Das Kanzlerduell

Ein von „Duell“ zu „Duell“ besser werdender Werner Faymann (vor allem gegen Strache trumpfte er in meinen Augen, wohl auch ob des Gegenübers, richtig auf) traf heute auf einen konstant seriös-langweiligen Wilhelm Molterer. Die umgekehrte Situation des „legendären“ 2002er Duells Gusenbauer-Schüssel, wo alle auf den Sieg Schüssels wartenden, und Alfred „reden sie kan Lavendel“ Gusenbauer überraschte.

Beide starteten solide, Faymann gab eigene Fehler (der SPÖ) zu, Molterer war angriffig. Schon bald wurde es heiß, man warf sich gegenseitig vor, sich nicht an die Regeln des Anstands zu halten und fiel sich permanent ins Wort. Sehr oft verwendeten beide Phrasen wie „Herr Faymann bzw. Molterer, das stimmt nicht/ist falsch“.

Molterer versprach eine Steuerreform ohne Gegenfinanzierung und warnte davor, in der morgigen Sondersitzung Geld auszugeben, dass man später für den kommenden „Konjunkturschock“ brauchen werde. Faymann bezeichnete dies als „Gräuelpropaganda“, wiederholte die Vorzüge seines Fünf-Punkte-Programms und versprach ebenfalls, das es keine Gegenfinanzierung geben werde.

Molterer bemühte sich, die das drohende Schreckensszenario einer Wirtschaftskrise im Gespräch zu halten und sich als seriösen, langfristigen und vernünftig denkenden Kanzler in spe zu präsentieren. Und dies machte er sehr gut. Faymann konterte damit, dass Molterer dem Großteil der Punkte, die er als kommende Katastrophe darstelle, zustimmen werde.

Der Unterschied mache 700 Millionen EUR aus, was nicht die Milliardensummen sind, von denen die ÖVP immer spricht. Nach dreißig Minuten konnte Wilhelm Molterer keine neue Karten mehr spielen und blieb beim „seriösen Säckelwart“, während Faymann sich verbesserte und als bemühter Politiker Mensch mit sozialem Gewissen punkten konnte.

In der Debatte um die Höhe der Pensionen und die Sicherung der staatlichen Pension blieben beide mehr als nur unkonkret, die Diskussion wurde aber wieder etwas höflicher. Immer wieder kam Molterer, wohl im Bewusstsein dass die SPÖ dabei ordentlich punkten könnte, auf die morgige Parlamentssitzung zu sprechen. Er warnte sehr scharf davor, dass der Staat keinen Spielraum für irgendetwas mehr habe, wenn die SPÖ-Punkte durchgehen.

Ingrid Turnher, die sich sehr scharf darum bemühte, die Diskussion unter Kontrolle zu halten, brachte dann das Thema „Frauenpolitik“ ins Spiel. Auch wenn sie die Frage zuerst an Molterer richtete, eine schöne Auflage für Faymann. Molterer konnte kaum konkrete Antworten geben, und sprach von den „starken Frauen“ in seinem Team. Faymann punkte bei der schon traditionellen Stärke der Sozialdemokraten klar, indem er hinsichtlich bei beruflichem Wiedereinstieg nach Geburt eines Kindes, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Kinderbetreuung konkret wurde.

Danach kam das Thema Umweltschutz. Auch hier starte Faymann mit Selbstkritik und gab sich bürgernah (ich fahre mit der U-Bahn). Auch Molterer fährt U-Bahn und verband dies gleich mit der erfolgreichen Sicherheitspolitik der ÖVP („Eines der größten Komplimente die man Österreich machen kann, ist das ein Vizekanzler U-Bahn fahren kann, ohne das etwas passiert“). Er betonte, dass er der öffentliche Verkehr ausbauen wolle und das Autofahren nicht teurer machen will.

Faymann sagte dasselbe. In der abschließenden Koalition nagelte Frau Turnher Faymann auf seine Aussage fest, eine große Koalition nur ohne Molterer/Schüssel anzustreben. Dieser antwortete, dass er dies deshalb wolle, da SPÖ und ÖVP von ihrer früheren gemeinsamen Zwei-Drittel-Mehrheit bald bei 30 % landen, wenn diese Herren weiter alles blockieren und dann Neuwahlen ausrufen, und dies, wie er meinte, zu recht. Molterer spielte zuletzt die „Dichand-Karte“. Er will keinen Kanzler, der auf Zuruf einer Zeitung reagiert. Ein derartiger Kanzler von Dichands Gnaden solle Österreich erspart bleiben.

Mein Fazit: Nach einem starken Start von Wilhelm Molterer, dem Werner Faymann nichts entgegensetzten konnte, verlor ersterer mehr und mehr die Kontrolle über das „Duell“ während Faymann sich fing, und klare Botschaften an die Stammwähler anbrachte. Letztlich war es ein Sieg Faymanns, wenn auch nicht so deutlich wie gegen H.C. Strache. Da aber viel gestritten wurde, und Molterer auch einige Male punkten konnte, glaube ich nicht, dass das Duell großen Einfluss auf das Wahlergebnis haben wird. Dazu wäre wohl ein deutlicher Sieg von Faymann oder Molterer nötig gewesen. So wie ihn, im Gegensatz zu mir, das oe24.at-Voting (70:30 % für Faymann) sieht. Sollte sich diese Sicht der Dinge in den Medien durchsetzten, dann war es das wohl für die ÖVP.

Neuwal-Bericht

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6 comments

  • besonders nett war das Taferl von Molterer mit einer Schlagzeile des „Standart“ (siehe Link)

  • ich finde vor allem amüsant, wenn ausgerechnet herr molterer sich darüber darüber lustig macht, dass faymann mit sammy molcho arbeitet. stimmt´s überhaupt? ich weiß es nicht. aber faymann wirkt im auftreten absolut authentisch, während mich diese SEHR eigenartige gestik von herrn molterer eines tages noch in den wahnsinn treiben wird …
    [wer trainiert herrn molterer diesbezüglich? ich möchte den mann zum duell fordern. und es kann nur ein mann sein]

  • Das war ein versuchter Untergriff von Molterer (darauf wird er offensichtlich hingecoacht, was ich ob seiner gänzlich anderen Persönlichkeit für ausgesprochen dämlich halte, aber wer auch immer diesen ÖVP-Wahlkampf über hat, hat seine Inkompetenz ja schon vielfach unter Beweis gestellt), der, wie beinahe alle anderen, ins Leere ging. Als Obmann müsste er sich eigentlich von Leuten die ihn so coachen, und die ihn mit einem „Standart“-Taferl auftreten lassen, sofort trennen…

  • also ich weiß nicht, ob das nicht absicht war …? ;))

  • Eine Konfrontation ohne wirklich Highlights – abgesehen von Molterers Taferl.
    Es wurden meiner Meinung nach die eigenen Standpunkte verhärtet und die Kluft für eine zukünftige Regierungsarbeit vergrößert. Mit Faymann bei der SPÖ und Molterer bei der ÖVP kann ich mir eine Neuauflage einer Großen Koalition schlichtweg nicht vorstellen. Diese würde wohl dort weitermachen, wo Gusenbauer und Molterer (und Schüssel) aufgehört haben…

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