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	<title>Feuerhaken.org &#187; Rechtsextremismus</title>
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		<title>Den Anfängen ist nicht mehr zu wehren…</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Feb 2011 09:01:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bestrebungen Europas Rechtsextreme zu vernetzten gibt es seit 1945. Doch in den letzten Jahren haben die Bemühungen neuen Schwung erhalten. Aus Österreich. <a href="http://feuerhaken.org/den-anfaengen-ist-nicht-mehr-zu-wehren/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Bestrebungen Europas Rechtsextreme zu vernetzten gibt es seit 1945. Doch in den letzten Jahren haben die Bemühungen neuen Schwung erhalten. Aus Österreich.</em></p>
<p>April 1942. Das nationalsozialistische Deutschland hat seine größte Ausdehnung erreicht. Im Norden grenzte es an Dänemark, im Nordosten und Osten an die Sowjetunion, im Südosten an die Erste Slowakische Republik sowie Ungarn und Kroatien, im Süden an Italien, das Fürstentum Liechtenstein und die Schweiz im Südwesten an Frankreich, im Westen an Belgien und im Nordwesten an die Niederlande. Davon waren alle außer Italien, Liechtenstein, der Schweiz und Teilen der Sowjetunion von deutschen Truppen besetzt. Die Slowakei war zum Vasallenstaat gemacht worden. Spanien, Portugal und Italien hatten ihre eigenen Diktaturen. Der Faschismus hatte sich in Europa breit gemacht, den Kontinent in einen 6 Jahre dauernden Krieg geführt und furchtbarste Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen.</p>
<p>Eines der wenigen Länder die nicht besetzt wurden oder sich mit NS-Deutschland verbündeten, war Schweden. Trotz offizieller Neutralität unterhielt man enge und lukrative Handelsbeziehungen mit NS-Deutschland und belieferte die Wehrmacht bis kurz vor Kriegsende mit dringend benötigtem Erz. Am 12. Mai 1951 fand in Malmö der erste „europäische Nationalkongress“ statt. 60 Delegierte aus zehn Nationen diskutierten die Schaffung eines europäischen rechtsextremistischen Netzwerkes. Daraus wurde nichts. Vorerst.</p>
<p>März 2011. In ganz Europa finden sich politische Bewegungen, die bereit sind, das Erbe des Faschismus anzutreten, die seine Politik wieder aufnehmen und seine Protagonist_innen zu Held_innen verklären wollen. Ungarn, Polen, Italien, Schweden. In immer mehr Ländern feiern rechtsextreme Parteien Achtungserfolge. In anderen Ländern, wie Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Österreich ist rechtsextremes Gedankengut schon fixer Bestandteil der etablierten Parteienlandschaft.</p>
<p>Im Umfeld dieser Parteien, im Schatten ihres gemäßigten Rechtspopulismus, entstehen immer neue Gruppen, die auf Islamfeindlichkeit, Antiglobalisierung und Nationalismus bzw. Regionalismus setzten. Diese Gruppen sind stark in der Anwendung moderner Kommunikationsmethoden und haben im Web längst ein „Netz im Netz“ errichtet, eine „Parallelgesellschaft“ mit eigenen Foren, eigenen Blogs, eigenen Newsseiten, einer Entsprechung für Wikipedia, uvm. Die internationale Vernetzung der Rechtsextremen ist so eng wie nie. Und Österreich ist mitten drin.</p>
<p><strong>Islam, „Überfremdung“ und die EU</strong></p>
<blockquote><p>„Wenn irgendwo in Europa rechtsextreme Netzwerke geknüpft werden, dann ist die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) in aller Regel nicht weit.“</p></blockquote>
<p>schreibt Carsten Hübner, ehemaliger Politiker (PDS) in Deutschland. Im Oktober 2010 luden FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und „Chefideologe“ Andreas Mölzer zu einer &#8220;Konferenz etablierter Rechtsparteien“, wie sie es nannten, nach Wien. Vertreten waren unter anderem der belgische Vlaams Belang, die italienische Lega Nord, die Schwedendemokraten, die Dänischen Volkspartei und die Slowakische Nationalpartei. Nicht dabei waren hingegen Jobbik (Ungarn), Ataka (Bulgarien) und der französische Front National. Allerdings nicht, weil man sich von diesen Parteien distanziert. Mölzer betonte in den Medien die „guten bis freundschaftlichen Kontakte zum Front National oder zu Ataka“. Bei einem ähnlichen Treffen im Jänner 2008, ebenfalls von der FPÖ in Wien organisiert, waren Ataka und Front National neben dem Vlaams Belang vertreten gewesen.</p>
<p>Auch zur ungarischen Jobbik ist keine Abgrenzung bemerkbar. Der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Johannes Hübner hielt bei deren Wahlkampfauftakt am 16. Jänner 2010 in Budapest eine Rede. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Oberste Gerichtshof in Budapest bereits das Verbot der paramilitärischen „Ungarischen Garde“, die uniformierte Partei-Miliz von Jobbik, bestätigt.  Das Erscheinungsbild der Garde gleicht dem der von 1944 bis 1945 in Ungarn regierenden faschistischen Pfeilkreuzler. Die Aufmärsche und Aktionen der Garde richteten sich vor allem gegen die Roma-Minderheit. Die „Neue Freie Zeitung“ meldete, obwohl es nach Hübners Rede zu Protesten kam, am 21. Januar 2010, dass Strache eine Jobbik-Delegation in Wien empfangen habe. Ziel sei es gewesen, die „Zusammenarbeit zu vertiefen“ und „weitere Tätigkeiten zu besprechen“.</p>
<p>Beim Wiener Treffen 2008 nannte Strache eine Vereinigung der &#8220;patriotischen Kräfte&#8221; Europas zur &#8220;Rettung des europäischen Abendlandes&#8221; vor &#8220;Islamisierung&#8221; und &#8220;Massenzuwanderung&#8221; als Ziel. 2010 waren wichtigsten Anliegen der Konferenz laut Mölzer &#8220;Widerstand gegen Islamisierung, gegen Massenzuwanderung, gegen Demokratiedefizite wie es sie durch das Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon gibt“.</p>
<p>Die gemeinsamen Nenner der Rechtsextremen in Europa: Islam, „Überfremdung“ und die EU. Paradoxerweise zielt die Vernetzung gerade auf die Strukturen letzterer ab. 2007 kam es zum ersten Versuch eine Fraktion im Europaparlament zu gründen: die „Identität, Tradition, Souveränität“ (ITS). Wichtigster „Strippenzieher“ auf europäischer Ebene war damals wohl Andreas Mölzer.</p>
<p>Die Vorbereitung der ITS begann aber bereits zwei Jahre früher. Und wie könnte es anders sein, man traf sich auf Einladung der FPÖ in Wien. Vlaams Belang, Front National, Ataka, die rumänische Partidul Romania Mare sowie die italienischen Neofaschisten der Alternativa Sociale und des Movimento Sociale – Fiamma Tricolore nahmen an der Tagung teil.</p>
<p>Die ITS zerbrach schon im November 2007 an internen Streitereien. Eine „internationale Nationale“ gibt es vorerst weiter nur in Konzepten der FPÖ. Auch die Europawahl im Juni 2009 änderte daran nichts. Zur Gründung einer EP-Fraktion werden 25 Parlamentarier_innen aus sieben Ländern benötigt. Doch auch nach der Wahl sind nur knapp 20 Abgeordneten rechtsextremer Parteien (u.a. Vlaams Belang, FN, Jobbik, British National Party) im EU-Parlament vertreten.</p>
<p><strong>Ausgerechnet Deutschland </strong></p>
<p>Der Aufbau einer europäischen Rechtsaußenformation ohne deutsche Beteiligung ist wenig sinnvoll und eigentlich kaum vorstellbar. Historische, aber vor allem auch realpolitische Gründe, sprechen dafür dass das Fehlen einer deutschen Rechtsaußenpartei ein großes Problem für die Vernetzungsbestrebungen darstellt.</p>
<p>Als bevölkerungsreichstes EU-Land und „Wirtschaftsmotor“ der Union hat Deutschland in der EU ein besonders politisches Gewicht. Doch gerade hier in der Bundesrepublik kann die extreme Rechte, von regionalen Ausnahmephänomenen abgesehen, keine Wahl- oder Etablierungserfolge vorweisen, die sich mit denen rechtsextremer Bewegungen in den meisten anderen europäischen Ländern messen könnten.</p>
<p>Alles rechts der CDU/CSU, von Versuchen nationalsozialistische Parteien zu gründen über die NPD bis zu militanten Neonazi-Kameradschaften ist derzeit organisatorisch unterentwickelt und weder finanziell noch personell nahe daran eine kritische Masse zu erreichen. Einmalige und nicht andauernde Wahlerfolge der Statt-Partei und des Hamburger Richters Ronald Schill sowie Erfolge der NPD auf Landesebene könnten dennoch auf durchaus vorhandene (Wähler_innen-)Potenzial in diesem Spektrum verweisen.</p>
<p>Dennoch: Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern konnte sich in Deutschland de facto keine rechtsextreme Partei dauerhaft auf nennenswertem Niveau etablieren. Mitverantwortlich dafür ist wohl das Selbstverständnis eine streitbare Demokratie zu sein, wie aus dem Grundgesetzt hervorgeht. Die Selbstverteidigung der Demokratie setzt in Deutschland viel früher ein als anderswo, und daher werden rechtsextreme Aktivitäten so konsequent wie in kaum einem anderen Land strafrechtlich verfolgt.</p>
<p><strong>Die FPÖ als Entwicklungshelferin</strong></p>
<p>Deutschland darf kein weißer Fleck auf der Landkarte der geeinten Rechtsextremen bleiben. Die Bemühungen, vorhandene Kleinstgruppen zu stärken, gibt es seit Jahren. Die FPÖ und der Vlaams Belang unterstützen die nationalkonservativen Republikaner und die rechtspopulistische „Pro Bewegung“. Bei Wahlkämpfen genauso wie bei „Großveranstaltungen“ wie den zwei „Anti-Islamisierungskongressen“ 2008 und 2009 in Köln.</p>
<p>Am 17. Jänner 2008 wurde in Antwerpen die „Achse Antwerpen- Köln-Wien“ besiegelt. Vlaams Belang, FPÖ und die „Pro-Bewegung“ gründeten die kommunalpolitisch ausgerichtete „Städte- Allianz gegen Islamisierung und Überfremdung“. Nur zwei Tage später, am 19. Jänner 2008 wurde die „länderübergreifende rechtsdemokratische Kommunalpolitiker-Plattform Euroregionale Kommunal“ gestartet. Neben dem Vlaams Belang und der FPÖ waren dieses Mal die Republikaner mit an Bord.</p>
<p>Im selben Jahr erreichte die FPÖ bei den österreichischen Nationalratswahlen 18 % der Stimmen. Heute liegt sie in Umfragen gleichauf mit den Regierungsparteien SPÖ und ÖVP. Für die Wahlen 2013 hat Strache Platz 1 und den Posten des Bundeskanzlers als Ziel vorgegeben. Er wäre damit der erste Regierungschefs Europas aus diesem Netzwerk und zugleich der erste Regierungschef Europas mit Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut seit 1945.</p>
<p>Am 8. Mai 1945 endete der 2. Weltkrieg in Europa. Er kostete 60 Millionen Menschen das Leben. Weit mehr Menschen verloren dadurch Heim, Hab und Gut und geliebte Angehörige. 13 Millionen Menschen wurden Opfer deutscher Massenverbrechen, darunter 6 Millionen jüdische Opfer des Holocaust. Der Faschismus hat seine Fratze gezeigt und ein nie dagewesene Katastrophe über die Menschheit gebracht.</p>
<p>Heute ist den Anfängen nicht mehr zu wehren. Es hat längst begonnen, wenn es jemals aufgehört hatte. Der Faschismus kriecht zurück ans Tageslicht. Selbst wenn Nazis heute unter anderen Namen auftreten, sie Rechtsextreme oder Rassist_innen genannt werden, so ist eines klar: der heutige Rechtsextremismus ist Neofaschismus und damit Fortführung derselben menschenverachtenden Ideologie wie vor 70 Jahren. Der Widerstand gegen Faschismus ist immer notwendig. Er darf kein Ablaufdatum haben.</p>
<p>Doch von Widerstand gegen die Rechten ist im Moment wenig zu spüren: Anbiederung hier, Verharmlosung da, Zusammenarbeit dort. Der rechte Rand ist schon längst in der Mitte angelangt. Die Feindbilder des Neofaschismus werden ebenso unreflektiert übernommen wie dessen Ideale.</p>
<p>Faschismus zu bekämpfen, ist eine wichtige staatliche Verantwortung und kann nicht nur an Schulen und NGOs delegiert werden. Nationalsozialistisches Gedankengut soll erst gar keinen Platz finden. Ausflüge nach Mauthausen sind dafür nicht genug, kulturelles und gemeinsames Lernen muss gelebt werden um dem Hass auf Dauer den Boden zu entziehen. Was wir gelernt haben sollten, fasste Heinrich Mann zusammen: „Der Faschismus erhält sich nur durch Krieg, aber er endet unfehlbar in Niederlagen.“</p>
<p><strong>Links:</strong></p>
<ul>
<li> &#8220;Eine Spinne in Europas braunem Netz&#8221; von Carsten Hübner</li>
<li> &#8220;Rechtsextreme aller Länder vereinigt euch – außer sie kommen aus Israel (über die Israel-Reise H.C.Straches und das neonazistische Entsetzen darüber)&#8221;. In: <a href="http://maydaygraz.wordpress.com/2011/01/26/enterhaken-19-out-now/">enterhaken #19</a></li>
<li> &#8220;<a href="http://www.vsstoe.at/fileadmin/user_upload/vsstoe-wien/broschueren/antifa-broschuere-komplett.pdf">Faschismus ankreiden</a>&#8221; (PDF). Broschüre des VSStÖ.</li>
</ul>
<p><em>Dieser Blogeintrag erscheint auch in der &#8220;Libelle&#8221;, der Zeitschrift der <a href="http://oeh.uni-graz.at">ÖH Uni Graz</a>.</em></p>
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		<title>Der „Duce“ ist tot, es lebe der Faschismus.</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Feb 2011 08:01:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach Mussolinis Tod und dem Ende des 2. Weltkriegs war der Faschismus in Italien schnell neu organisiert. Heute, 65 Jahre später, drängt er erfolgreich zurück an die Macht. <a href="http://feuerhaken.org/der-duce-ist-tot-es-lebe-der-faschismus/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Nach Mussolinis Tod und dem Ende des 2. Weltkriegs war der Faschismus in Italien schnell neu organisiert. Heute, 65 Jahre später, drängt er erfolgreich zurück an die Macht.</em></p>
<p>Benito Mussolini wurde am 28. April 1945 von Partisanen erschossen. Zu diesem Zeitpunkt war der ehemalige „Duce“ ein gebrochener Mann auf der Flucht. Am 30. April verübte Hitler Selbstmord, am 8. Mai endete der 2. Weltkrieg in Europa. Deutschland war besetzt, Italien auf der Seite der Siegermächte. Am 26. Dezember 1946 gründeten die überlebenden Faschist_innen Italiens den „Movimento Sociale Italiano“ (MSI). Der „Duce“ ist tot, es lebe der Faschismus.</p>
<p>Diese Kontinuität unterscheidet den italienischen Neofaschismus von deutschen (österreichischen) Neonazis und Rechtsextremen.</p>
<blockquote><p>„In Deutschland gab es ein kritisches Nachdenken darüber, wer die Nazis waren. Da gab es Einigkeit auch in der Frage von Scham und Schuld. In Italien ist das völlig anders. Hier hat man die Tatsache, dass die meisten Italiener für den Faschismus waren, als Beweis dafür genommen, dass er etwas Gutes war.“</p></blockquote>
<p>sagt Aram Mattioli, Professor für Geschichte an der Universität Luzern, dem <a rel="nofollow" href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1319302/">Deutschlandradio</a>.</p>
<p>Die übrigen politischen Parteien wandten sich vorerst von den Neofaschisten ab. So dümpelten sie Jahrzehnte am Rand der politischen Bedeutungslosigkeit, ohne einen Platz im etablierten Parteiensystem zu finden. Das änderte sich Anfang der 1990er Jahre. 1987 wurde Gianfranco Fini Vorsitzender. Er arbeitete darauf hin, den neofaschistischen MSI in die konservative Rechtsbewegung Alleanza Nazionale (AN) umzubauen. Antisemitismus und Faschismus-Nostalgie sollten der Vergangenheit angehören.</p>
<p>Die Wende wurde auch von der Fronte della Gioventù, der Jugendorganisation des MSI, mitgetragen. Dessen Vorsitzender war bis 1988 Fini selbst gewesen, ihm folgte Gianni Alemanno nach. Alemanno war zuvor mehrmals verhaftet worden, unter anderem in Zusammenhang mit einem tätlichen Angriff auf einen Studenten und einem Anschlag mit einem Molotowcocktail auf die sowjetische Botschaft. Kritik an Finis Wende kam von einem besonders prominenten Namen &#8211; Alessandra Mussolini, die Enkelin des „Duce“. Sie blieb der rückwärtsgewandte Gegenpol zu Fini in der AN, bis Fini 2003 Israel besuchte und den Faschismus als „Verkörperung des absoluten Übels“ verurteilte. Mussolini verließ die AN und gründete die mäßig erfolgreiche Alternativa Sociale.</p>
<p>Zu diesem Besuch war Fini vom israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon eingeladen worden. Wie kam ein Mann, der noch 1994 den „Duce“ als „größten Staatsmann des Jahrhunderts&#8221; pries, zu dieser Einladung? Er war zum Staatsmann geworden.</p>
<p>Als Fini den MSI übernahm, zerbrach nicht nur die Sowjetunion, sondern in der Folge auch die kommunistische Partei Italiens. Korruptionsermittlungen der Staatsanwaltschaft belegten mehrere Fälle von Bestechung und Stimmenkauf im Umfeld der langjährigen Regierungsparteien Democrazia Cristiana (DC) und der Sozialistischen Partei (PSI, Partito Socialista Italiano), was deren Ende einläutete. Das etablierte Parteiensystem Italiens war am Ende, der Weg frei für Silvio Berlusconis Rechtsbündnis Forza Italia, das 1994 die Parlamentswahlen gewann. Mit 13,4 % der Stimmen hatte Finis AN einen wesentlichen Anteil an diesem Erfolg.</p>
<p>Fini blieb Berlusconi auch treu, als diese Regierung 1996 zerbrach, und kam mit ihm 2001 zurück an die Macht und wurde stellvertretender Ministerpräsident. Ab 2004 wurde er Außenminister Italiens. Nachdem die Regierung 2006 die Wahlen verloren hatte, vereinigten sich AN und Forza Italia zum Popolo della Libertà. Ebenfalls mit dabei war die Alternativa Sociale, womit Gianfranco Fini und Alessandra Mussolini wieder Mitglieder derselben Partei wurden.</p>
<p>2008 kam das Bündnis erneut an die Macht. Nur zwei Wochen nach dem Sieg bei den Parlamentswahlen wurde mit Gianni Alemanno ein Neofaschist Bürgermeister der italienischen Hauptstadt Rom. Im Mai kam es zu „pogromartigen Ausschreitungen“ gegen Roma in Neapel, Barackensiedlungen gingen in Flammen auf. Der italienische Reformminister Umberto Bossi, Vorsitzender der Lega Nord, <a href="http://www.rp-online.de/panorama/ausland/Roma-Baracken-brennen_aid_568514.html">sagte</a> zu den Ausschreitungen: „Die Leute machen das, was die politische Klasse nicht fertig gebracht hat.“</p>
<p>Anfang 2010 kam es zu <a href="http://diepresse.com/home/panorama/welt/532217/Gewalt-gegen-Migranten_Italien-bastelt-Integrationsplan">rassistischen Unruhen</a> in der süditalienischen Kleinstadt Rosarno. 2000 afrikanische Migrant_innen, die auf den süditalienischen Feldern täglich bis zu 15 Stunden für 25 Euro arbeiteten, mussten fliehen. Als Reaktion rissen die lokalen Behörden Notunterkünfte der Geflohenen ab. Der italienische Innenminister Roberto Maroni lobte das Vorgehen der Behörden als beispielhaft und befand dass die Ursache für die Unruhen „Jahre falscher Toleranz&#8221; gewesen seien.</p>
<p>Zwei Beispiele von vielen für das politische Klima in Berlusconis Italien. Ein ausgezeichneter Nährboden für diverse neofaschistische Initiativen. Während die auf Benito Mussolinis Bewegung zurückgehende MSI sich aufgelöst undihre Spitzenkräfte in mächtige Positionen gebracht hat, entstehen im ganzen Land einschlägige Organisationen. Ungeniert können sie Flugblätter an Schulen verteilen, Konzerte organisieren, etc. Neofaschisten von „“Casa Pound“ gewinnen mit ihrer Kampagne für eine „soziale Wohnungspolitik“ an Zustimmung. Sie sehen sich nicht als Partei, und doch ist ihr Programm politisch – gegen Ausländer_innen, für Italiener_innen.</p>
<p>Aram Mattioli ist pessimistisch:</p>
<blockquote><p>&#8220;Italien im Moment ist im Stadium der Postdemokratie angekommen. Das heißt auch, dass die Zivilgesellschaft zunehmend schwächer wird. Und das ist eine beängstigende Entwicklung und ich würde sagen, das ist letztendlich eine Entwicklung mit offenem Ausgang. Es kann noch weiter runter gehen. Es kann natürlich, wenn es gut kommt, zu einer Reinigung kommen, allerdings sind die Vorzeichen dafür im heutigen Italien eher schlecht.&#8221;</p></blockquote>
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