Droht uns ein Ölpreis-Schock?

Die Krise ist in aller Munde (was wohl wesentlich zu ihrer Existenz und ihrem Erhalt beiträgt) und eine der wenigen angenehmen Auswirkungen auf das Leben des durchschnittlichen Österreichers war, dass die Öl-Preise (und damit die Preise von Heizöl, Diesel und Benzin) nach den allerorts beklagten Rekordhöhen im Jahr 2008 stark fiel.

Nun ist „Nachfrage sinkt – Preis sinkt – billigere Ware wird mehr gekauft“ tatsächlich einer der „Selbstrettungsmechanismen“ des Kapitalismus in der Krise. Da der Ölpreis jetzt wieder deutlich steigt, könnten alle davon betroffenen Branchen, gerade die Autoindustrie (Stichworte Chrysler, Opel und General Motors) scheint ja eh halb tot zu sein, ein massives Problem bekommen.

Der Preisanstieg ist mit Spekulationen auf einen bevorstehenden Aufschwung der Konjunktur zu erklären. Das ist deshalb problematisch, weil dies Spekulationen sind, die ihre eigene Grundlage zerstören könnten. Wenn der Ölpreis weiter schneller steigt, als das Vertrauen der Menschen in ihr Wirtschaftssytem und die Bereitschaft Geld auszugeben, dann könnten zwar die russische Volkswirtschaft kurzfristigst doch nicht so schlimm von der Krise betroffen sein, aber die Öl-Importeure umso härter.

Darin liegt aber für diese eine große Chance, wie sie auch die Ölkrise 1973 war. Unter dem Eindruck des konstant hohen Ölpreises wurden 2008 große Pläne gewälzt um unabhängig(er) von fossilen Energieträgern zu werden. Davon hört man seit der Wirtschaftskrise und dem wieder billigen Öl nichts mehr.
Ein weiterer, nachhaltigerer „Selbstheilungsmechanismus“ eines krisengeschüttelten kapitalistischen Systems ist der, dass man nach billigeren Alternativen sucht (Wind kostet zB nichts) und man schneller bereit ist, Technologien die Linderung oder Besserung versprechen, eine Chance zu geben bzw. diese stärker zu forcieren (Photovoltaik etwa).

Wenn ein rapide ansteigender Ölpreis jetzt erste positive Signale für eine Trendwende zerstört, ist der Lerneffekt bei Politikern aller Länder wohl größer, als durch den hohen Ölpreis 2008. Dann sollten sie nämlich darauf reagieren, indem sie sich vor diesem verwundbar machenden Faktor schützen (und das werden die meisten wohl auch). Soviel ist klar. Ebenfalls klar ist aber wohl auch, das Österreich dabei keine führende Rolle spielen wird.

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