E-Voting, mein lieber ÖH-Vorsitzender?

Ich verstehe nicht, warum die ÖVP als einzige Partei stur am E-Voting bei den ÖH-Wahlen festhält (und allgemein glaubt, dass es eine gute Idee ist), obwohl es damit technische Probleme gibt und man relativ leicht zu dem Schluss, dass E-Voting eine Gefahr für freie und geheime Wahlen ist, kommen kann. Anscheinend gibt es einen Mechanismus, der einen nichteinmal die eigenen Worte verstehen lässt. So gesehen beim ÖH-Vorsitzenden Samir Al-Mobayyed von der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft.

Al-Mobayyed wurde vom Monatsmagazin „Datum“ interviewt. Dabei vertritt er die ÖVP-AG-Linie das E-Voting super ist, obwohl er als ÖH-Vorsitzender auch den Mehrheitsbeschluss, das die ÖH E-Voting als mehr als problematisch betrachtet, mit sich herum tragen muss. In diesem Interview liest man folgendes (Frage kursiv, Antwort fett):

Ist das Modell des Ministeriums ausreichend?
Das ist schwer zu sagen. Man muss sich da auf die Meinung der Experten verlassen, manche sagen Ja, andere Nein.

Da sind wir doch schon beim Problem. Mein lieber Vorsitzender, verstehst du das nicht? So wie du versteht praktisch kaum jemand, was genau abläuft. Man muss sich auf ein paar „Experten“ verlassen, die sich noch dazu uneins sind und oftmals von verschiedenen Firmen kommen, die alle gern den Auftrag hätten. Ein völlig intransparenter Wahlgang mit wenigen Leuten die sich auskennen birgt gigantischen Manipulationspotential. Birgt gigantisches Potential die Wähler auszuspionieren. Mein Gott, das ist doch nicht so schwer zu verstehen! Du bist Maturant! Du studierst an einer österreichischen Universität! Du verstehst doch wohl die Sprache die du sprichst! HerrGott! Wie kannst du das nicht sehen?

2 Antworten zu “E-Voting, mein lieber ÖH-Vorsitzender?”

  1. Man könnte jetzt sagen, dass die ÖH-Wahl nicht einmal auf den Unis groß wen interessiert (Funktionäre ausgenommen 🙂 ) – und außerhalb schon überhaupt niemanden. Außerdem habe ich irgendwo gelesen, dass überhaupt nur ein paar tausend Wähler mit Bürgerkarte (eVoting) wählen wollen. Es wäre also eigentlich ein vollkommen untauglicher Versuch, eVoting damit zu rechtfertigen oder als sauber befinden zu wollen. Eine Wahl, deren Ergebnis annähernd niemanden interessiert und noch dazu mit sehr wenigen eWählern – da muss ja wohl alles gut gehen, denn die Technik wird nahezu im Leerlauf laufen und niemand hat Interesse am Ausgang bzw daran, wer was gewählt hat.
    Aber gerade das wird die Strategie sein – mit einer unbedeutenden Wahl alle einlullen und eVoting dann (vielleicht nach einem größeren Test, wo auch alles klinisch sauber auflaufen wird) irgendwie einführen. Und dann – ja, dann ist das Tor offen…
    Mir stellt sich jetzt die Frage nach dem Motiv. Mich würde es sehr wundern, wenn sich dieses im Streben nach billigerer Wahlabwicklung (ich glaube sowieso nicht, dass eVoting nach der Einführung weniger kosten wird als die gute alte Papierwahl) oder Hebung der Wahlbeteiligung erschöpfen würde. Auch dass der ganze Zirkus nur deshalb aufgeführt wird, damit sich jemand als hypermodern präsentieren kann, mag ich nicht so recht glauben. Anderes soll man aber öffentlich nicht schreiben, aber eine Bussi-Bussi-Gesellschaft-eine-Hand-wäscht-die-andere-Geschichte wäre da noch das kleiner Übel… 🙂

    • Thomas sagt:

      Genau das ist die Frage, die ich mir auch stelle. Jean Ziegler hat einmal gesagt, dass Politiker die blödes tun, meist nicht böse, sondern einfach blöd sind (sinngemäß), und der kennt ja viele. Und bei der ÖVP würd ich’s auch glauben. Aber irgendwie, wieso?

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