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	<title>Feuerhaken.org &#187; Journalismus</title>
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		<title>Kriegspornographie</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Aug 2010 13:29:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das amerikanische Magazin &#8220;TIME&#8221; hat am Cover seiner am 9. August erscheinenden Ausgabe ein Porträt einer jungen Frau aus Afghanistan, der von ihrem Schwager und ihrem Ehemann beide Ohren und die Nase abgeschnitten wurden, weil sie vor den Misshandlungen der &#8230; <a href="http://feuerhaken.org/kriegspornographie/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das amerikanische Magazin &#8220;TIME&#8221; hat am <a rel="nofollow" href="http://www.time.com/time/world/article/0,8599,2007238,00.html">Cover seiner am 9. August erscheinenden Ausgabe</a> ein Porträt einer jungen Frau aus Afghanistan, der von ihrem Schwager und ihrem Ehemann beide Ohren und die Nase abgeschnitten wurden, weil sie vor den Misshandlungen der Familie ihres Mannes fliehen wollte. Daneben die Überschrift &#8220;What happens if we leave Afghanistan&#8221;. Ohne Fragezeichen.</p>
<p>Im <a rel="nofollow" href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33060/1.html">&#8220;Telepolis&#8221;-Artikel zum Cover</a> wird dazu auf zwei Dinge hingewiesen: Einerseits dass &#8220;TIME&#8221; die Geschichte sicher nicht aus altruistischen Motiven bringt, und andererseits dass dies sehr gut zu einer von <a rel="nofollow" href="http://www.wikileaks.org">Wikileaks</a> veröffentlichten CIA-Strategie zur Steigerung der Zustimmung zum Einsatz in Afghanistan passt. Vor allem aber wird an der klaren Position die das &#8220;TIME Magazine&#8221; bezieht kritisiert, dass verschwiegen werde &#8220;dass die Taliban bereits jetzt immer mächtiger werden und die neunjährige Truppenpräsenz mitsamt der Installierung einer korrupten Regierung und eines mangelnden Aufbaus die Menschen offenbar in die Hände der Taliban oder der Warlords treiben&#8221;.</p>
<p>In den USA selbst ist die Debatte längst voll im Gang, berichten europäischen Medien (wie z.B. der <a rel="nofollow" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,710301,00.html">&#8220;SPIEGEL&#8221;</a> und &#8220;<a rel="nofollow" href="http://derstandard.at/1280984071053/A-Disturbing-Picture-Frauen-Portrait-loest-Debatte-ueber-Afghanistan-Abzug-aus">Der Standard</a>&#8220;). Von &#8220;emotionaler Erpressung&#8221; und &#8220;Kriegs-Pornographie&#8221; sprechen die Kritiker_innen, und davon dass das Magazin für eine für eine Beibehaltung des Status Quo eintrete und dafür das Thema Frauenrechte missbrauche.<br />
<span id="more-4518"></span><br />
Der &#8220;SPIEGEL&#8221; zitiert &#8220;Kirstin&#8221; (eigentlich Kirsten) Powers, die auf dem Blog &#8220;<a rel="nofollow" href="http://www.thedailybeast.com/blogs-and-stories/2010-08-04/fighting-for-afghan-womens-rights-is-a-myth/?cid=hp:beastoriginalsL4">&#8220;Daily Beast&#8221;</a>&#8220;, das anscheinend schon <a rel="nofollow" href="http://www.thedailybeast.com/blogs-and-stories/2009-12-28/afghanistans-unspeakable-crime/">vor Ende 2009 von dem Fall berichtet hat</a> (nur ohne das Foto), schreibt &#8220;It wasn’t about women then. It’s not about women now. It’s time to go.&#8221;.</p>
<p>Powers ist eine Gegnerin der Kriege George W. Bushes seit Anbeginn und eine prominente Stimme vom linken Flügel der Demokraten. Ihre Argumentation basiert darauf, dass sich an der Lage der Frauen in Afghanistan so oder so nichts ändert:</p>
<blockquote><p>In 2008, President Hamid Karzai pardoned two convicted gang rapists for political reasons. The following year, he signed the Shia Personal Status Law, which denies Shia women the right to child custody and freedom of movement, among other things. The law also <a rel="nofollow" href="http://www.boston.com/bostonglobe/editorial_opinion/editorials/articles/2009/04/20/legalized_rape_in_afghanistan/">legalized marital rape</a>. And recent government negotiations with the Taliban of course included no discussion of women’s rights.</p></blockquote>
<p>Auch die &#8220;<a rel="nofollow" href="http://www.nytimes.com/2010/07/31/world/asia/31women.html">New York Times</a>&#8221; berichtete vor wenigen Tagen darüber, dass die Lage für Frauen in Afghanistan dabei ist, sich wieder zu verschlechtern.</p>
<p>Instrumentalisiert &#8220;TIME&#8221; nun die junge Frau für Kriegspropaganda ohne Grundlage? Klar scheint zumindest zu sein, dass sie damit ihre Auflage steigern und Publicity bekommen. Aber entgegen dem vorwurfsvollen Ton bei Telepolis sehe ich das eher moralisch neutral. Das ist in unserem System nun einmal die Bedingung der Möglichkeit guten Journalismus. &#8220;TIME&#8221; instrumentalisiert sie auch, um für den Afghanistan-Einsatz zu argumentieren. Die Argumentation wäre ohne die persönliche Geschichte, ohne das Foto, viel schwächer gewesen. Die Diskussion die sie auslösen wollte, hätte die Redaktion so sicher nicht bekommen. <a rel="nofollow" href="http://www.time.com/time/world/article/0,8599,2007269,00.html">Chefredakteur Richard Stengel schreibt</a>:</p>
<blockquote><p>But bad things do happen to people, and it is part of our job to confront and explain them. In the end, I felt that the image is a window into the reality of what is happening — and what can happen — in a war that affects and involves all of us. I would rather confront readers with the Taliban&#8217;s treatment of women than ignore it. I would rather people know that reality as they make up their minds about what the U.S. and its allies should do in Afghanistan.
</p></blockquote>
<p>Es wird nichts dramatisiert, sondern eine Geschichte erzählt, nicht gegen den Willen, sondern mit Einverständnis des Opfers. Menschen etwas unangenehmes, etwas erschreckendes, etwas das sie ausblenden müssen um ihre Meinung zu einem Thema konfliktfrei oder leichter vertreten können, stößt immer auf Widerstand. Aber es spricht nicht dagegen, dem Terror der Taliban, dem  Leid afghanischer Frauen, ein Gesicht zu geben um davon so berichten zu können, dass es ankommt.</p>
<p>Die Argumentation des &#8220;TIME Magazine&#8221; und der &#8220;New York Times&#8221; basieren auf einer völlig anderen Einschätzung der Situation von Frauen in Afghanistan, als jene die Powers gibt. An dieser Stelle ist die Diskussion auf eine empirische Frage reduziert, die für Außenstehende nicht zu beantworten ist. Aber man kann versuchen die glaubwürdigen Berichte zu bewerten, einzuordnen.</p>
<p>Die Argumentation von Kirsten Powers scheint auf schwachen Füßen zu stehen. Das Vergewaltigung in der Ehe für die schiitische Minderheit legalisiert wurde, heißt dass sie vorher für alle verboten war, und es für die Mehrheit noch immer ist. So furchtbar das an sich ist, ist es doch ein Beleg für die Sicht der NYT, genauso wie die Angriffe auf Schulen für Mädchen. Diese Schulen gab es vor dem Afghanistankrieg einfach nicht, genauso wenig wie das Drittel weiblicher Abgeordnete (oder überhaupt Abgeordnete oder eine Institution in die sie abgeordnet hätten werden können). Fälle wie diese Cover-Story werden von Hilfsorganisationen zuhauf gemeldet. Die von ihnen betriebenen geheimen und bewachten Frauenhäuser sind voll. Aber vorher gab es keine Möglichkeit für Hilfsorganisationen sinnvoll zu arbeiten, geschweige denn solche Frauenhäuser zu betreiben.</p>
<p>Powers selbst spricht den wahrscheinlichen Kern des Problems an: &#8220;Women’s rights have not in any way been a focus of the Afghan government, and it seems unlikely that they ever will be.&#8221;. Aber angesichts der erreichten Verbesserungen, und angesichts der zahllosen Probleme und des Unwillens der afghanischen Regierung, die Rechte der Frauen zu verteidigen und auszubauen, ist die Forderung dass der einzige politische Faktor in Afghanistan der zumindest irgendein Interesse daran hat, und der auch schone etwas erreicht hat und dies auch weiter tun kann, sich doch bitte schleichen soll, merkwürdig und eher unlogisch.</p>
<p>&#8220;It wasn’t about women then. It’s not about women now.&#8221; stimmt dennoch, genauso wie der Krieg nicht für Menschenrechte ganz allgemein oder für die Demokratie geführt wird, auch wenn diese Fragen mehr oder weniger eine Rolle gespielt haben. Auch wenn den Krieg anzufangen falsch war, so folgt daraus nicht dass es das beste wäre, das Land zu verlassen und es in den Zustand in dem es davor war, zurückkehren zu lassen. Viel eher könnte man gerade daraus eine noch größere Verpflichtung ableiten, solange zu bleiben, bis das Land stabil ist und die Wahrung zumindest minimaler Menschenrechte für alle Einwohner_innen garantieren kann.</p>
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