Knapp kommentiert

Gewerkschaft 2.0?

Wie ich in der „Kompetenz“ (Ausgabe 12/2008), der Zeitschrift der GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier) lese, bemüht sich diese darum, das Potenzial für eine „betriebliche und gewerkschaftliche Gegenöffentlichkeit 2.0“ zu erkennen und zu nutzen. Federführend mit dabei ist Christian Voigt, der Mann vom kellerabteil, der auch den „Kompetenz“-Artikel verfasst hat, und ihn im eBetriebsrat ebenfalls zugänglich macht. Neben dem eBetriebsrat wird noch auf das Blog der Bildungsabteilung, Arbeit&Technik, das [email protected] Blog und das Blog der Wiener Gewerkschaftsschule verwiesen. Außerdem findet man die GPA-djp auf YouTube und sie betreibt ein Wiki-Bloghandbuch in dem einerseits die „BlogOffensive der Arbeitnehmerseite“ vorgestellt wird und andererseits ein tatsächliches Blog-Handbuch für Anfänger besteht.

Mit dem Artikel in der „Kompetenz“, die an alle über 280.000 Mitglieder der größten Teilgewerkschaft des ÖGB verschickt wird, macht die „Vision von ein paar wenigen komischen Vögeln“, wie hc voigt 2007 in die Zukunft blickend schrieb, vermutlich einen großen Sprung in der innergewerkschaftlichen Aufmerksamkeit. Allzuviel Unterstützung scheint noch nicht hinter dem, jedenfalls begrüßenswerten, Projekt zu stehen, zB werden alle Gewerkschaftsblogs auf WordPress.com betrieben. Das kostet zwar nichts und ist was SEO angeht vermutlich sogar gut, aber wirkt eben nicht so, als ob da jetzt ein Ruck durch die Gewerkschaft gegangen wäre und sie die „Gegenöffentlichkeit 2.0“ voll forcieren würde.

Damit möchte ich weder die (gute!) Idee schlecht reden, noch in einem überbordenden Pessimismus über die Früchte der Arbeit hinwegsehen. Zum Beispiel sei erwähnt, dass bereits die Betriebsräte von Metro Cash & Carry Österreich, Siemens IT Solutions and Services PSE, des wissenschaftlichen Personals der Med-Uni Wien, der AUA, der EVN im Weinviertel, Tchibo Manufacturing (Austria) GmbH, Doka Umdasch, der Zentralbetriebsrat der SHT Gruppe und die Alternativen, Grünen und Unabhängigen GewerkschafterInnen Blogs angelegt haben. Die meisten dieser Blogs werden auch regelmäßig mit Inhalten gefüllt (leider der besonders interessante AUA-Blog nicht). Vielleicht gibt es ja bereits auch nicht öffentlich zugängliche Betriebsrats- und Gewerkschaftsblogs (was bei bestimmten Informationen und Vernetzungsprojekten wohl mehr Sinn macht, als ein Hosting auf WordPress.com).

Persönlich hätte ich ja nichts dagegen, wenn die GPA-djp den Druck der „Kompetenz“ einstellt, und das frei werdende Geld Christian Voigt in die Hand drückt. Da dies aber weder mehrheitsfähig, noch sinnvoll ist, wünsche ich den „komischen Vögeln“ einfach viel Erfolg. Als überzeugtes Gewerkschaftsmitglied, Fan vom kellerabteil und unbedarftem Web 2.0-Anwender (soll heißen, dass ich kein großer Medientheoretiker bin), überlasse ich differenzierte Kritik, so angebracht, anderen (ich hoffe zumindest, dass ich nicht der einzige außerhalb der GPA-djp bin, der die Gewerkschaft (reichlich spät) in der österreichischen Blogsphäre willkommen heißt).

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  1. Danke für die Blumen und die Aufmunterung!
    2008 war punkto BlogOffensive wohl hauptsächlich die Kochenarbeit, hier überhaupt mit solchen Ansätzen durchzukommen. Das heißt, ich hoffe, dass es sich rückblickend so darstellen wird. (2007 war auch Knochenarbeit, aber noch ganz grundlegende Vorbereitung.)
    Was sich 2008 ua. herausgestellt hat: das es ganz gut ist, das nicht „Die Gewerkschaft“ das angeht, sondern ein paar Verrückte, die das immer am Grat zwischen offensiver Überzeugungsarbeit und subversiver praktischer Projektschritte in die Gewerkschaft hineintragen. Hätten wir das „Der Gewerkschaft“ verkauft und dann gewartet, würden wir immer noch warten. Hätten wir es mit großem Trara in der Gewerkschaft verkündet, wäre es wahrscheinlich schon tot.
    Aber 2009 wird anders, hoffentlich und auch wahrscheinlich. Das (interne) Traraa könnte sich noch im ersten Halbjahr ausgehen. In der Röhre haben wir einiges durchaus vielversprechendes …
    we’ll see! 🙂

  2. Also, die „Kompetenz“ würde ich in Papierform auf keinen Fall einstellen! Ich erlebe das immer wieder, dass immer noch nicht jeder das Internet nutzt. Wir haben in jeder Klasse Leute sitzen, die die Infos einfach nicht bekommen oder wahrnehmen, wenn sie nicht schwarz auf weiß dargeboten werden. Wir Web-Junkies vergessen das leider allzu häufig.

  3. […] von Thomas Knapp ▶ Comment /* 0) { jQuery(‚#comments‘).show(“, change_location()); jQuery(‚#showcomments a .closed‘).css(‚display‘, ’none‘); jQuery(‚#showcomments a .open‘).css(‚display‘, ‚inline‘); return true; } else { jQuery(‚#comments‘).hide(“); jQuery(‚#showcomments a .closed‘).css(‚display‘, ‚inline‘); jQuery(‚#showcomments a .open‘).css(‚display‘, ’none‘); return false; } } jQuery(‚#showcomments a‘).click(function(){ if(jQuery(‚#comments‘).css(‚display‘) == ’none‘) { self.location.href = ‚#comments‘; check_location(); } else { check_location(‚hide‘); } }); function change_location() { self.location.href = ‚#comments‘; } }); /* ]]> */ […]

  4. Nett, wenn die Gewerkschaft sich vermehrt modernen Medien bedient. Was allerdings noch wichtiger wäre, ist die schon überüberfällige Gewerkschaftsreform (Stichwort: Demokratisierung) die ja nach dem BAWAG-Skandal von einer großen Mehrheit gefordert, von der Gewerkschaftsführung versprochen und seither nicht mehr gehört und gesehen ward.
    Solange der Gewerkschaftsführung ihre parteipolitischen Verpflichtungen wichtiger sind wird diese ebenso weiterhin jeden Reformversuch schlichtwegs aussitzen wie die Katholische Kirche. Beide Organisationen werden halt so weiter stetig an Bedeutung verlieren. Tragisch ist dabei, dass immer noch keine Alternativen in Sicht sind und Österreich weiterhin ohne demokratische und kämpferische Gewerkschaften bleibt …

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