Frag Faymann

Seit 8. August 2008 ist Werner Faymann nun Vorsitzender der SPÖ. Dank eines gut geführten Wahlkampfs gelang es ihm, eine schwierige Wahl mit dem kleineren blauen Auge abzuschließen und seit dem 2. Dezember 2008 ist er daher Bundeskanzler. Im Wahlkampf wurde er als „neue Wahl“ angekündigt, eine „neue Politik“ versprochen. Beides trat ein.

Werner Faymann war eine „neue Wahl“, zumindest im Vergleich zu seinem Vorgänger als Parteivorsitzender und zu dessen Vorgänger im vom Faymann angestrebten Amt des Bundeskanzlers. Auch von Wilhelm Molterer, gegen den er kandidierte, unterschied er sich merklich. Da ist das von Faymann geradezu zelebrierte und in Österreich traditionell recht beliebte Streben immer einen größtmöglichen Konsens zu erlangen. Gerade von Wolfgang Schüssel und seiner Handpuppe (der recht traurig über diese Rolle wirkte) unterschied ihn dies, ebenso wie seine bedingungslose Pragmatik (von Faymann gibt es kein „Nein“ sondern den Versuch etwas zu verhandeln). Auch die Politik ist zumindest im Stil insofern neu, als sie sich von den Jahren davor (das geht bis in die 1990er Jahre zurück) dahingehend unterscheidet, das man einfach mal das abarbeitet, wo man sich einig wird, und den Rest, so nicht dringend (wirklich dringend, so dass irgendwas morgen zusammenbrechen würde, wenn man es nicht anginge, nicht so dringen wie etwa ein neue Umweltpolitik).

Inzwischen muss Werner Faymann sich einiges an Kritik anhören. Er habe die EU-Wahl verkauft, er habe die Wahl verloren, weil ihm die EU egal ist, er fahre einen „Krone“-Kurs (den mir bis heute niemand aufzeigen konnte), er sei intellektuell eine Zumutung, und anderes mehr.

Nun versucht sich Werner Faymann auch an neuen Kommunikationswegen. Zweimal wandte er sich bereits via YouTube-Videobotschaft an alle Interessierten, nun hat die SPÖ einen neue Idee – „Frag den Kanzler„. Interessierte stellen via Formular Fragen, und ausgewählte werden dann per Video beantwortet. Damit befindet er sich zeitlich fast auf Augenhöhe mit Automattic-Chef Matt Mullenweg, der Ende Mai ähnliches ankündigte.

Es gibt auch schon ein erstes Video. Vor- und Abspann sind irgendwie nett, irgendwie bemüht cool, aber ich denke, nicht so schlecht, dass es ins Auge springt, sondern eher eine Geschmacksfrage ist. Dann allerdings beginnt das Video, das leider in einem selten peinlichen pseudoprofessionellen Interview-Stil gehalten ist. Würde man das noch ändern, ich wäre, jetzt unabhängig von Inhalten, ausnahmsweise wieder einmal richtig stolz auf meine Partei.

10 Antworten zu “Frag Faymann”

  1. Lustig, lustig. Kalina hat das mit der Fragebeantwortung via Video schon erfolglos unter Gusenbauer versucht. Das jetzt als „neu“ zu verkaufen zeugt schon von ziemlicher Verzweiflung.

  2. Warum so unkritisch? Bedingungslose Pragmatik hat schon Gusenbauer ausgezeichnet – deswegen wurde er auch von Faymann gestürzt. Jetzt haben wir keinen Kanzler mehr, sondern einen Verwalter, der bloß nix falsch machen will. Ob das im Sinne einer lebhaften Demokratie ist, sei dahingestellt. Im Übrigen wirkt der Faymann'sche Webauftritt ziemlich aufgesetzt: Wenn derlei funktionieren soll, muss das von unten wachsen. Volksnähe hat man oder man hat sie nicht: Von oben verordnen – ob via Krone, Youtube oder Facebook – kann man sie jedenfalls nicht. Abgesehen davon, dass Faymanns Antworten langweilig, uninspiriert und in der Frage der Grenzsicherung letztlich auch recht unseriös sind.

  3. Tom93 sagt:

    Ui, hört da noch jemand so ein Kläffen aus der pechschwarzen Ecke …

  4. Tom93 sagt:

    „Würde man das noch ändern …“Nicht „man“, Thomas … wenn du etwas verändern möchtest, dann werde aktiv(er).Schick doch ausführliche Verbesserungsvorschläge per mail in die BGF.Mir antworten die meisten binnen weniger Tage.

  5. Nö, kein Kläffen. Das geht locker als Argument durch.

  6. Thomas sagt:

    Wir haben möglicherweise unterschiedliche Definitionen von Pragmatismus. Ich verwende den Begriff tendenziell positiv als „sich um das Mögliche bemühen“ (was durchaus, gerade in der Politik, da es zu Visionslosigkeit führt, langfristig alleine nicht gut ist).Ob man Gusenbauer und Faymann hier vergleichen kann, ist eine sehr schwierige Frage, da die Rahmenbedingungen völlig andere sind. Gusenbauers einzig möglicher Koalitionspartner war von Anfang an mit der Regierung unglücklich und hatte als einziges Programm der SPÖ nur ja keinen Millimeter Erfolg zu lassen, was diese dann, blöd genug, ebenfalls probierte. Faymann und Pröll sind dagegen ja schon fast mit Koalitionsansage in den Wahlkampf gegangen, da ist es wohl leichter für ihn. Das dass pseudoprofessionelle Interview-Format aufgesetzt und ungut wirkt, sag ich ja eh. Inhaltlich waren die Antworten auch nicht berühmt, stimmt schon. Trotzdem, offener ist keine Partei im Internet unterwegs.

  7. Thomas sagt:

    Ich hab das Video auf YouTube kommentiert, was, wenn man wirklich „Web 2.0“ Nutzer sein möchte, als Kommunikationsform akzeptiert werden sollte. Allerdings hat die SPÖ meinen Kommentar von Donnerstag Nacht bis jetzt freizuschalten (also ok, heute und morgen wird niemand was tun, aber FR war doch ein Arbeitstag).

  8. tom93 sagt:

    tja, möchtest du jetzt eitel sein oder deine (vielleicht sehr guten) ideen einbringen

  9. Thomas sagt:

    Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass ich mich eh schon gemeldet hab.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.