Heiliger Jörg, bitte für uns

Seit im Oktober 2008 die Kärntner Sonne vom Himmel fiel (LH Dörfler über den Tod Jörg Haiders) blieb im „tschetschenenfreien“ Bundesland kaum ein Stein auf dem anderen. Zu fixiert war das Land auf seinen schon zu Lebzeiten fast allgegenwärtigen Landeshauptmann. Am 26. Jänner, Haiders Geburtstag, soll nun, nachdem die Gedenkstätte am Unfallort bis dahin nicht realisierbar war, eine Brücke nach ihm benannt werden. Unterdessen hat das BZÖ bekannt gegeben, dass man das zerstörte Auto Haiders von der Leasingfirma der es gehört, kaufen werde. Immerhin habe es auch nach dem Mord am amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy immer wieder Untersuchungen gegeben, aber bis heute wisse niemand, was genau passiert sei, so der Mann für die peinlichen Zitate, LH Dörfler.

Aber das von Jörg Haider gegründete BZÖ ist im Versuch aus dem Toten Kapital zu schlagen, nicht allein. Wie das um Platz eins kämpfende BZÖ, versucht auch die in Kärnten momentan marginale FPÖ „Jörgs (wie er dort plötzlich wieder genannt wird) Erbe“ für sich zu beanspruchen. Auch der Klagenfurter ÖVP-Bürgermeister Scheucher möchte etwas nach Haider benennen, vorzugsweise einen Park in der Landeshauptstadt. Das unmittelbar nach Haiders Tod das Buch „Jörg Haider: Mensch, Medienstar, Mythos“ (Amazon-Partnerlink) erschien, ging neben brutalster Kommerzialisierung wie „Dr. Jörg Haider singt“ fast unter.

Was dabei ignoriert wird, ist dass Jörg Haider stark alkoholisiert (1,8 Promille) und viel zu schnell einen Unfall hatte, bei dem zum Glück niemand anders zu Schaden kam (1). Das Jörg Haider teilweise rechtsradikale, oft menschenfeindliche und fast immer populistische Politik betrieb (2). Das er seine Popularität mit einer Annäherung an den Landesbankrott erkaufte (3).

Das hindert in Kärnten freilich kaum jemand, außer der SPÖ und den üblichen Verdächtigen (Grüne, Menschenrechtsorganisationen, etc) die Heiligsprechung voranzutreiben. Auch die zuständigen Kirchen nicht, von denen kaum ein kritisches Wort zu vernehmen war (auch nicht von der an sich kritischeren evangelischen Kirche, was zu Gertraud Knolls Austritt führte).

So verwundern auch die Gerüchte nicht, dass für die kommende Kärntner Osternacht etwas besonderes zu erwarten sei. Während manche wohl hoffen werden, dass Jörg Haider von den Toten zurückkehrt, und fortan ewig lebt (und damit Uwe Scheuchs 11jährigem Sohn Uwe zu verspäteter Gerechtigkeit verhilft („Papa, das kann nicht sein, unser Landeshauptmann kann nicht sterben„)) meinen andere, dass der Vatikan Jörg Haider im Eilverfahren („santo subito“) heilig spricht. Da beides von einem außerkärtnerischen Standpunkt unwahrscheinlich anmutet, gibt es auch Stimmen die munkeln, dass sich die Kärntner Kirche für eigenständig erklärt und Jörg Haider in die traditionelle Allerheiligenlitanei aufnimmt.

Es ist möglich, dass ich den letzten Absatz frei erfunden habe. Wer es aber für ausgeschlossen hält, dass solche Gedanken in Kärnten gewälzt und solche Pläne geschmiedet werde, der trete vor, und werfe den ersten Stein.

PS: Ich vermute ich war nicht der einzige, der gestern schmunzeln musste, als er las, dass die Kärntner Bienenzüchter eine neue Förderung bekommen werden.

4 Antworten zu “Heiliger Jörg, bitte für uns”

  1. Thomas sagt:

    Soweit ich weiß, führt besagte Brücke nach Osttirol – folglich betritt man von der Tiroler Seite das Bundesland über die Jörg Haider Brücke und ist gleich schon gewarnt, dass man sich fortan in Acht nehmen sollte…

  2. luggipan sagt:

    he, tiger, nur ein rechtschreibfehler.
    guter artikel.
    dennoch solltest du das da nicht lesen, denn es ist eine bloße meinung.

  3. Wolfgang sagt:

    gut gebrüllt, Löwe!

  4. Marco sagt:

    Sehr interessanter Beitrag, aber auch sehr provokant geschrieben. Finde ich aber gut, dass solche Sachen auch mal beim Namen genannt werden. Ich glaube schon, dass solche Gedanken in Kärnten durchaus möglich sind, hoffe aber, dass es nicht so weit kommen wird, einen solchen Menschen heilig zu sprechen, das wäre echt das Allerletzte.

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