Feuerhaken Politik Blog
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Posted Jul 10th, 2009 by thomas knapp    / Permalink /

Die Junge ÖVP Wien unter Obmann Sebastian Kurz, zugleich auch Bundesobmann der JVP, möchte das Sommerloch mit einer Sommerkampagne füllen. Gemeinsam mit Bundesminister und ÖVP-Wien-Vorsitzendem Johannes “Gio” Hahn präsentierte Kurz den Vorschlag, die U-Bahnen sollen in Wien 24/7 fahren. Die entsprechende Kampagne heißt “24 Stunden Verkehr!” und ist in guter JVP-Tradition klarerweise eine Anspielung auf Sex.1 Soweit, so billig, platt und einfallslos.2 Aber – es erregt Aufmerksamkeit. Vor allem bei den, zu meinem Bedauern, inhaltsarm in automatisierten Abläufen festhängenden Linken (siehe zB die Links in Fußnote 1).3 Den, die Kampagne hatte ursprünglich 3 Sujets. Neben diesem Plakat jvp_verkehr gab es auch noch den Mann und die Frau allein: jvp_Halbnackt Die rotgrüne WächterInnenrätin war sofort zur Stelle um die sexistische Kampagne zu ächten. Leider fehlt ihr noch die Kompetenz Sebastian Kurz für die Kampagne hinrichten zu lassen, aber das kommt sicher auch bald. Aber ernsthaft. Es geht klarerweise um das Sujet mit der halbnackten Frau. Eine vorgebrachte Kritik ist, dass es sich dabei um Sexismus handle, weil der Mann viel mehr anhabe als die Frau (A). Eine weitere ist die, dass das egal ist, da es jedenfalls die Menschen auf ihre Körper reduziere (B). Eine andere Erklärung für die Kritik sei, so zumindest Poster in diversen Foren, dass es bei den Linken nur hässliche Frauen gebe und wenn es nach denen gehe, dürfen nur noch Schwule und hässliche Frauen plakatiert werden (C). A und B sind miteinander insofern verbunden, als B A in einer gewissen Weise beinhaltet, nur ohne die Differenzierung. Jedenfalls ist B aber die “stärkere” Aussage insofern als es nicht um Geschlechterparität sondern um eine absolute Definition geht. C ist meine persönliche Lieblingserklärung, trifft aber wohl nur auf einige wenige zu. A und B aber benötigen einen konturlosen “erweiterten” Sexismus-Begriff um zuzutreffen. Allgemein könnte man unter Sexismus Diskriminierung oder Unterdrückung von Menschen allein wegen ihres Geschlechts verstehen. Aber, Wikipedia klärt auf, “Heute stehen verschiedene Definitionen von Sexismus nebeneinander.” Angeführt werden dafür a) dass “in der Psychologie Sexismus über „stereotype Merkmalszuschreibungen“ definiert” wird b) dass in der Soziologie “mehr der strukturelle Aspekt des Sexismus betont” wird. “Hier heißt es, dass Sexismus kulturell bedingt, institutionell verankert und individuell verinnerlicht sei.” c) dass im “Postfeministischen Diskurs” Sexismus viel weiter definiert werde. “Hier wird es bereits als Sexismus betrachtet von anderen zu erwarten oder zu verlangen, dass sie Geschlechternormen verkörpern.” Das ist nicht besonders hilfreich, da a) und c) sich nicht wirklich unterscheiden und b) keine Definition ist sondern eine Theorie der Genese des Sexismus andeutet. Die Definitionen kommen ohne weiteren Schaden der jemand zugefügt wird aus. Der Schaden ist der Sexismus an sich. Vor allem aber, so man Wikipedia Qualität beimisst (was ich, insbesondere bei der deutschen, so nicht unterschreiben würde), ist dies ein starkes Indiz dafür dass “Sexismus” tatsächlich ein konturloser Begriff ist der in seiner Beliebigkeit näher an der Sinnlosigkeit als an sonst was ist. Aber ok – ich kann niemand außer den Autoren die Wikipediadefinition vorwerfen. Wenn wir unter Sexismus Diskriminierung oder Unterdrückung von Menschen allein wegen ihres Geschlechts verstehen, dann ist das Sujet der JVP nicht sexistisch. Dazu braucht es eine Definition in Richtung der Wikipediadefinitionen. Gehen wir nun ins Detail: Sujet 1 zeigt einen allen gängigen Schönheitsidealen entsprechenden Mann in sommerlicher Kleidung, lächelnd. Nicht besonders sexualisiert dargestellt, aber sicherlich (für die Zielgruppe? für die durchschnittlich dumme junge Frau? in die Richtung etwas) attraktiv. Sujet 2 zeigt eine allen gängigen Schönheitsidealen entsprechende Frau. Deutlich spärlicher bekleidet. Für Fußfetischisten (?) klar. Das Schild vor ihren Brüsten 4kann aber auch ein Spiel mit Tabus (die ua von der Richtung aus der die Kampagne kommt hochgehalten werden) sein. Außerdem ist nichts an dem Sujet 2 so eindeutig sexualisiert (nackt, gespreizte Beine, Sprechblase “fick mich”) dass es sich nicht schlicht um eine Interpretation handeln könnte. Der Art “Ich sehe ein halbnackte Frau, dass muss ein reines Sexobjekt sein” – das spielt sich im Kopf der Betrachtenden ab, und ist nicht im Sujet enthalten. Wir haben also zwei Sujets von jungen, nach gängigen Schönheitsidealen attraktiven Menschen. Wenn man jetzt, was man kann, argumentiert die Sexualisierung komme durch das “24 Stunden Verkehr” scheidet Argumentation A (s.o.) aus, nebenbei bemerkt. Dann wär jede als irgendwie sexuell interpretierbare Darstellung attraktiver Menschen (also jede, das ist der Attraktivität immanent) sexistisch. Ein Beispiel – Frau X, nach gängigen Schönheitsidealen attraktiv, zieht sich sehr knapp an, weil sie Lust auf einen OneNightStand hat. Es geht rein um ein kurzes, körperliches Vergnügen. Dafür “reduziert” sie sich selbst und den gesuchten Partner, der dies ebenso macht, auf ihre Körper, wesentlich auf Geschlechtsmerkmale. Frau X ist also sexistisch, sowohl gegen Männer, als auch gegen Frauen. Die Freiwilligkeit und Selbstbestimmung können hier nicht als Argument herhalten, die Plakatmodels werden ja nicht dazu gezwungen, sondern für ihre Arbeit bezahlt. Kritik A 5 würde hingegen eine solche Darstellung theoretisch akzeptieren, sofern beide Geschlechter gleich betroffen sind. Allerdings würde dies ziemlich sicher in einer heterosexuellen Interpretation enden, womit man die Darstellung um Lesben und Schwule erweitern müsste. Genau genommen auch um Transgender und Bisexuelle. Und folgt man der Wikidefinition, ist das immer noch sexistisch, weil man Menschen über ihre Geschlechtsmerkmale definiert die man ihnen vorher zuschreibt (wie “Brüste haben”). Worauf ich hinaus will – das ist nicht nur wildgewordene Sprachwissenschaft (Es gibt einfach biologische Fakten. Wer das negiert lehnt jede sinnvolle Diskussion ab), das ist auch unpraktikabel (was außerhalb des Elfenbeinturms und der geschlossenen Kammer der politisch Korrekten ein Argument gegen etwas ist), und letztlich lächerlich weil es in einem unbedeutenden Teilbereich nach unerreichbarer absoluter Gerechtigkeit strebt. A kann also theoretisch aufrecht erhalten werden, allerdings nimmt man damit alles oben genannte in Kauf. Man kann jetzt Ausnahmen/Sonderregeln einf
ühren die alle oben genannten Probleme behebe. Ohne Zweifel. Allerdings würde dann einer ohnehin schon an der Sinnlosigkeit schrammenden Definition Willkür hinzugefügt, womit sie endgültig beliebig und damit sinnlos wäre, weil dann jeder seinen ganz privaten Sexismusbegriff haben könnte (und wenn jeder private Begriffe hätte, wäre keine sinnvolle Kommunikation möglich, sofern es soetwas wie private Begriffe überhaupt geben kann). Worauf ich hinaus will – Frauen nur bestimmte Berufe zu erlauben, für gleiche Arbeit weniger zu bezahlen als Männern, sie als Besitz von Männern betrachten, all diese Dinge die früher üblich waren – das ist Sexismus. Die JVP-Kampagne ist eine einfallslose Kampagne mit hübschen Menschen die bei einigen Jugendlichen Hormonwallungen auslösen. Zum Titel – die JVP Wien hat die beiden Sujets 1 und 2 inzwischen von ihrer Website entfernt.

  1. Die JVP findet anscheinend keine anderen Mittel ihre “Inhalte” zu präsentieren als mittels Sex nach Aufmerksamkeit zu haschen. Die Wiener etwa in ihren Kampagnen “Politik begreifbar machen” und pro E-Voting, die Salzburger ebenfalls schon zu einem Verkehrsthema.
  2. Was nicht heiß dass es nicht genug Dumme gibt die das toll und witzig und ansprechend finden.
  3. Das kann ich hier jetzt nicht näher Ausführung, aber die These will ich später mal genauer erläutern.
  4. Die keineswegs nackt sein müssen. Ihr Oberteil vom Plakat das beide zeigt kann auch einfach sehr bauchfrei sein
  5. In einer schwächeren Form, wo es egal was, nur darum geht dass beide Geschlechter davon gleich betroffen sind und es sonst nicht um politische Korrektheit geht, erübrigt sich das folgende, klar. Allerdings sehe ich nichts was für so eine Definition sprechen würde, solange sich irgendwelche Unterschiede zwischen Männern und Frauen beweisen lassen und in der Gesellschaft nicht alles exakt im Verhältnis der Geschlechter aufgeteilt ist.