Das große Bienensterben?

BZÖ – Sind das nicht die Bienenzüchter Österreichs?
Ewald Stalder, 2005

Seit seiner Gründung 2005, war das Schicksal des BZÖ untrennbar an das Land Kärnten gebunden. Nicht nur, weil Jörg Haider dort war und man ohne die Kärntner Stimmen bundesweit untergegangen wäre, sondern auch, weil der Großteil der politischen Struktur und, abgesehen von der Klubförderung im Parlament, auch nahezu alle finanziellen Ressourcen der Partei dort beheimateten sind. Aus dem Triumphzug mit dem Jörg Haider bei den kommenden Landtagswahlen die absolute Mehrheit feiern wollte, wird durch dessen Tod ein Abwehrtrupp, der den ersten Platz (und damit die Partei und die eigene Macht) retten muss.

Dabei hat das BZÖ im wesentlichen drei Gegner. Die FPÖ, die Blut gerochen hat, die SPÖ, die ihre interne Dauerkrise gerne mit dem Landeshauptmannsessel beruhigen möchte und sich selbst, wenn man bedenkt, wie dünn Jörg Haider die Personaldecken um sich herum immer gehalten hat. Die ÖVP von Josef Martinz dürfte es schwer haben, aufzufallen, könnte allerdings Wähler die sie 2004 an das BZÖ verloren hat, praktisch umsonst zurückgewinnen, da diese dort nichts mehr hält. Rolf Holubs Grüne sprechen andere Wählergruppen an, und dürften auf den Wahlerfolg des BZÖ, so sie nicht eine Leiche aus dessen Keller ausgraben, keinen großen Einfluss haben.

Im BZÖ gab es keinen Nachfolger für Jörg Haider. Hätte sich zu dessen Lebenzeiten einer angeboten, wäre er vom großen Egomanen wohl auch gleich abmontiert worden. Jetzt ist unklar, wer das BZÖ nach der Wahl führen wird, sowohl in Kärnten, als auch auf Bundesebene. Bis zum Wahlergebnis hält die ganze Partei gespannt die Luft an. In Kärnten stellt sich die Frage, wie sich die Macht die auf Haider zentriert war, nun aufteilt. Auf Bundesebene herrscht überhaupt Ungewissheit.

Allerdings gibt es nicht sehr viele Alternativen, über die man spekulieren kann. Außer der Kärntner gibt es keine Landesgruppe die Ansprüche auf irgendetwas stellen kann. Höchstens noch „die Wiener“, aber der geschäftsführende Bündnisobmann Herbert Scheibner will nicht, und Peter Westenthaler will niemand. Stefan Petzner hat sich unmöglich gemacht. Höchstens Klubobmann Josef Bucher (von den BZÖ Musketieren) wäre noch eine denkbare Option. In Kärnten laufen alle Fäden bei den Brüdern Scheuch zusammen, wobei Landesparteiobmann Uwe deutlich mehr in der Öffentlichkeit steht. Dieser wird sich ein funktionierendes Verhältnis mit dem amtierenden Landeshauptmann Gerhard Dörfler erarbeiten müssen, da sie nun in die Verlegenheit gekommen sind, die Partei führen zu müssen. Doch all dies muss erst einmal zurückstehen – die Schlacht um das Erbe Jörg Haiders ist eröffnet.

In diese zieht die FPÖ überraschenderweise mit Fußballklubpräsident Mario Canori an der Spitze. Obwohl sie derzeit in den Umfragen noch vollkommen bedeutungslos ist, sieht Strache großes Potential für die FPÖ bei den kommenden Wahlen. Deshalb hat man wohl auch das traditionelle FPÖ-Neujahrstreffen nach Kärnten verlegt (bezeichnenderweise veranstaltet das BZÖ dieses mal gar kein Neujahrstreffen, möglicherweise fürchtet man, dass es ohne Haider nur ein Flop werden kann). Die ersten Wortmeldungen Canoris deuten, wie vielfach befürchtet, Richtung Dauerpräsenz des verstorbenen Landeshauptmanns. Auch der Versuch von Strache, Claudia Haider anzuwerben macht dies deutlich. Sowohl FPÖ als auch BZÖ scheinen zu glauben, dass man (oder zumindest sie) in Kärnten nach wie vor ohne Haider keine Chance habe. Mich würde aber wundern, wenn es dass das BZÖ nicht schafft, im öffentlichen Bewusstsein festzusetzen, das Haider sich von Strache abgespalten hat, das Strache ihm das Du-Wort entzogen hat, und dass Haider wegen Leuten wie Strache das BZÖ gegründet hat. Ebenso gilt es für die Orangen, Canori als Verräter zu brandmarken, der ohne Haider nichts wäre, und nun Haiders Partei im Stich lässt.

Die große Gewinnerin könnte die SPÖ sein. Zwar ist nichts an ihr besonders gut oder ansprechend, aber unauffällig und stabil lässt sich auch ein Wahlerfolg einfahren, wenn der Konkurrent mit diversen Ausfällen und Zerfleischungsversuchen beschäftigt ist. Überhaupt war es eine große Schwäche der SPÖ dass ihre Bürgermeister lieber mit Jörg Haider zusammengearbeitet haben, und dann und wann den eigenen Chef abmontierten. Dass ist nun genauso Geschichte, wie polarisierende (Gaby Schaunig ) oder farblose und unbeliebte (Peter Ambrozy) Spitzenkandidaten. Hier öffnet sich für das BZÖ eine zweite Front. Wenn es nicht gelingt, irgendwie einen Keil in die SPÖ zu treiben, wird man es schwer haben, neben ihr gut auszusehen, wenn man dauernd Tiefschläge austeilt und einsteckt. Ebenso öffnet sich hier die dritte Front – die Wähler die Haider von der ÖVP gewann, nicht wieder zu verlieren, weil man ohne Haider nichts außer einem kopflosen Haufen ist, der nach allen Seiten ausschlägt.

Kein Überraschung wäre es daher, wenn dass das unter Druck geratene BZÖ tatsächlich zu widerlichen Wahlkampfmethoden, wie dem Streuen antisemtischer Verschwörungstheorien, greifen würde. Dies wäre nur teil des Kits, den der BZÖ-Wahlkampf braucht, um erfolgreich zu sein. Der „Mythos Jörg Haider“ muss über der Partei schweben, nur dann zerfällt sie nicht. Nur dann kann man tief schlagen, ohne selbst mitgerissen zu werden. Nur dann gibt es überhaupt einen Grund Dörfler zu wählen. Ansonsten frisst das „Krokodil Strache“* das Fallobst im vorbeigehen.
(Ortstafelgenerator)
*Zitat Harry Kopietz

Eine Antwort zu “Das große Bienensterben?”

  1. […] Das große Bienensterben | Feuerhaken.org […]

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