Voves braucht deine Familienbeihilfe dringender…

Stolz verkündeten Bundeskanzler Pröll und seine Handpuppe Werner dass sie die Republik gerettet, das Budget saniert und eine glorreiche Zukunft für alle Österreicher_innen geschaffen haben. Schade nur, dass das kompletter Blödsinn ist. Das Budget ist nicht saniert, und die Einsparungen sind weder strukturell noch irgendwie sonst nachhaltig noch sozial gerecht. Was in Bildung und Forschung investiert wird, verdient zu Recht die Bezeichnung „schlechter Witz“.

Von einer Investition in die Zukunft zu sprechen, wenn das marode Schulsystem gerade noch am Leben gehalten wird, aber eine Verringerung der Schüler_innenanzahl pro Klasse, eine längst überfällige Reform des Konzepts des „Sitzenbleibens“ und eine modulare Oberstufe eingespart werden, ist ein Schlag ins Gesicht aller Lehrer_innen, Schüler_innen und um die Zukunft Österreichs Besorgten. Continue reading

Hochschulpolitische Zugangsbeschränkungen

Die Österreichische HochschülerInnenschaft ist ein geeignetes Sprungbrett in die zweite und dritte Reihe der „großen“ Politik. Selten werden die Mitglieder der Aktionsgemeinschaft (ÖVP), der GRAS (Grüne) oder des VSStÖ (SPÖ) für eine Spitzenposition in Frage kommen, dafür werden sie als Fachkräfte in Büros, Klubs und Ministerien geschätzt und eingesetzt. Und der Politikkindergarten der ÖH bereitet durchaus gut auf geheime Absprache, Seilschaften, Doppeldeutigkeiten, Intrigen, Manipulationen, etc. im weiteren politischen Leben vor.

Aber – das betrifft nur einen kleinen Teil der ÖH. Die Universitätsvertretungen und die Bundesvertretung, die ihre irrelevante Gesellschaftspolitik betreiben (wenn GRAS/VSStÖ regieren), sich demütig in den Dienst der Universität stellen (Fachschaften) oder überhaupt nichts machen (Aktionsgemeinschaft), um es mit den jeweils in Opposition befindlichen Fraktionen zu sagen. Der Großteil der ÖH, die Studienvertretungen, leistet, wenn die politischen Fraktionen ihn lassen, wichtige Arbeit die den Leuten keine Jobs und keine politischen Karrieren bringt, aber Erfahrungen und Kontakte. Continue reading

Liebe SPÖ; Betreff: Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen

Liebe SPÖ,

als Mitglied der Partei tue ich mir gerade sehr schwer, nicht auszutreten. Ich bin Student. Ohne Studien- und Familienbeihilfe könnten meine Eltern sich mein Studium nicht leisten. Jetzt wollt ihr Zugangsbeschränkungen einführen, die Leute wie ich, die das Pech hatten, in einer schlechten Hauptschule am Land[1. Nachtrag: Ich wurde darauf aufmerksam gemacht (von @stefan), dass dieser Satz eher "Hautpschulen am Land sind schlecht"] ausgebildet zu werden, gegenüber Kindern aus teuren Privatschulen weiter benachteiligen. Jetzt wollt ihr Studiengebühren einführen ohne die soziale Treffsicherheit gewähren zu können und beurteilt die Studierenden weiter nach ihren Eltern, obwohl das nichts heißt. Die Position “Wer von seinen reichen Eltern kein Geld bekommt, soll sie halt verklagen” ist vieles, aber sicher nicht sozialdemokratisch. Schon jetzt gibt es gewaltige Lücken im System, z.B. wird bei der Berechnung der Studienbeihilfe ignoriert ob die Eltern verschuldet sind, was aber einen großen Anteil des Einkommens von dem sie Unterhalt zahlen sollten, auffressen kann. Ich kenne sogar eine ehemalige Studentin deren Vater in Privatkonkurs gehen musste, aber dennoch ihren Lebensunterhalt finanzieren soll und die deshalb keine Studienbehilfe bekam und ihr Studium abbrechen musste. Das hat nichts mit dem freien Hochschulzugang wie er im Parteiprogramm steht (!) zu tun.

Das alles nachdem ihr das Budget auf Kosten der Familien, inbesondere der sozial schwachen die ihren Kindern eine höhere Bildung ermöglichen wollen, saniert habt. Das alles, nachdem ihr seit Jahren die Studienbeihilfe nicht erhöht habt. Das alles nachdem ihr die Unis finanziell verrecken lasst und euch um die beschlossene Erhöhung der entsprechenden Ausgaben auf 2 % des BIP bis 2020, die längst beginnen müsste um schrittweise geschafft zu werden, überhaupt nicht kümmert. Wo ist die “Zeit für Gerechtigkeit”? Wie bei dieser Kampagne, lügt ihr auch jetzt in eurer Werbung, dass ihr das Budget “sozial gerecht” saniert hättet. In Wirklichkeit habt ihr es ungerecht ruiniert. In dem Budget wird nichts nachhaltig saniert. Die Regierung kürzt einfach Unterstützungen für Arme und hebt neue Steuern die alle gleich treffen ein.

Enttäuscht,
Thomas Knapp

PS: Ich werde dieses Schreiben auch auf meinem Blog http://feuerhaken.org veröffentlichen.

Zeit für Ungerechtigkeit

Zeit für Ungerechtigkeit - Werner Faymann - SPÖ

Bild: SPÖ, Bearbeitung/Verfremdung: Thomas Knapp

Die Bundesregierung hat auf ihrer Budgetsanierungs-Klausur die letzten Details einer grausamen Politik der sozialen Ungerechtigkeit fixiert. Die SPÖ ist im Liegen umgefallen, die ÖVP triumphiert. Soziale Selektion ist das Motto der Budgetsanierung. Massensteuern und Kürzungen bei Sozialleistungen treffen die Wohlhabenden nicht, die sozial Schwachen dafür umso härter.

Besonders brutal wird die Politik der ÖVP im Hochschulbereich umgesetzt. Studierende verlieren 2 Jahre der Anspruchszeit auf die Familienbeihilfe, bei den angehenden Studierenden wird, durch Selektionsmechanismen die sozial Schwache massiv benachteiligen, die ohnehin ungerechte Benachteiligung von Menschen aus sozial schwächeren Schichten nicht nur fortgeschrieben, sondern massiv verschärft.

Aber, werden die Agent_innen der sozialen Selektion einwenden, die Studieneingangsphasen sind doch für alle gleich, egal ob arm oder reich. Formal stimmt das, doch schon heute ist es so, dass an vielen Unis Knock-Out-Prüfungen üblich sind. Und die Erfahrung daraus zeigt, dass die Prüfungen oft ohne kostenpflichtige Vorbereitungskurse bei universitätsfremden Instituten nicht oder kaum zu schaffen sind. Auch macht es einen Unterschied ob man von einer Privatschule, einem guten Gymnasium oder einer vergessenen Hauptschule in die Oberstufe kam, und in der Folge kann sich das weiter verschärfen. Kinder aus wohlhabenden Familien, Akademiker_innenfamilien, u.ä. haben einen Startvorteil, der vom Schulsystem meist nicht ausgeglichen, sondern verstärkt wird. Und danach sollen sich alle der gleichen Prüfung stellen. Wer wohl überproportional vertreten sein wird?

Für sozial Schwache stellen beinhalten die Studieneingangsphasen noch eine weitere Falle. Verlieren sie ein Jahr, weil sie es am Schluss nicht schaffen, hat verlieren sie damit die Hälfte der Studienwahlmöglichkeiten, die im Beihilfenwesen noch gegeben sind. Die Senkung der Altersgrenze für die Familienbeihilfe von 26 auf 24 nimmt hier ebenfalls ein Stück weit die Perspektive auf einen erfolgreichen Studienabschluss, wenn man ein Jahr der gekürzten Bezugszeit in der Eingangsphase verliert, ist für viele selbst in Mindeststudienzeit nicht an einen Beihilfenbezug die ganze Studiendauer über zu denken. Womit der Teufelskreis „Arbeit um das Studium zu finanzieren – Schlechte Studienleistung – gar keine Beihilfe – noch mehr Arbeit – noch weniger Zeit fürs Studium“ weiter an Dynamik zulegt.

Diese Kürzung ist aber vor allem auch ein brutaler Eingriff in die Lebensplanung von Studierenden und ihrer Eltern. Was machen 24jährige, die mitten im Studium stehen, und jetzt plötzlich auf 200 Euro im Monat verzichten sollen? Die ohnehin hohe Drop-Out-Quote wird damit sicher nicht gesenkt, dafür aber wohl die ohnehin niedrige Akademiker_innenquote.