der Nobelbreisträger beantwortete im Foreign Press Club in New York alle möglichen Fragen, und ein Journalist von „Österreich“ fragte ihn: „Some media have speculated that Austria, one of the wealthiest countries in Europe, might go actually bankrupt. What is your take on that? How real are those dangers?“.
Krugman macht sich Sorgen um die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf Osteuropa und meinte daher „It is ugly. … Austria with a large exposure there, I mean, I haven’t done the sums, but it does look pretty scary. … It’s a huge exposure to a very, very troubled region.“. Soweit, so unspektakulär. Armin Wolf hat das alles herausgefunden (keine journalistische Meisterleistung, alles leicht verfügbar, aber er ist trotzdem der einzige der es macht).
Bei der Veranstaltung, wie auch in einem Blogeintrag, in dem er auf die Aufregung reagiert, spricht Krugman weder von einem „Staatsbankrott“ noch davon dass einer drohe (wie es die österreichischen Medien taten). Er habe lediglich offensichtliches ausgesprochen. Österreichische Banken haben verdammt viel offene Kredite in Osteuropa, und wenn die schlimmen Szenarien für dort wahr werden (was nicht passieren muss, aber kann), dann sieht es für die Banken sehr schlecht aus, und dann muss der Staat mit eben diesem verdammt vielen Geld einspringen. That’s it. Ziemlich einfach. Dennoch haben das nur Armin Wolf und ein paar Blogger (zB Der rote Salon und POLILOG) verstanden.

Ansonsten herrschte völlig irrationale Panik. Auch bei Ö1 (die Enttäuschung über den „Qualitätssender“ ist Anlass für meinen Blogpost). Dort wird allen ernstes behauptet, wenn IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn sagt, dass der Staatsbankrott nicht unmittelbar vor der Tür steht, sei dass das Gegenteil von dem, was Krugman sagte. Markus Pirchner hat wohl leider recht, wenn er meint, das Nationalismus journalistische Sorgfalt sehr leicht overruled.
Wenn es der sogenannte „Boulevard“ wäre, ok. Aber es sind die sogenannten „Qualitätsmedien“, die mich ärgern. Auch in der „Presse“ keine Spur von vernünftiger Berichterstattung. Im „Standard“ sowieso nicht. Beide berichten bloß über seinen Blogeintrag, sehen sich aber nicht genötigt, in der restlichen Berichterstattung die Dinge richtig zu stellen (vielleicht haben sie es wirklich nicht verstanden?).

Und dann gibt es da noch Einzelpersonen, von Amts wegen eigentlich für Experten oder zumindest vernünftig zu halten, die auf den völligen Blödsinn (bitte, „ÖSTERREICH“ hat das losgetreten! Wie kann man da unkritisch hinterher rennen?) unreflektiert reagieren.

Der luxemburgische Premier und Chef der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker etwa gab allen ernstes den Sager das Krugman wohl kein Klugmann sei von sich. Tag nach der ursprünglichen Aussage Krugmans und seinem Blogeintrag! Im selben Artikel wird auch darüber berichtet, wie sehr sich KK (KuschelKanzler) Faymann blamierte. Der behauptet doch bei vollem Bewußtsein das Krugmans Aussagen „unsinnig“ seien, und er „jegliche Begründung für seine Behauptung schuldig geblieben“ sei.

Der Vorsitzende des Staatsschuldenausschusses, Bernhard Felderer, gibt sich schon vorsichtiger. Er meint Krugman mache „den üblichen Fehler“, Osteuropa als ganzes zu sehen, obwohl man Rumänien etwa nicht mit Tschechien vergleichen könne. FMA-Vorstand Helmut Ettl spottet, dass Krugman wohl „ein bisschen wenig Zeit [hatte], sich um die Details zu kümmern“. Beide haben recht. Das Problem dabei ist, das sie offensichtlich den Scheißdreck die Berichterstattung unkritisch geschluckt haben, und reagieren als ob Krugman in einem fundierten Referat ausführlich eine Analyse des bevorstehenden Staatsbankrotts Österreichs gegeben hätte.

Zum Schluss aber die in meinen Augen irrste Reaktion. Sie kommt von GröFaZ Pepi Pröll (Größter Finanzminister aller Zeiten). Bitte im Hinterkopf behalten, das Paul Krugman kurz eine Frage unter vielen beantwortete und keinerlei Prognose abgab. Pröll erschien im Klub der Wirtschaftspublizisten und gab dort Dinge von sich, die denke ich, nicht einmal der „Krone“ eingefallen wären. Die „unqualifizierten Äußerungen aufgrund offenkundiger mangelnder Information“ Krugmans seien „glatt falsch“, auf dem Rücken Österreichs werde ein „Wirtschaftskrieg“ (???) ausgetragen. „Aus dem Mund eines „Nobelpreisträgers“ (bei Gott, ich weiß nicht, wieso die „Presse“ Nobelpreistträger unter Anführungszeichen setzt) sei das sogar grob fahrlässig.“ Hinter diesem „Bashing“ stehe, so kann er, aber nur indirekt, ableiten, dass die Osteuropaexpansion der Österreicher welchem Argwohn und Neid beobachtet worden sei, gerade von Ländern, die selber diese Entwicklung verschlafen hätten.

In dem verlinkten Artikel dürfen dann auch noch ÖGB-Chef Erich Foglar, IV-Boss Veit Sorger, Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl, FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky und BZÖ-Wirtschaftssprecher Robert Lugar zu Protokoll geben, dass sie erst reden, und dann (wenn überhaupt) nachdenken.
Was sagt eigentlich Laura Rudas dazu?

Eine Antwort zu “Ist Paul Krugman kein Klugmann? Fragt Josef Pröll!”

  1. Michael sagt:

    Ich versteh nicht, warum deswegen alle so auf den Politikern, besonders auf Pröll herumhacken. Zwar hat Krugmann nicht gesagt, dass Österreich sofort bankrott geht, aber dass Österreich hinter Island und Irland der dritte in der Reihe ist. Und für Irland wurde bereits das Kreditrating heruntergesetzt (=teurere Staatsanleihen = weniger Konjunkturpakete).
    Selbstverständlich wird Österreich nicht sofort Bankrott gehen. Aber durch das Gerede von Krugmann werden Zweifel gesät. Und ruck zuck kosten österreichische Staatsanleihen ein paar Basispunkte mehr (der Spread zwischen deutschen und österreichischen Staatsanleihen ist historisch gesehen eh schon riesig) und vielleicht fragt sich der eine oder andere Investor, ob er wirklich Raiffeisen-Aktien kaufen soll. Vor dem Hintergrund ist es selbstverständlich, dass Pröll, Faymann usw. so reagieren wie sie das tun und alles andere wäre auch Fahrlässig. Ja keine Zweifel aufkommen lassen!
    Du musst ja nur nach Irland schauen. Bankrott sind sie nicht, aber die haben nicht nur kein Geld für Konjunkturpakete mehr, sondern müssen sogar noch extra sparen (wobei ich mir nicht so sicher bin, ob das nicht langfristig sowieso das Beste wäre).

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