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May 14 2011

Zur ÖH-Wahl 2011: Mein VSStÖ

Posted by Admin
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In 10 Tagen beginnt die 3tägige ÖH-Wahl 2011, und plötzlich stehen die Fraktionen im Rampenlicht. So auch der SPÖ-nahe Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ), bei dem ich seit 2009 Mitglied bin. Warum bin ich beim VSStÖ aktiv? Diese Frage ist nicht ganz so schlimm wie “Warum bin ich bei der SPÖ?”, verdient aber trotzdem Aufmerksamkeit und Gedanken.

Entscheident war der Zufall. Als ich Ende 2006 entschieden hatte, es mit hochschulpolitischer Aktivität zu versuchen, reagierte nur der VSStÖ Graz auf meine Kontaktaufnahme, GRAS (Grüne) und KSV (KPÖ) nicht. So kam es, dass ich ihm ÖH-Wahlkampf 2007 vom VSStÖ “verheizt” (und gleichzeitig von seiner damaligen Ideologielosigkeit abgeschreckt) wurde. Das reichte, um mich erst einmal vom Verband zu entfernen. Doch ganz riss der Kontakt nicht ab, und je näher die ÖH-Wahl 2009 kam, desto näher kam ich wieder dem VSStÖ. Nach moderatem Einsatz im Wahlkampf wurde ich für den VSStÖ auf der ÖH Uni Graz, wo der Verband erstmals seit langem wieder in der Exekutive vertreten ist (in einer Koalition mit GRAS und Aktionsgemeinschaft (ÖVP)), Sachbearbeiter im Sozialreferat. Und auch gleich Mitglied des VSStÖ.

Das zur Geschichte. Natürlich hätte ich jederzeit aufhören oder die Fraktion wechseln können. Der Zufall von 2006 war ein Wink, nicht mehr. Meine politische Sozialisation war eine sozialdemokratische, das spielt, bei aller Selbstreflexion, eine nicht zu unterschätzende Rolle. Nachdem ich voll in den VSStÖ integriert war, was erst im Laufe des Jahres 2009 passierte, trug ich lange brave meine “Fraktionsscheuklappen”, so dass sich die Frage, ob ich bei der richtigen Fraktion bin, gar nicht stellte. Ich wusste ja, “wir” sind die Guten, der Rest ist im besten Fall unfähig.

Menschen statt Fraktionen
Mit der Zeit aber saßen die Scheuklappen locker, und mein politischer Ehrgeiz verflog. Ich redete nicht mehr mit anderen ÖH-Fraktionen, sondern mit Menschen. Das macht einen großen Unterschied. Faszinierend ist, wie oft die Gesprächssituation dadurch für das Gegenüber völlig unverständlich oder verwirrend wird. Das ist ein erschreckendes Symptom des Paralleluniversums, dass die ÖH Uni Graz (vermutlich auch jede andere ÖH, aber ich kenne eben nur die eine) bildet. Inzwischen bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich es nicht mehr aushalte, Menschen nach Fraktionen zu unterscheiden. Gesprächssituationen in denen das passiert (und man rutscht nur allzu leicht in dieses Verhaltensmuster), gibt es häufig, und jedes dieser Gespräche führt mich ein Stück weiter von “der ÖH” weg.

Mit der größeren Distanz und ohne die Scheuklappen war mir aber auch klar, dass der VSStÖ keineswegs makellose Arbeit leistet, und dass die anderen Fraktionen keineswegs Zusammenschlüsse von unfähigen oder bösartigen Menschen sind. Zumindest nicht alle. Und weil ich trotz allem ein politischer Mensch bin, stellt sich dadurch die Frage “Warum VSStÖ?” erneut.

Warum VSStÖ?
Ein Ausschlussverfahren schafft Abhilfe. In Graz gibt es an aktiven Fraktionen die Aktionsgemeinschaft, die GRAS, den KSV, den VSStÖ, die Fachschaftsliste (FLUG), die NSDA den RFS und die Veritas (eine mit den libertären JuLis verbundene Liste). Scheide ich ganz grob ideologisch aus, fallen Rechtsaußen (RFS), bürgerlich/reaktionär (Aktionsgemeinschaft, GRAS), neoliberal/libertär (Veritas) und vollkommen beliebig (Fachschaftsliste) weg. Legt man bei den verbliebenen Fraktionen den “Demokratie ist gut, Stalin schlecht”-Filter an, bleibt nur mehr der VSStÖ übrig.

Der VSStÖ hat ohne Zweifel Schwächen und ideologischen Ungereimtheiten. Aber der kleinste gemeinsame Nenner, der aus dem Verband eine Fraktion macht, ist der für mich entscheidende Schwerpunkt. Wenn der VSStÖ im Wahlkampf sagt “Wir sind die einzige Fraktion, die Politik und Service verbindet”, dann ist das auch so gemeint. Der VSStÖ wird den gesellschaftspolitischen Zielen, für die etwa die GRAS die ÖH instrumentalisiert, nie etwas in den Weg legen, er teilt sie ja in der Regel. Aber die Mitglieder des VSStÖ sind meist eher in der tatsächlichen ÖH-Arbeit – Beratung, Broschüren erstellen, Studierende informieren, mit der Uni verhandeln, die interne Organisation der ÖH am Laufen halten, etc. – tätig. Weil das der erste und eigentliche Zweck der ÖH ist.

Wenn der VSStÖ im Wahlkampf sagt “Wir setzten unseren Schwerpunkt auf Soziales, und das schon lange”, dann stimmt das. Ohne den VSStÖ hätte es z.B. an der ÖH Uni Graz keine Erhöhung des Sozialtopfes (eine Notfallunterstützung für Studierende) und keine Ausweitung des BezieherInnenkreises gegeben. Das ist etwas das mir wirklich sehr am Herzen lag und auf das ich sehr stolz bin. Ich bin im Sozialreferat für den Sozialtopf zuständig, und kenne daher die Menschen, die allen Klischees von jungen Familien oder AlleinerzieherInnen in Not entsprechen, die ich andernfalls hätte wegschicken müssen. Deren absolut begründete Ansuchen ich andernfalls hätte ablehnen müssen. Weil das Geld verbraucht wäre. Oder die Richtlinien veraltet, zu restriktiv oder einfach idiotisch gestaltet sind. Dass dies nicht der Fall ist, dass sich das geändert hat, ist ein Verdienst des VSStÖ Graz. Und deshalb bin ich beim VSStÖ.

Tags: Aktionsgemeinschaft, Demokratie, Fachschaftsliste, Fachschaftslisten, Gemeinschaft, Geschichte, GRAS, Ideologie, KPÖ, KSV, ÖH, ÖH-Wahl, ÖH-Wahl 2011, ÖVP, RFS, SPÖ, Uni, Uni Graz, VSStÖ, Wahlkampf
 

Comments (8)

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  1. Christopher, May 14, 2011
    Besserer Titel wäre gewesen: Thomas & VSStÖ - Eine tragische Liebesgeschichte mit Happy End. Reply
    • Thomas Knapp, May 14, 2011
      Verschrei 's mal nicht... Reply
  2. David, May 15, 2011
    Sei mir net bös Thomas, aber das ist ein reiner Wk-Prop-Artikel. Die "Scheuklappen" vorgeblich abzulegen und dann ein Pamphlet gegen die "nicht wirklich linken" Fraktionen zu schreiben ist echt schwach. Was ist denn so "bürgerlich" an der GRAS, was so "stalinistisch" am KSV und was so "beliebig" an der FLUG - und VOR ALLEM: Die Veritas-JuLis sind LIBERTÄR??? Kingt in ersteren Fällen eher nach Denunziation als inhaltlicher Auseinandersetzung. Scheinbar sitzen die Scheuklappen doch nicht allzu locker... Reply
    • Thomas, May 15, 2011
      Lieber David, "nicht wirklich links" kommt in dem Text nicht vor. Und was genau diesen Eintrag zu inem "Pamphlet" gegen etwas macht, musst du mir bitte erklären. Was aber wirklich arg ist - und weshalb ich im ersten Moment nicht geglaubt hab das der Kommentar wirklich von dir ist, bis ich ihn auch auf Facebook sah - ist dass du das Wort "Denunziation", das ja jetzt wirklich nicht unbelastet ist und dass durchaus Kontext schafft, für eine Kritik verwendest die wirklich nichts mit einer Denunziation zu tun hat. Willst du mir ernsthaft erklären, dass die GRAS kein Teil der grünen Bewegung, die eine zutiefst bürgerliche ist, sei? Dass es nicht fragwürdig ist, bei Demos mit Stalin-Transparenten aufzutauchen? Dass die FLUG, so sehr ich ihre Arbeit schätze, eine Ideologie hat? Und was ist bitte an den JuLis nicht libertär (die Veritas an sich ist eher konservativ, das stimmt, aber deshalb sag ich ja JuLis dazu)? Reply
  3. David, May 15, 2011
    Lieber Thomas, auch wenn ich deine Artikel ansonsten schätze, aber das was du da schreibst quillt von Vorurteilen und Schubladisierungen nur so über, mit der beabsichtigten oder unbeabsichtigten Konsequenz, dass für kritisch-"Linke" nur der Vaust wählbar erscheint. Zum Begriff "Denunziation", welchen ich in voller Absicht verwende, weil die Darstellung der anderen Fraktionen in abwertender Art und Weise (GRAS=reaktionär, KSV=stalinistisch,...) darauf schließen lässt, dass du dir davon versprichst, die "eigene" Fraktion/Position vorteilhaft darzustellen - und das zufälligerweise am Ende des Wahlkampfes. Das ist kein sachlich-kritischer Artikel, sondern ein Pamphlet - die Polemik wirst du wohl hoffentlich nicht leugnen. Abgesehen davon, dass ein "Links-Rechts"-Denken mehr verwirrt als darstellt ist die Bezeichnung "bürgerlich" in der politischen Auseinandersetzung meist kaum mehr als ein Kampfbegriff. Statt zu analysieren, wofür die politischen Gruppierungen stehen versiehst du die Fraktionen mit Etiketten. Statt die parteipolitische Brille abzulegen machst du genau das, was du anfangs behauptest nicht mehr tun zu wollen. Statt die politischen Aktivitäten zu analysieren kommen platte Stereotype. Ich bin auch der Meinung, dass es AktivistInnen beim KSV (Graz) gibt, die durchaus mit stalinistischen Ideen und Stalins Politik sympathisieren, aber bei weitem nicht alle und ich hab auch das Gefühl, dass die Stalos in der Minderheit sind. Die FLUG gibt sich ideologielos, was für eine politische Gruppe/Liste jedoch ein Widerspruch in sich ist. Auch die FLUG hat Forderungen wie Antidiskriminierung, gegen Zugangsbeschränkungen/Studiengebühren, sehen andererseits (St. Thum) die universitäre (Aus-)Bildung als ökonomische Investition. Außerdem erkennen die FL nicht, dass gesellschaftliche Machtverhältnisse/Strukturen auch das universitäre Feld durchziehen. Für mich sind sie deshalb eine liberal-konservative Fraktion, die kontroverse Themen (Rassismus, Sexismus,...) möglichst auszuklammern versucht unter dem Deckmantel von "Service" & Gremienarbeit - ähnlich wie die AG, die sich aber klar konservativer und "leistungsorientierter" (im Sinne von neoklassischem Wirtschaftsdenken) positioniert mit stark polit-katholischem, männerbündlerischem Einschlag. Zur GRAS: hier funktioniert die Kategorisierung "bürgerlich"-"proletarisch" am Wenigsten, geht die Grüne Bewegung doch wesentlich auf die 68er zurück und auf Strömungen, die in den 1970ern aufkamen, v.a. Neue Feminismus, Besetzungsbewegung, BürgerInneninitiativen, Anti-AKW,... Die "Bewegung" ist nicht geschlossen würde ich aber als systemkritisch (bezogen auf den Kapitalismus), Ablehnung gegenüber Hierarchien, Personalisierungen, also basisorientiert bezeichnen. Bei der GRAS finden sich ökologisch bewegte (bis hin zu TierrechtsaktivistInnen), wie auch anarchistisch bzw. libertär (im richtigen Gebrauch) kommunistische AktivistInnen (Eigenbezeichnung "Linksradikale"), wie auch liberale, die weniger Probleme mit dem kapital. "Leistungsgedanken" als mit Rassismus, Nationalismus, Antisemitismus oder Faschismus haben. Gemeinsam ist ein egalitärer Zugang zur Gesellschaft bzw. in weiterer Folge beim Zugang zur Bildung (antielitär), was den Kampf für die Anliegen der Frau bzw. Überwindung patriarchaler Machtverhältnisse einschließt. Ideologisch ist die GRAS (in einem recht-links Schema) ganz eindeutig "links" zu sehen und in vielem radikaler als sozialdemokratische oder sozialistische Organisationen. Was die Zusammensetzung betrifft finden sich kaum AktivistInnen aus der (Industrie-)ArbeiterInnenschaft, was im universitären Milieu aber die Regel als die Ausnahme darstellt. Dass die "Grüne Partei" aber auch NGOs (Greenpeace, Amnesty, Attac, Global 2000,... - alle Problematiken dieser Orgs mal hintangestellt) oder BürgerInneninitiativen sich kaum aus dem LohnarbeiterInnenmilieu kommen erklärt sich über deren Geschichte. Sie aber ohne nähere Erläuterung pauschal als "bürgerlich" zu bezeichnen ist irreführend, weil "bürgerlich" als Begriff im "linken" Politsprech mit "Bourgeoisie", "herrschende Klasse" o.ä. assoziiert wird. So, das wär's fürs Erste... Reply
  4. Thomas Knapp, May 15, 2011
    Lieber David, das ist ein überaus interessanter Kommentar. Ich komm grad von meinem Dateneingebjob, weshalb meine Konzentrationsfähigkeit grad nicht gut genug für eine Antwort ist (die folgt), aber falls du das noch ein bisschen ausformulieren möchtest, könnte ich das gern als eigenen Artikel veröffentlichen, damit deine Kritik die gleiche Aufmerksamkeit bekommt wie der Eintrag auf den sie sich bezieht. Reply
  5. David, May 15, 2011
    Würd mich freuen. Reply
  6. Stefan, June 24, 2011
    dieser artikel ist spitze, um es einmal objektiv zu sagen. ich hab deinen ellenlagen kommentar, david, nicht fertig gelesen, denn was du ansprichst (gras so, ksv so, etc.) ist genau die schubladisierung, die thomas kritisiert. mir ist so wurscht, wie man die fraktion xy apostrophieren kann, wenn die leute passen, dann arbeite ich zusammen, und wenn die aktuell agierenden personen der fraktion xz - obwohl sie als vorbildlich links-liberal zu bezeichnen wären - menschlich einen schuss haben, dann kann ich eben nicht mit ihnen zusammenarbeiten. Reply

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