Die linken Ausländerfreunde

Ich hab letztens in diesem Eintrag die linken Positionen zu Fragen der Migration, der Integration und des Asylwesens kritisiert. Nur leider auf eine nicht besonders schlaue Art und Weise. Tatsächlich habe ich viele „befangene“ Wordings verwendet, so dass bei manchen Leser_inne_n wohl gleich einmal die Alarmglocken läuteten. Ich denke, dabei geht es vor allem um folgende Sätze, da der Rest des Absatzes eigentlich nur die Zustände in Österreich beschreibt und das historische Faktum erwähnt, dass die Linken die Themenkomplexe (zu?) lange nicht angegangen sind.

Die Linken haben bis heute keine vernünftige Position gefunden, außer dass die Menschenrechte gewahrt werden müssen. Schön, die werden aber ohne großen Aufschrei permanent mit den Füßen getreten. Und außerdem ist das dann doch recht wenig. Die Themen sind deshalb inzwischen klar rechts und teilweise rechtsextrem besetzt. Die rechte Kritik an den Linken hat sich hier etabliert und wirkt weit in gemäßigte und teilweise linke Kreise hinein.

In diesem Beitrag will ich nun einerseits auf die Kritik von Tom Schaffer reagieren, und andererseits eine bessere Formulierung finden.
Toms These ist, dass die Linke diese Themenkomplexe zwar nicht großartig bearbeitet, doch:

…diese Probleme sind nicht programmatischer Natur, sondern lassen sich auf durchwachsenes Agendasetting (oft wird im kleinlichen Bereich zu viel Energie verschwendet) und defensive Kommunikationsstrategien (getrieben von den lautstarken Hetzern) zurückführen.

Danach kommt die Erklärung dass die Rechte (von der Mitte der ÖVP beginnend) die einfachen Lösungen, „die sich die erstbeste Vollidiotin einfallen lassen würde und die eben jede und jeder noch so Uninteressierte auch versteht.“ anbiete.

Hier kommt es möglicherweise zu einem Missverständnis. Was Tom mit „Probleme sind nicht programmatischer Natur“ meint, könnte dem entsprechen, was ich mit „Die Linken haben bis heute keine vernünftige Position gefunden, außer dass die Menschenrechte gewahrt werden müssen.“ meine. Auf diese Idee brachte mich Toms Wiedergabe der grünen Position zum Thema Asyl. Die ist richtig und vernünftig, aber ich sehe da nicht wirklich mehr als „dass die Menschenrechte gewahrt werden müssen.“. Auch wenn das Argument vom Größten Finanzminister aller Zeiten (Josef Pröll) kommen könnte – es wird Mehrkosten geben, wie werden die bezahlt? Tom meint, dass das keine Frage sein dürfe, solange Österreich es sich erlaubt, Milliarden in der Verwaltung zu verlieren. Also möchten die Grünen zur Finanzierung des Asylswesens tausende Beamte freisetzen? Den die sind nun einmal die größte Kostenstelle, und die Angst vor den politischen Konsequenzen von Massenentlassung ist ein Grund, warum die Verwaltungsreform nie so recht angegangen wird. Wie wollen die Grünen weiters damit umgehen, dass Österreich überproportional viele Asylwerber hat? Es ist völlig klar, dass das a) für Österreich teuer ist und b) zu sozialen Spannungen führt. Man kann auch als Linker nicht von lauter guten, offenen und freundlichen Staatsbürgern ausgehen.

Wie wollen die Grünen mit der hohen Kriminalitätsrate unter Asylwerbern umgehen? Bestehende Instrumente nutzen? Also Justiz und Gefängnisse weiter überlasten? Diese ausweiten? Mit welchem Geld? Unendlich viel davon würde eine Vermögenssteuer auch nicht in die Staatskasse spülen. Asylwerber arbeiten lassen? Weil Lohndumping super ist? Außerdem wird die Kriminalität von Asylwerbern wesentlich von ihrer Community bedingt, nicht von ihren persönlichen Verhältnissen. Ja, der Arbeitsmarkt gehört für Asylwerber geöffnet. Unter Bedingungen die einen ähnlichen Lohn wie Österreicher ihn erhalten garantieren, werden sich aber nicht viele Arbeitsplätze finden (was ich nicht gut finde, aber is nun einmal so). Der Vorteil von Asylwerbern wäre derselbe den viele ausländische Arbeitskräfte haben – billig zu sein. Damit würde man aber das Sozialsystem belasten, und sowohl Asylwerber wie auch Staatsbürger ungerecht behandeln.

Mit „keine vernünftigen Positionen“ meine ich die vielen, zumindest für mich offenen Fragen. Der Grundgedanke, die Richtung, das ist mir schon klar, das ist ja ein Grund, warum ich mich als Linker bezeichne.

Die defensive Kommunikationsstrategie kann man aber niemand anders als den Linken selbst anlasten. Historisch gewachsen und bis heute nicht geändert. Niemand zwingt die Linke ständig nur auf Strache und Fekter zu reagieren und nicht von sich aus Kampagnen zu betreiben, Initiativen zu starten und Forderungen zu stellen (Das ist mehr, als punktelle Aktionen, wie sie ja zB die Grünen oder die sozialistische Jugend eh immer wieder machen).

Das Migrationsmodell der Grünen, das Tom anspricht, soll sich am kanadischen Modell orientieren und hochqualifizierten Arbeitskräften Vorang geben. Diese Position ist innerhalb der Grünen nicht gerade unumstritten. Aber, alles bisher gesagt bringt mich zu einer Frage – wie links sind die Grünen? Die Partei hätte offenbar kein Problem damit, Wirtschaftsflüchtlinge an der Grenze verrecken zu lassen (Niemand verlangt Gott und die Welt aufzunehmen und zu retten, aber angesichts klassischer linker Positionen und der Menschenrechte scheint es mir unvertretbar, grundsätzlich zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen zu unterscheiden. Ob jemand erschossen wird oder verhungert, ist kein Unterschied, zumindest nicht im Ergebnis. Und ob jemand nicht doch die Möglichkeit hätte, Geld zu verdienen und zu halbwegs ordentlich zu überleben, wird sich genauso eruieren lassen, wie ob jemand in seinem Herkunftsland der Tod droht). Eine klar rechte Position die sich mit nichts was Links ist, vertreten lässt. Sind die Grünen Ideen vielleicht deshalb sogar keine Antworten auf offene Fragen an die Linken?

Dann kritisiert Tom noch den grünen Bundesrat Efgani Dönmez für dessen Aussagen zu den Themenkomplexen Migration und Integration. Das würd ich mich schon deshalb nicht trauen, da Dönmez mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in diesen Fragen kompetenter ist, als Tom und ich zusammen. Auch basiert die allgemein Kritik an Dönmez vermutlich vielfach auf einem gefährlichen Reflex – dem von Teilen der Linken selbstauferlegten Kritikverbot gegenüber bestimmten sozialen Gruppen, vor allem Minderheiten. Wieso Selbstzensur und Diskussionsverbot viel, aber nicht gut sind, hoffe ich nicht weiter erklären zu müssen.

Tom schreibt abschließend völlig zurecht dass die Rechten „seit Jahrzehnten kaum ein Mittel gegen die Probleme präsentieren konnten, als Menschenrechte zu brechen, über einen ominösen “linken Multikulturalismus” zu schimpfen“. Nur was soll man dem aus dem Fundus linker Ideen entgegenhalten? Und nur weil die Rechte schlecht ist, ist die Linke nicht gut.

15 Antworten zu “Die linken Ausländerfreunde”

  1. ich hab jetzt nur eine frage betreffend deines begriffes »Leser_inn_en«. jetzt ist mir der unterstrich für die sexuell (noch, noch immer, schon, vielleicht einmal, irgendwie, wie auch immer) unentschlossenen ja noch einigermassen verständig sicher nicht (die herleitung würde sich das verbieten 😉 aber wenigstens nachvollziehbar. aber zwei davon? oder wird jetzt auch die einzelne bzw. der einzelne (welchen geschlechts immer) den mehreren nicht mehr diskriminiert? oder blosse ironie? oder … 😉 ich darf um erhellung bitten. 🙂
    ps. grundsätzlich erscheint es mir sowieso interessanter, das eigene lager zu hinterfragen. sowieso. (nicht immer, aber immer wieder. 😉

    • Thomas sagt:

      Nein, du hast einen Fehler gefunden. Es muss selbstverständlich "Leser_inne_n" heißen, damit das weibliche und männliche Genus gleichberechtigt wiedergegeben sind. Bei einem Gender_Gap wie "Leser_innen" wäre ja die männliche Form im Singular und die weibliche im Plural angegeben, was im Kontext falsch wäre.
      Und nein, das ist nicht ironisch gemeint, ich bemühe mich, ein guter Linker zu sein. Das absichtlich übertriebene gendern wie "GrünInnen" überlasse ich den Rechten.

  2. ein "gegenüber" fehlt. aber da kann ich wohl nix ausbessern. macht nix. dafür hab ich heute einen trackback zusammengebracht. ist ja auch was. lg c

  3. dieter sagt:

    Hilfe, die Problemlöser kommen!
    Früher ging die Linke davon aus, dass die Rechte von Xenophoben gewählt werden, die Vorurteile hätten und meistens gar keine Ausländer kennen würden. Das würde sich schon mit zunehmender Durchmischung, ein paar Multikultifesten, sympathieschwangerer ORF-Berichterstattung über Ausländer und mit dem Heranwachsen einer neuen Generation legen. Die Behauptungen der Xenophoben wurden aus Prinzip für Unsinn gehalten. Und falls doch wahr, würden sich die von den Xenophoben vorgeschobenen Probleme schon selber lösen.
    Einwanderung wurde befürwortet aus Gründen individueller Freiheit (liberal), Wirtschaftsstandort (bürgerlich) Multikulti (grün) oder Pensionssicherung.(sozialdemokratisch).
    An einigen Behauptungen war halt doch was dran. Xenophobe haben halt einen Riecher für Immigrationsprobleme (mit vielen falsch positiven). Jetzt will man energisch "Probleme lösen". Das passt perfekt in das linke Weltverbesserungsprojekt.
    Aber halt! Was ist aus der Xenophobie geworden? Die ist nicht ausgestorben, sondern hat sich mit zunehmender Durchmischung und bei der Jugend verstärkt. Und auch der generische Soll-Ausländer entpuppte sich bei näherer Betrachtung als Serbe, Kroate, Kurde, Türke oder Afrikaner mit seinen ethnischen Animosiäten und Eigenheiten.
    Nur, weil manche der Probleme real sind und möglicherweise gelöst werden können, wird das die FPÖ nicht aufhalten. Denn der Xenophobe ist nicht plötzlich weniger xenophob als vorher. Für den Xenophoben ist der Ausländer an sich das Problem. Das scheint nicht verhandelbar. Dafür können die Linken keine Lösung anbieten.
    Den Grünen kann es von den Stimmen her egal sein. Die SPÖ wird sich mit weiteren Verlusten abfinden müssen, oder ein klares Signal setzen, dass man die Ausländer eigentlich auch nicht leiden kann. Z.b. so wie der spanische Sozialdemokrat Aznar mit seinem Vorhaben, eine Million Ausländer aus dem Land zu schaffen. Profilierte Linkspartei, mittlere Durchwurschtelpartei oder ausländerfeingliche Volkspartei. Man wird sich entscheiden müssen.

    Danach kommt die Erklärung dass die Rechte (von der Mitte der ÖVP beginnend) die einfachen Lösungen, “die sich die erstbeste Vollidiotin einfallen lassen würde und die eben jede und jeder noch so Uninteressierte auch versteht.” anbiete.

    Da fängt man doch glatt an, an das anthropische Prinzip zu glauben. Es grenzt ein Wunder, dass rechte Lösungen angeblich prinzipiell simpel und simple Ideen prinzipiell falsch sind, während für linke Lösungen das Gegenteil gilt.
    ad 2.) Der "Wirtschaftsflüchtling" ist ursprünglich glaube ich ein rechter Begriff, der nach hinten los ging. Er sollte wohl einen falschen Flüchtling designieren, kann aber auch mitleidig interpretiert werden. Und letzteres ist irreführend, denn das Wohlstandsniveau der "Wirtschaftsflüchtlinge", die nach Österreich kommen, ist absolut sicher meist höher als es in Österreich noch vor wenigen Jahrzehnten war.

    • Thomas sagt:

      1) Selbsterbständlich gibt es xenophobe FPÖ-, BZÖ- und ÖVP-Wähler. Die machen in Österreich sicher mind. 10 % der Wählerstimmen aus, und wohl bis zu 50 % dürften damit zumindest keine Berührungsängste haben.
      2) "Durchmischung"? Von was? Womit? Falls es dir entgangen sein sollte – sowas wie "Rassen" gibt es einfach nicht. Wissenschaftlich betrachtet.
      3) Zu der Erklärung war warum Einwanderung befürworte sage ich lieber nix, die richtet sich ob ihrer himmelschreienden Vereinfachung und zahlreichen Weglassungen eh selbst.
      4) José María Aznar ist der ehemalige Ministerpräsident und Chef der konservativen-rechten Partei Spaniens, der keine Lösung für die hunderttausenden Illegalen in Spanien zu Stande gebracht hat. Der Sozialdemokrat, José Luis Rodríguez Zapatero, seit 2004 Ministerpräsident, hat Anfang 2005 eine Verfahren durchgeführt, dass unter bestimmten Kritierien den Illegalen eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung verschaffte. Darunter war, dass sie Arbeit haben musste. Deshalb wurde durch die Legalisierung auch ordentlich Geld ins Sozialsystem gepumpt. Die von den Rechten befürchtete Sogwirkung trat nicht ein. 2008 wurde Zapatero klar wiedergewählt. Dein entsprechender Absatz ist also in jeder Hinsicht vollkommen falsch.
      5) Deine Definition von Wirtschaftsflüchtlin ist in sich widersprüchlich. Aber der Begriff ist trotz seiner (möglichen?) rechten Herkunft so weit verbreitet, dass er idR "Mensch der aus wirtschaftlichen/finanziellen Gründen seine Heimat verlässt und sein Glück in X versucht" beschreibt.

  4. Einige Fragen die du aufwirfst sind unlösbar, andere sind zum Teil bereits addressiert. Natürlich kann zB ein Asylwesen nicht selbst die Einnahmen generieren, die man zu seiner Finanzierung braucht. Das muss natürlich die Allgemeinheit tragen. Und das auch unabhängig davon, ob man die Verwaltung reformiert oder nicht. Diese Kosten sollte man so gering wie möglich halten, aber man DARF sie nicht prinzipiell in Frage stellen.
    Die hohe Kriminalität unter AsylwerberInnen ist zum Teil dadurch bedingt, dass sie nicht arbeiten dürfen. Deshalb ist die grüne Forderung das zu ändern bereits eine Teillösung. Anderes wäre tatsächlich noch zu klären. Wie will man dem Problem der Community-Kriminalität entgegenwirken? Gute Frage. Weiß ich im Moment nicht.

    Bestehende Instrumente nutzen? Also Justiz und Gefängnisse weiter überlasten?

    Das wiederum ist Unsinn. Die Justiz und Gefängnisse sind nicht wegen den kriminellen AsylwerberInnen überlastet. Wenn man die entlasten will, dann gibts tausende andere Schrauben, an denen man drehen muss.
    Genauso sehe ich es nicht als gegeben, dass AsylwerberInnen nicht die Löhne und Arbeitsplätze der ÖsterreicherInnen gefährden. Das ist ja ein Widerspruch in sich. Entweder sind die AsylwerberInnen so gut qualifiziert, dass sie ÖsterreicherInnen ersetzen können, oder sie sind so schlecht, dass sie weniger bezahlt bekommen können. Für eine Variante wird sich die Angst schon entscheiden müssen.
    Und dann sprechen wir hier immer noch von keiner volkswirtschaftlich relevanten Gruppierung. Selbst wenn alle AsylwerberInnen in Österreich lohndumpende Arbeitsplatzwegschnapper wären, hat das auf die Löhne und Arbeitsplätze keinen Einfluss, einfach weil wir hier von etwa 0,0002% der Bevölkerung sprechen.
    Hier wird von dir plötzlich etwas problematisiert, was überhaupt kein Problem ist (abgesehen davon, dass Lohndumping allgemein bekämpft werden muss (und die Schuld daran IMO nicht die ArbeiterInnen tragen, sondern das Wirtschaftssystem)). Das Asylwesen (eine menschenrechtlich-moralische Frage die unheimlich wenige Menschen betrifft) wird plötzlich mit einem gesamtgesellschaftlichen Problem verknüpft.

    Auch basiert die allgemein Kritik an Dönmez vermutlich vielfach auf einem gefährlichen Reflex – dem von Teilen der Linken selbstauferlegten Kritikverbot gegenüber bestimmten sozialen Gruppen, vor allem Minderheiten.

    Die Kritik an Dönmez ist überhaupt nicht "allgemein" sondern sehr spezifisch (eben an einigen von seinen Aussagen aufgehängt). Und dass die nunmal ein Mittelding aus gefährlich und falsch sind, könnte er mit meilenweitem Kompetenzvorsprung nicht wegmachen.
    Mir gefällt nicht, dass Kritik an Blödsinn neuerdings als Selbstzensur oder Gutmenschentum verkauft wird, nur weil der Blödsinn sich gegen Ausländer richtet.

    • Thomas sagt:

      1) Ich habe nirgends ein Konzept verlangt, wie das Asylwesen sich selbst finanzieren kann.
      2) Nur weil Justiz und Gefängnisse (und Polizei, das hab ich vergessen) nicht in erster Linie wegen krimineller Asylwerber überlastet sind, heißt das nicht, dass sie nicht überlastet sind und nicht weiter überlastet würden, was aus naheliegenden Gründen nichts Gutes sein dürfte.
      3) Wir sprechen nicht von 0,0002% der Bevölkerung, sondern von mehreren zehntausend Arbeitsplätzen in einem beschränkten Bereich (nämlich den ohne großartige Vorqualifikationen), und verzeih mir, aber auch wenn ich keine genauen Zahlen habe, ist es einleuchtend, dass zehntausende frische und billigere Arbeitskräfte hier eine Nivellierung nach unten brächten.
      4)Mit "allgemein (und dem e das da fehlt)" meinte ich einfach den Grünen "Mainstream", nicht das Dönmez an sich kritisiert wird. Und was genau er so furchtbares gesagt haben soll (außer dass er nicht die übliche extreme Sensibilität hinsichtlich der Sprache an den Tag legt) konnt mir bis heute niemand schlüssig zeigen.

      • 1. du hat gefragt, wie man das asylwesen finanzieren soll. die einzig logische antwort ist, dass der staat dieses geld aufbringen muss. im besten fall ist die frage nach der finanzierung also komplet unnötig – im schlimmsten fall bedient sie den "mit meinen steuergeldern zahl i die ausländer nix"-reflex. einen positiven sinn dahinter muüsstest du mir erklären.
        2. gefängnisse und justiz sind dafür da, dass sie belastet werden. überlastet werden sie aber aus ganz anderen gründen. unterfinanzierung und gesetzeswirrwarr zum beispiel. das asylwesen in dieser hinsicht zu problematisieren suggeriert, dass man ohne asylwerberInnen plötzlich keine überlastete justiz und keine überlasteten gefängnisse mehr hätte. und das ist einfach nicht richtig.
        3. wir sprechen eben schon von 0,0002% der bevölkerung (und zwar nicht alle im arbeitsfähigen alter, also auch nicht von zehntausenden jobs) – dabei ist es prinzipiell egal in welchem lohnbereich, das ist keine siginifikante größe für das lohnniveau.
        und außerdem gehts überhaupt nicht zwingend um den niedrigqualifizierten bereich. ich arbeitete beim zivildienst mit der frau eines rumänen der in der zeit der diktatur hierher kam zusammen. der mann war doktor der mathematik. viele flüchtlinge gerade aus afrika gehören dort der gebildeten leistungsschicht an – weil die anderen sich das flüchten schon gar nicht leisten können. dass die bei uns wegen der dümmstmöglichen gesetzeslage nur als augistinverkäufer und erntehelfer auftreten, ändert nichts daran, dass es gut qualifizierte menschen sind.
        asylwerberInnen sind genauso vielschichtig wie alle anderen menschen. es ist ein vorurteil, in ihenen nur eine gruppe unqualifizierter zu sehen.
        4.ich verstehe nicht ganz, warum du in einer reaktion auf meinen post (in dem absatz sprichst du mich ja auch explizit an) plötzlich eine kritik an der allgemeinen kritik an dönmez aufstellst. aber gut.
        was aber nicht gut ist, ist die behauptung, die kritik an dönmez wäre noch nie fundiert worden. das habe ich nämlich bereits gemacht. dönmez verkürzt und transportiert falsche tatsachen.
        abgesehen davon, dass bei aussagen wie der mit den "anatolischen kameltreibern" eben mehr, als nur ein quäntchen sensibilität fehlt. solche statements abzulehnen kannst du gern einem bösen "grünen mainstream" zuschreiben – das spricht dann aber eher gegen dich.
        was du hier wahrscheinlich im hinterkopf hast, ist die empörung über seinen "zwei brüste reichen nicht"-sager. die war tatsächlich hysterisch und nicht nachvollziehbar. aber das macht nicht gleich alles andere richtig.

  5. dieter sagt:

    2) "Durchmischung"? Von was? Womit? Falls es dir entgangen sein sollte – sowas wie "Rassen" gibt es einfach nicht. Wissenschaftlich betrachtet.

    Durchmischung von Ausländern und Einheimischen in Schule, Arbeitsplatz, Wohnumfeld (aktiv forciert durch Öffnung des Gemeindebaus).
    Deine Interpretation ist grotesk und würde überhaupt keinen Sinn ergeben. Ich sage ja, dass die Xenophobie unter Einheimischen und Fremden bei näherer Nachbarschaft größer wird, und nicht, dass sie ins Bett hüpfen, was ein Zeichen für das Gegenteil wäre.

    3) Zu der Erklärung war warum Einwanderung befürworte sage ich lieber nix, die richtet sich ob ihrer himmelschreienden Vereinfachung und zahlreichen Weglassungen eh selbst.

    Ich melde keinen Exklusivitätsanspruch an.

    Die von den Rechten befürchtete Sogwirkung trat nicht ein. 2008 wurde Zapatero klar wiedergewählt. Dein entsprechender Absatz ist also in jeder Hinsicht vollkommen falsch.

    Ich habe wie üblich Aznar mit Zapatero verwechselt. Nach der Wahl im März 2008 wurde das von mir Angesprochene Repatriierungsprogramm im Juni angekündigt: El Gobierno ofrecerá incentivos para repatriar a un millón de inmigrantes

    5) Deine Definition von Wirtschaftsflüchtlin ist in sich widersprüchlich.

    Der Begriff wird unterschiedlich aufgefasst. Ich habe beide Verwendungen aufgezeigt und halte von beiden nicht viel.

    Aber der Begriff ist trotz seiner (möglichen?) rechten Herkunft so weit verbreitet, dass er idR "Mensch der aus wirtschaftlichen/finanziellen Gründen seine Heimat verlässt und sein Glück in X versucht" beschreibt.

    Nach der Definition wären praktisch alle historischen wirtschaftlichen Migrationsbewegungen als Wirtschaftsflucht zu verstehen. Flüchten muss man von einer auswegslosen Situation. Insofern waren viele irische Auswanderer in den USA echte Wirtschaftsflüchtlinge, die sonst den Hungertod erlitten hätten. (Damals gab es keine UNHCR.)
    Arnold Schwarzenegger oder Stronach wären gemäß deiner Definition Wirtschaftsflüchtlinge. Das kann es ja wohl nicht sein.

    • Thomas sagt:

      1) Das Xenophobie bei größerer Nähe größer wird, ist falsch. Rein sozialwissenschaftlich. Das sie größer wird, wenn man sich plötzlich vom "Fremden", das man nicht versteht und nicht verstehen will, ist schon klar, aber das hat weniger mit einer "Durchmischung" oder "Umvolkung" (das unterstell ich dir jetzt nicht, sonder sag ich nur allgemein dazu) zu tun, sondern mit einer idiotischen Politik zB hinsichtlich Wohnungsvergabe (Schaffung von "Ghettos") und Angeboten an die Migranten (ihr sollt's Deutsch können um Arbeiten zu können, der Deutschkurs kostet so und so viel) – no na bleib ich da lieber bei "meinen" Leuten.
      2) Du hast nicht nur Aznar mit Zapatero verwechselt, sondern auch eine Million mit 100.000. Außerdem geht es nicht darum sie "außer Landes zu schaffen", sondern darum, Gastarbeitern die in Spanien arbeitslos sind die Rückkehr in ihre Heimat zu erleichtern. Das hat nichts mit "Ausländer raus zu tun" (vor allem wenn man in den Jahren davor Hundertausende legalisiert hat) sonder mit Wirtschaftspolitik. Niemand verliert irgend einen Rechtsstatus, niemand wird aus dem Land geworfen.
      3) Ja, die meisten Menschen bewegen sich nur aus wirtschaftlichen Gründen, oder weil ihre Heimat niederbrennt. Was ist daran so besonders. Und nein, Arnold Schwarzenegger und Frank Stronach sind keine Wirtschaftsflüchtliche, die hätten in Österreich beide locker überleben können.

    • Thomas sagt:

      1) Das Xenophobie bei größerer Nähe größer wird, ist falsch. Rein sozialwissenschaftlich. Das sie größer wird, wenn man sich plötzlich vom "Fremden", das man nicht versteht und nicht verstehen will, ist schon klar, aber das hat weniger mit einer "Durchmischung" oder "Umvolkung" (das unterstell ich dir jetzt nicht, sonder sag ich nur allgemein dazu) zu tun, sondern mit einer idiotischen Politik zB hinsichtlich Wohnungsvergabe (Schaffung von "Ghettos") und Angeboten an die Migranten (ihr sollt's Deutsch können um Arbeiten zu können, der Deutschkurs kostet so und so viel) – no na bleib ich da lieber bei "meinen" Leuten.
      2) Du hast nicht nur Aznar mit Zapatero verwechselt, sondern auch eine Million mit 100.000. Außerdem geht es nicht darum sie "außer Landes zu schaffen", sondern darum, Gastarbeitern die in Spanien arbeitslos sind die Rückkehr in ihre Heimat zu erleichtern. Das hat nichts mit "Ausländer raus zu tun" (vor allem wenn man in den Jahren davor Hundertausende legalisiert hat) sonder mit Wirtschaftspolitik. Niemand verliert irgend einen Rechtsstatus, niemand wird aus dem Land geworfen.
      3) Ja, die meisten Menschen bewegen sich nur aus wirtschaftlichen Gründen, oder weil ihre Heimat niederbrennt. Was ist daran so besonders. Und nein, Arnold Schwarzenegger und Frank Stronach sind keine Wirtschaftsflüchtlinge, die hätten in Österreich beide locker überleben können.

      • dieter sagt:

        Thomas :
        1) Das Xenophobie bei größerer Nähe größer wird, ist falsch. Rein sozialwissenschaftlich. Das sie größer wird, wenn man sich plötzlich vom „Fremden“, das man nicht versteht und nicht verstehen will, ist schon klar, aber das hat weniger mit einer „Durchmischung“ oder „Umvolkung“ (das unterstell ich dir jetzt nicht, sonder sag ich nur allgemein dazu) zu tun, sondern mit einer idiotischen Politik zB hinsichtlich Wohnungsvergabe (Schaffung von „Ghettos“)

        Robert Putnam ist Soziologe und zwar einer, der sogar ehrliche und genaue Empirik betreibt und in der fraglichen Sache sogar zähneknirschend ein Ergebnis publiziert hat, das ihm ideologisch nicht gefällt.
        Die These, dass Xenophobie mit zunehmenden Kontakt zu Fremden abnimmt, wird halt ständig durch die Realität falsifiziert.
        Du hast meine Sichtweise in der Gemeindebaufrage offenbar nicht verstanden. Ich meine eben, dass das Auflösen der „Ghettos“ (Zinshäuser in Gürtelnähe usw.) durch die Öffnung der Gemeindebauten nach hinten los gehen wird. Die FPÖ riecht da schon jetzt eine Gelegenheit und macht das zum Thema. Wir werden es bei den nächsten Wien-Wahlen ja sehen.

        2) Du hast nicht nur Aznar mit Zapatero verwechselt, sondern auch eine Million mit 100.000. Außerdem geht es nicht darum sie „außer Landes zu schaffen“, sondern darum, Gastarbeitern die in Spanien arbeitslos sind die Rückkehr in ihre Heimat zu erleichtern. Das hat nichts mit „Ausländer raus zu tun“ (vor allem wenn man in den Jahren davor Hundertausende legalisiert hat) sonder mit Wirtschaftspolitik. Niemand verliert irgend einen Rechtsstatus, niemand wird aus dem
        Land geworfen.

        Millón bedeutet aber schon „Million“ und laut Artikel hätten über eine Million Anspruch auf die Maßnahme und man hofft, dass Hunderttausende darauf zurück greifen werden.
        Deine Interpretation ist überaus erstaunlich und klingt ziemlich naiv. Meinst du Immigrantenorganisationen wären etwa an die Regierung herangetreten und hätten gesagt: „Bitte, wir wollen wieder heim, können uns es aber nicht leisten. Helft uns!“?
        Die Maßnahme wurde übrigens schon vor der aktuellen Wirtschaftskrise angekündigt.

        3) Ja, die meisten Menschen bewegen sich nur aus wirtschaftlichen Gründen, oder weil ihre Heimat niederbrennt. Was ist daran so besonders. Und nein, Arnold Schwarzenegger und Frank Stronach sind keine Wirtschaftsflüchtlinge, die hätten in Österreich beide locker überleben können.

        Deshalb sage ich ja, dass der Begriff „Wirtschaftsflüchtling“ irrsinnig ist. Schwarzenegger und Stronach sind nämlich der Regelfall.

  6. dieter sagt:

    Bist du jetzt auf dem Zensurtripp? Wo ist mein letzter Kommentar? Wo sind die Kommentare zu Faymann?

    • Thomas sagt:

      Es handelte sich dabei um einen Fehler der von mir verwendeten Kommentarfunktionserweiterung von IntenseDebate. Die Kommentare waren nicht weg, aber sie erschienen unter irgendwelchen Einträgen. Da der Support mir nicht helfen konnte, und immer mehr Fehler auftraten, ist ID nun deaktiviert.

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