Erwin Pröll – erfolgreich und populär

Als vor einiger Zeit Hans Dichand für ein mittleres Erdbeben in der österreichischen Politikberichterstattung sorgte, weil er meinte, er würde sich Pröll+Pröll wünschen, reichte Dichands Zeitung schnell ein Interview mit dem Landeshauptmann Niederösterreichs und dem Größten Finanzminister aller Zeiten nach. Bei diesem Meisterwerk kritischen Journalismus sind wohl die übrigen Zeitungen Österreichs vor Neid erblasst. Nun, nach einer angemessen Zeit um den Schock zu verdauen, legt die „Kleine Zeitung“ nach.

Nun könnte man sich fragen, wieso genau eine Regionalzeitung für Kärnten und die Steiermark in ihrer Samstagsausgabe ein doppelseitiges Interview mit dem Landeshauptmann von Niederösterreich bringt, in dem es so gut wie gar nicht um die angrenzende Steiermark geht (und Kärnten gar nicht vorkommt). Die Antwort ist, die Debatte um die Bundespräsidentschaftswahl 2010 soll am köcheln gehalten und Erwin Pröll von der sich indirekt vollständig im Besitz der Heilligen Mutter Kirche befindenden1 Zeitung als der ideale Kandidat in Stellung gebracht werden.

Entsprechend steht die journalistische Qualitätsarbeit die Thomas Götz und Michael Jungwirth abliefern dem oben erwähnten Meisterwerk der „Krone“ in nichts nach. Während man online leider nur ein Foto von „Onkel Erwin“ findet, brachte die Print-Ausgabe auch ein Foto das einen Ausschnitt seines Schreibtisches zeigt, auf dem viele gerahmte Fotos stehen. Die Bildunterschrift erklärt das Familie für Pröll sehr wichtig ist. Standardrepertoire eines jeden ÖVP-Wahlkampfes.
In den Fragen werden Pröll die Eigenschaften „direkter, offener und kämpferischer Stil“ und „ein aktiver, rühriger Politiker“ zu sein bescheinigt. Es kommt keine einzige kritische Frage vor, dafür werden Pröll nach und nach Stichworte gegeben, um die populärsten Einwände gegen einen eigenen ÖVP-Kandidaten auszuräumen. Und mittendrin kommt völlig unvorbereitet der Höhepunkt des Interviews. Ohne jeden Kontext oder Bezug zu vorangegangenem (oder irgendetwas das diese Frage als etwas anderes als ernstgemeint, zB ironisch, erkennbar machen könnte) fällt der Satz

Sie sind der erfolgreichste Landeshauptmann, sehr populär . . .

der selbst Erwin Pröll zu blöd war, um darauf eine ernsthafte Antwort zu geben. Da hat wohl jemand seinen Auftrag etwas zu ernst genommen…

  1. Die „Kleine Zeitung“ gehört der Styria, die Styria gehört einem Verein und einer Stiftung der Diözese Graz-Seckau.

Eine Antwort zu “Erwin Pröll – erfolgreich und populär”

  1. ap sagt:

    Kleine Zeitung: Ist das nicht die Krone für Möchtegerns?

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