Das Schnitzel-Argument für die Reichensteuer

Ein Wiener Schnitzel mit Kartoffeln

Der Anteil am imaginären Kuchen ist ein beliebtes Beispiel um für eine Reichensteuer zu argumentieren, oder um die ungerechte Verteilung von Vermögen zu beschreiben. Ist auch irgendwie naheliegend, Verteilung wird oft als Tortendiagramm dargestellt. Aber sind Kuchenstücke wirklich die beste Option?

Das Problem dabei ist nämlich, dass den meisten Leute Kuchen relativ egal ist. Nicht komplett egal, die allermeisten von uns essen schon gern eine Nachspeise. Aber wenn es keinen Kuchen gibt, geht man deshalb normalerweise nicht hungrig zu Bett. Der Kuchen ist ein Bonus, aber davon lebt man nicht. Gegen den Hunger isst man die Hauptmahlzeit. Vermögen ist aber keine Nachspeise, deren Fehlen einen höchstens etwas enttäuscht, sondern extrem wichtig für die Qualität des Lebens. Das Vermögen das einige wenige auf Kosten aller anderen bei sich horten ist die Hauptmahlzeit. Oder auf österreichisch: Schnitzel.

100 Schnitzel für 100 Leute

Stellen wir uns das Wirtshaus „Austria“ vor. Es sind genau 100 Gäste da. In der Küche gibt es genau 100 Schnitzel, es ist also für alle genug da. Wenn alle ein Schnitzel bekommen bleibt niemand hungrig.

Jetzt gibt es aber ein paar Leute, die mehr als ein Schnitzel essen wollen. Der Pfarrer, die Bürgermeisterin, der Oberbauer, die Chefin des großen Bauunternehmens im Ort, und so weiter. Es will niemand nein zu den wichtigen Herrschaften sagen. Außerdem sind unter den 100 Leuten ein paar kleine Kinder, die eh nur ein halbes Schnitzel schaffen, sich also eines teilen können. Und ein paar essen nur vegetarisch oder vegan. Also kein Problem, wenn ein paar etwas mehr essen, es geht sich alles irgendwie aus und alle sind glücklich und satt.

Aber dann will der Pfarrer noch ein drittes Schnitzel für unterwegs. Und der Oberbauer will eines für seinen Mann mitnehmen. Und die Bürgermeisterin ist noch immer hungrig. Und die Bauunternehmerin findet, dass die anwesenden Bauarbeiter*innen lieber arbeiten statt essen sollen. Die Stimmung wird langsam ungemütlich.

Die Verteilungsfrage wird relevant, wenn es von einer wichtigen Sache nicht unendlich viel gibt. Es gibt in Österreich gewaltiges Vermögen, mehr als genug um ein gutes Leben für alle doppelt und dreifach zu finanzieren. Aber eben nicht unendlich viele Schnitzel.

Und so läuft im Wirtshaus Austria einiges schief. Der örtliche Großgrundbesitzers hat sich 41 Schnitzel geschnappt. Nicht weil er sie braucht oder überhaupt ansatzweise soviel essen könnte. Aber er will einfach sehr viele Schnitzel haben. Mehr ist immer besser. Schnitzel akkumuliert sich.

Andere Leute greifen sich jetzt hektisch ihre Schnitzel. Der Pfarrer, die Bürgermeisterin, die Leute die aufgrund ihrer Stellung als erste bedient wurden. Und die, die das Glück hatten richtig zu sitzen, um ihre Schnitzel auch schon serviert bekommen zu haben. So können sich 49 Leute 56 ½ Schnitzel sichern.

Für die restlichen 50 Gäste bleiben nur 2 ½ Schnitzel übrig.

Reichensteuer für mehr Verteilungsgerechtigkeit

Das reichste 1 % besitzt in Österreich 41 % des vorhandenen Vermögens. Die ärmsten 50 % besitzen gemeinsam nur 2,5 %. Diese Verteilung ist offensichtlich ungerecht. Niemand braucht 41 Schnitzel. Und niemand hat das Recht auf 41 Schnitzel, wenn 50 Leute gleichzeitig mit 2 ½ auskommen müssen.

Deshalb hat die GAP-djp eine Kampagne für die Einführung einer Millionärssteuer gestartet. Eine faire Besteuerung von Vermögen ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern würde der Republik Handlungsspielräume im Kampf gegen die Klimakrise, zur Finanzierung der Pflege, etc. eröffnen. Es ist höchste Zeit für die Reichensteuer.

Foto: Ximeg /Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 DE)

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