"Ameisenrunde" – eine kleine Nachbetrachtung

Heute Abend um 22:00 ließ der ORF die Spitzenkandidaten der bundesweit für das Parlament kandidierenden Parteien, die aber (noch?) nicht in selbigem vertreten sind, diskutieren. Das waren Heide Schmidt (LiF), Fritz Dinkhauser (Liste Fritz), Alfons Adam (Die Christen), Mirko Messner (KPÖ) und Wilfried Auerbach (RETTÖ).

Ich ging mit der Erwartung, dass Heide Schmidt und eventuell Mirko Messner vernünftige Aussagen beisteuern werden, während der Rest mehr oder weniger eine „Freakshow“ abliefern, an meine Rolle als Zuseher. Aber ich wurde überrascht, zumindest teilweise.

Heide Schmidt lieferte die beste Performance. Sie argumentierte gut und „treffsicher“ und antworte auch auf die „Causa Zach“ gut, indem sie einerseits zugab, dass es ein Problem für das LiF sei (da das LiF höhere moralische Ansprüche an sich stellt, als die anderen Parteien), andererseits aber betonte, dass Zach kein Lobbying betrieben habe, und man in der Eurofighter-Causa doch viel eher fragen müsse, warum die ÖVP und BZÖ einen Vertrag mit EADS unterschrieben haben, aus dem man nicht aussteigen kann.

Fritz Dinkhauser überraschte mich. Er argumentierte sachlich und verstand sich über weite Strecken mit Heide Schmidt gut. Etwas merkwürdig war, dass er beinahe jedes seiner Statmentes mit einer Zustimmung zu den Aussagen seiner Kontrahenten begann. Sonst nahm er sich zurück und fiel wie auch Heide Schmidt nicht durch Zwischenrufe auf.

Das trifft auch auf Mirko Messner zu, der stellenweise Probleme sehr gut analysierte (zB Verteilungsgerechtigkeit), dann aber den „kommunistischen Hammer“ auspackte und Robin Hood spielte.

Im Stil ganz anders, in der Sache teilweise aber überraschend gut, trat Wilfried Auerbach auf. Anfangs hatte er wenig zu sagen, außer dass er ein Bürger von einer Bürgerbewegung sei. Bald zauberte er eine CD aus dem Hut, auf der RETTÖ angeblich Aussagen von BMI Fekter mitgeschnitten hat, die belegen dass nach den Wahlen bereits ein massives Belastungspaket fix beschlossen sei. Die CD durfte beim ORF nicht vorgeführt werden, Auerbach kündigte aber an, man werde die Inhalte via Homepage zugänglich machen. Außerdem behauptete er, dass junge Wahlhelfer des LiFs Bürger für ihre Unterschrift auf einer Unterstützungserklärung (die das LiF sammeln musste, um kandidieren zu können) bezahlten. Das führte dazu, das Heide Schmidt ziemlich um ihre Fassung ringen musste, sich scharf distanzierte, und laut über eine Klage nachdachte. Hätte ich an ihrer Stelle aber wohl auch nicht anders gemacht.

Im letzten Drittel fiel Auerbach vor allem durch Zwischenrufe auf, womit er es zumindest schaffte, mit einem Abstand von 4 Minuten die meiste Redezeit aller Teilnehmer zu erkämpfen. Die erwartete „Freakshow“ lieferte nur Alfons Adam von den Christen ab. Einerseits wirkte er in der Sache unsicher bis ahnungslos, andererseits haben seine Lösungsansätze, wie ich meine zu recht, zu heftigem Kopfschütteln (und mildem Lächeln bei Heide Schmidt) geführt. Er hätte die Frauen gerne am Herd, und möchte nur Familien (das ist Vater-Mutter-Kind) entlasten. Auf Argumente von Mirko Messner konnte er letztlich nur erwidern, dass die Christen die Wahrheit vom Menschen haben.

Inhaltlich hatte die Diskussion nichts neues zu bieten. Dennoch hat sich meine Meinung von Fritz Dinkhauser verbessert. Sollte er, wie es momentan aussieht, nichts in Parlament kommen, dürfte das wohl großteils wirklich daran liegen, dass er medial einfach nicht genug vorkommt, um seine Inhalte (ist gleich seine Person) zu transportieren. Irgendwie schade, würde der ÖVP sicher gut tun…

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3 comments

  • ist schon schlimm, dass herr adam für sich in anspruch nimmt, für alle christen zu sprechen. ich finde die meisten seiner aussagen einfach nur jenseitig. deswegen bin ich gespannt, wie viele von DIESEN christen es hierzulande gibt …

  • „Im Stil ganz anders, in der Sache teilweise aber überraschend gut, trat Wilfried Auerbach auf.“
    Eine Erläuterung dieses Satzes würde mich brennend interessieren! Ich sah in Auerbach jemanden der weder die Grundregeln der Kommunikation beherrscht, noch substanziell mehr Programm als die Christen zu bieten hat. Was bei den Christen die Familie (positiv) ist, ist bei Auerbach die EU (negativ). Zu sämtlichen anderen Themen hatte er ähnlich wenig Vorstellungen oder Ideen wie Adam. Hundertfach zu betonen, dass „die Bürger alle Politiker satt“ haben, ersetzt ein Programm in meinen Augen nicht wirklich.

  • Naja, mit im Stil ganz anders meinte ich sein Dazwischenrufen, das vor allem am Ende, trotz eindeutigem Vorsprung an Redezeit um Verschwörungsfantasien angereichert wurde. Vielleicht etwas zu freundlich formuliert. Inhaltlich hatte ich mir eine Vorstellung auf der Ebene von Herrn Adam erwartet, da ich, wie du,die beiden Parteien gleich „eingeschränkt“ finde. Allerdings machte er auf mich inhaltlich einen besseren Eindruck. Anfangs sagte er Dinge, die inhaltlich richtig sind (soweit ich mich erinnere) bzw. Sinn ergaben, und nicht nur wirre Phrasen wie „Kinderkrippe = Kindesmissbrauch“ uä…

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