Heute gaben Julian Assange and Kristinn Hrafnsson von Wikileaks eine Pressekonferenz in London. Ebenfalls dabei war Bernd Fix von der Wau Holland Stiftung, die seit 2009 zentraler Spendensammler für Wikileaks war. Assange gab einen kurzen Rückblick auf die Probleme mit denen Wikileaks seit Ende 2010 konfrontiert ist, das bezieht sich vor allem auf die Blockade der Spendenmöglichkeiten an Wikileaks durch Visa/Mastercard, Paypal und andere. Diese Blockade ist seit 10 Monaten unverändert aufrecht.
Hrafnsson präsentierte die Schätzung, dass Wikileaks dadurch um bis zu 90 % weniger Spenden erhalten habe, als im Jahr zuvor. Rechnet man von den letzten 24 Stunden vor der Blockade hoch, würde dies bedeuten dass Wikileaks 15 Millionen $ entgangen sind. So erwartet man nun 70.000 $ für das Jahr 2011, sollte die Blockade aufrecht bleiben. In den letzten Monaten wurde auf Geldreserven zurückgegriffen, die sich nun aber dem Ende zuneigen. Daher wurde heute bekanntgegeben, dass Wikileaks ab sofort seine Veröffentlichungen einstellt, und alle verfügbaren Mittel auf die Bekämpfung der Blockade auf dem Rechtsweg konzentrieren wird.
Wikileaks Anwälte haben in verschiedenen Staaten begonnen, gegen die Blockade vorzugehen. Im Juli hat man sich an die EU-Kommission gewandt, deren Entscheidung darüber, ob sie ein Verfahren einleitet, für Mitte/Ende November erwartet wird. Hoffnungen scheint man vor allem auf Europa und die EU zu setzen, immerhin geschieht die Blockade ohne rechtliche Grundlage und wird von großen US-Konzernen (auf angeblichen politischen Druck aus Washington) aufrecht erhalten.
Assange betonte, dass Wikileaks am Ende des Jahres seinen Betrieb nicht weiter aufrecht erhalten könne, sollte die Blockade bestehen bleiben. Wikileaks Stärke war dass man 50.000 bis 100.000 KleinspenderInnen als Basis hatte, die durchschnittliche Spende betrug ca. 25 $. Nun will man sich direkt an wohlhabende Individuen aus verschiedenen Ländern wenden. Außerdem hofft man, durch zusätzliche Spendenmöglichkeiten (z.B. per SMS aus einigen Ländern) wieder mehr Kleinspenden zu bekommen. Der Finanzbedarf wurde mit 3.5 Millionen Euro für die nächsten 12 Monate beziffert.
Neben den Finanzen hat Wikileaks auch an anderen Fronten zu kämpfen. Unter anderem musste eine Möglichkeit Dokumente einzusenden offline genommen werden und die Einsicht, dass es keine sicheren Sicherheitszertifikate gibt, verdaut werden. Laut Assange seien Geheimdienste in sämtliche Organisationen die Zertifikate vergeben eingedrungen. Es gibt zur Zeit kein sicheres System, Daten über das Web einzureichen. Mit diesem Problem sind auch Medien konfrontiert, die eine Wikileaks nachempfundene Einreichmöglichkeit anbieten (z.B. das Wallstreet Journal) oder angeboten haben (z.B. AlJazeera, dass diese Möglichkeit offline genommen hat, um sie zu überarbeiten). Daher kündigt Wikileaks für den 28. November die nächste Pressekonferenz an, bei der man ein neues, sicheres System vorstellen will.
Informationen zu den verbliebenen Möglichkeiten an Wikileaks zu spenden, finden sich hier.


Da wird mal wieder deutlich, wenn die Politik nicht weiter kommt, wird einfach der Geldhahn zugedreht
Da es ja auch noch zahlreiche andere Möglichkeiten gibt, Geld zu spenden, kann es wohl nicht alleine an der völlig inakzeptablen Blockade durch die paar Geldinstitute liegen.Es gibt ja noch genug Alternativen …
http://shop.wikileaks.org/donate