Die Bildungsreform die nie kommen wird

Als Absolvent von 13 Jahren österreichischem Schulssystem, immer noch Angehöriger des österreichischen Bildungssystems (Uni), informierter Beobachter und jemand der einfach gern mal seinen Senf dazu gibt (wie alle Blogger) schreib ich auch mal was zur Bildungsdebatte.
Es gibt ein paar Grundideen die allgemein anerkannt und von Experten befürwortet werden, weshalb ich sie bloß erwähne, ohne sie zu verteidigen. In den meisten entwickelten Ländern sind sie ohnehin Standard. In Österreich sind sie wegen ihrer politischen Implikationen bzw. gesellschaftlichen Konsequenzen nicht gegen die ÖVP umsetzbar. Das sind Ganztags- sowie Gesamtschule (Egalität statt Elite, wo kämen wir denn da hin?). In der Folge werde ich einfach ein paar Stichwörter abarbeiten.

Ferien

9 Wochen im Sommer ist zu lang. Das direkt darauf meist ein intensiver Lern- und Prüfungsmarathon folgt, „weil im Frühjahr eh wieder so viele Tage frei sind“ kann pädagogisch nicht gut sein. 3 Wochen weniger, damit trotzdem Freizeit (und die Möglichkeit zu Arbeiten) bleibt. Diese 3 Wochen aufs Jahr verteilen. Sinnvoll.
Schüler sollten möglichst viel Freizeit haben, um zu schlafen, zu spielen (jung) oder fortzugehen (nicht mehr ganz so jung) oder was auch immer. Dazu wäre eine Ganztagsschule, die praktisch garantieren muss, dass die Wochenenden nicht für Hausübungen, Referatsvorbereitungen oä verschwendet werden, gut.

50 Minuten Frontalunterricht

Eine Katastrophe. Dabei ist noch nicht einmal der Frontalunterricht so das Problem, sondern die dämlichen Zwangseinheiten. Kein Mensch kann 50 Minuten lang aufmerksam sein. Mehr Pausen, mehr kürzere Einheiten.

Förderung

In den Schulen (ich spreche vom System, nicht von engagierten Lehrern, Privatschulen und innovativen Schulversuchen) wird ausschließlich das konformistische Mittelmaß gefördert. Schwache Schüler werden zurückgelassen, begabte sich selbst überlassen. Kinder mit Migrationshintergrund, genauso wie dumme Schüler (hey, darüber nicht zu sprechen, ist ein blödes Tabu) haben und machen deshalb ein Problem, weil es zuwenig Förderung für sie gibt. Mehr Förderlehrer (zu teuer, abgelehnt!).

Unterrichtsgegenstände

Werkunterricht (technisches Werken für Buben und maskuline Mädchen, textiles für Mädchen, hieß das in meiner Hauptschule). Hauswirtschaftslehre (Kochen und Putzen lernen). Religionsunterricht. Das haben Wahlfächer zu sein. In der Ganztagsschule, mit verpflichtender Anwesenheit auch wenn kein Unterricht ist, ist das keine große Hürde. Dafür ein vernünftiger Ethikunterricht. Ein vernünftiger Informatikunterricht (wobei das vielleicht eher Medienunterricht heißen und sein sollte). Zum Beispiel.

Modulare Oberstufe

16jährige dürfen Wählen, also werden sie wohl auch in der Lage sein, ihren Stundenplan sinnvoll zusammen zustellen. Fixe Basis. Möglichkeit der Schwerpunktsetzung. Keine Hexerei.

Evaluierung des Unterrichts

Lehrer gehören regelmäßig und streng kontrolliert. Wer nicht unterrichten kann, egal wie fachlich kompetent er ist (und umgekehrt), hat kein Lehrer zu sein. Der Beruf ist zu wichtig, um ihn solchen Idioten zu überlassen, wie es sie jetzt in der Lehrerschaft gibt. Sicher, schwarze Schafe wird es immer geben. Nett wäre allerdings, darauf zu reagieren. Momentan gibt es, solange ein Lehrer einem Schüler nicht gerade die Hand bricht, keine Handhabe.

Auswahl der Lehrer

Die oben genannten Punkte, und viele andere gute Ideen, werden wenig bringen, solange der sogenannte „Lehrkörper“ keine Totalüberholung bekommt. Das beginnt damit, dass jeder Depp Lehrer werden darf. Ich kenne zukünftige Lehrer, die wohl hart an geistiger Kindesmisshandlung schrammen werden (fundamentalistisch katholisch und rassistisch). Ich kenne Lehrer, die den Unterricht nervlich nicht schaffen. Man muss den Leuten klar machen, worauf sie sich einlassen. Welche Verantwortung sie tragen. Und sie auch testen, überprüfen, überwachen, unterstützen. Und das ein Lehrerleben lang.
Das waren ein paar Brocken zu Schule und Lehrern. Im in einigen Tagen folgenden zweiten Teil, möchte ich kurz auf die Universitäten und das Bidlungsbudget eingehen.

Eine Antwort zu “Die Bildungsreform die nie kommen wird”

  1. Michael sagt:

    Problematisch ist nicht nur, dass man 50 Minuten voll konzentrationsfähig sein „soll“, sondern dass an diese 50 Minuten eine kurze Klopause folgt und anschließend die nächsten 50 Minuten Frontalunterricht anstehen. Dieses Spiel zieht sich schon mal 6 Unterrichtseinheiten hindurch. Lerntechnisch ist das der blanke Horror, denn man bräuchte zwischendurch Pausen, um das Aufgenommene überhaupt zu verarbeiten.
    Ein bedeutender Kritikpunkt sollte aber die Zahl der Schüler in einer Klasse sein. Kein Lehrer kann knapp 30 Schüler ordentlich unterrichten, ohne dabei die Hälfte zu vernachlässigen. Die Folge einer derart hohen Schülerzahl ist aber auch ein hoher Geräuschpegel, der mit einem Unvermögen, das Gehörte auch aufzunehmen, einhergeht.
    Weiters zu erwähnen wären die Stundenkürzungen, die wir die letzten Jahre immer wieder hinnehmen mussten. Stunden wurden massiv gekürzt (Einstundenfächer erschaffen, die es vorher nicht gab), während der Lehrplan unverändert blieb. All das geht zu Lasten von Übungsstunden und zu Lasten eines abwechslungsreichen Unterrichts – denn wenn man keine Zeit hat, kann man nur versuchen, den Stoff irgendmöglich durchzudrücken.

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