Obama: Change we can belive in

President Obama on the phone waving his hand
President Obama on the phone waving his hand

Vor einem Jahr opferten viele von uns den Großteil einer Nacht, um anstatt zu schlafen, die Wahl des Präsidenten der USA zu verfolgen. Barack Obamas Wahlkampf hatte halb Europa elektrisiert, und die Erinnerung an die schockierende Wiederwahl von George W. Bush (und für manche auch die Paranoia von „gestohlenen“ Wahlen) brachte für die BeobachterInnen Spannung in einen längst entschiedenen, in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten, Wahlkampf. Barack Obama wurde gewählt und die Euphorie erreicht damit, zwei Monate vor seinem tatsächlichen Amtsantritt, den Höhepunkt. Die Videos einiger der bekanntesten, bewegensten und bedeutensten Reden Obamas, sollen dabei helfen, sich an diese Stimmung zu erinnern.

Idioten nannte ich damals die Leute, die sich das Fließen von Milch und Honig (d.h. vor allem die Umwandlung der USA in einen Sozialstaat westeuropäischen Zuschnitts binnen Tagen) erwarteten, und Idioten nenne ich sie heute. Obama wurde Präsident eines Landes, das nach 4 Jahren neokonservativer, imperialistischer Politik diese wiedergewählt hatte. Obama wurde der erste schwarze Präsident dieses Landes. Allein seine Wahl ist bemerkenswert, aber wer erwartete, dass sich nun alles sofort grundlegend ändert, hat nichts verstanden.

Und doch hat sich erstaunlich viel geändert. Der geflügelte Wort vom neuen Kalten Krieg ist 10 Monate nach dem Ausscheiden von George W. Bush aus dem Amt, aus dem politischen Sprachgebrauch verschwunden. Die ersten ernsthaften Abrüstungsgespräche zwischen Russland und den USA seit langem laufen. Obama hat die USA zu einem aktiven (statt blockierenden) Mitglied der Vereinten Nationen gemacht und die feindselige Politik der USA gegenüber islamischen Ländern beendet, ebenso die Beziehungen zu Lateinamerika verbessert und es Amerikanern ermöglicht, ihre Verwandten auf Kuba zu besuchen.

Er investiert stärker in das Weltraumprogramm (wie versprochen, eine der zahlreichen Ähnlichkeiten zu John F. Kennedy) und alternative Energien und hat die USA vom „Klimawandel gibt es nicht und interessiert uns nicht“-Kurs abgebracht. Er hat auch die Bezugszeiten für Arbeitslosengeld verlängert, und nebenbei die USA nicht so schlecht durch die Wirtschaftskrise manövriert. Obama sagte am Wahlabend „change has come to America“ und daran kann kein Zweifel bestehen.

Das der Widerstand der Republikaner gegen ihn so groß sein würde, wie der der Linken gegen Bush, kam für viele überraschend, ebenso der schwache Rückhalt Obamas in der Demokratischen Partei in manchen Fragen. Gerade bei der umstrittenen Gesundheitsreform, die die USA näher an westeuropäische Standards bringen sollte, fehlt etwa Ted Kennedy in der innerparteilichen Auseinandersetzung schmerzhaft. Aber allein der Umstand dass der „Sozialismus“-Vorwurf so funktioniert wie er funktioniert, sagt sehr viel über die Befindlichkeit des Landes das Obama regiert aus, und wieso es so schwer für ihn ist, viele seiner Versprechen und Überzeugungen voranzutreiben.

Bei den Bilanzen die nun gezogen werden, darf nicht vergessen werden, dass es die ersten 10 Monate von vier Jahren sind, über die gesprochen wird. Das heißt, die Zeit, wirklich etwas zu erreichen (oder tatsächlich zu versagen), kommt erst. Und abschließend, damit wir Österreicher nicht die Relation verlieren, wenn wir den Präsident der USA beurteilen, noch zwei Stichworte: Werner Faymann und Josef Pröll.

Foto: History in HD/Unsplash

4 Antworten zu “Obama: Change we can belive in”

  1. Klemens sagt:

    Sehr sehr guter Text, Gratulation (:

  2. dieter sagt:

    In Sachen Gesundheitsreform liegst du falsch. Obamas Chefideologe, Rahm Emanuel, hat öfters ausdrücklich gesagt, dass er keine public option wolle, diese vom Tisch sei und allerhöchstens ein Trigger für den Santnimmerleinstag drin wäre.
    Obama hat in der Frage nur herumlaviert und den Ball scheinheilig dem Kongress zugespielt, sich hinter verschlossenen Türen längst mit den Krankenversicherern getroffen.
    Es waren einige mutig Demokraten, wie Barney Frank und vor allem Alan Grayson haben das Ruder im letzten Moment herumgerissen und die public option wieder auf den Verhandlungstisch gebracht und die Republikaner wortgewaltig in die Schranken gewiesen.
    Unterstützung vom Weißen Haus gab es trotz Ersuchen um Rückendeckung keine.

    http://www.youtube.com/watch?v=-usmvYOPfco
    Aber die europäischen Medien können es nicht glauben, dass Obama nicht derjenige ist, den sie in ihn hinein projizieren. Die Darstellung, dass der arme Obama wegen der bösen Republikaner nicht weiterkäme, ist absurd. Er hat eine Supermajority und könnte seine Vorhaben problemlos durch pushen. Roosevelt hat in 100 Tagen wesentlich mehr geschafft und gegen größere Widerstände.

  3. “We want to take our country back!” « Herr Klemann bloggt sagt:

    […] “Bury Obamacare with Kennedy”. Jetzt spinnens komplett. Ein guter Artikel über Obama findet sich auf feuerhaken.org. […]

  4. […] Welt anders aus. Um die USA des Donald Trump verstehen zu können müssen einige von uns ihre „Obamamania“ von damals hinterfragen. Das ist gar nicht so […]

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