So bleiben Sie doch bei Ihren Schäfchen

Herr Schönborn ist einer jener Menschen, die den innerlichen Drang verspüren, zu allem ihre Meinung abzugeben, mögen sie in der konkreten Sache auch noch so inkompetent sein. Denn Kompetenz hinsichtlich der Abtreibung kann man einem über 60-jährigen, männlichen, allezeit keuschen, katholischen, mit einem Geist engeren Kontakt pflegenden Gläubigen wahrlich nicht attestieren.

Selbiges gilt für die übrigen ergrauten Herrschaften, die diese seltsamen Kleider tragen und fest daran glauben, dass sie mit ihren Rufen diesen langbärtigen Kauz im Himmel erreichen. Ja, meinen diese Gutgläubigen in ihren altmodischen Kutten denn tatsächlich, dass der Typ grundlos gen Himmel geflüchtet ist und sich dort seither hinter Cumuluswolken versteckt hält? Er hatte schlichtweg genug davon, zweitausend Jahre den Kopf hinhalten zu müssen, weil ein paar Irre auf dem Festland sich beharrlich weigerten, die ohnehin großzügig verteilte Hirnmasse auch ihrer Funktion entsprechend einzusetzen.

Doch zurück zu demjenigen, den die Weidetiere unterwürfig Kardinal nennen. Zurück zu dem Schäfchen, das anderen Schäfchen lehrt, wie man Schäfchen ist. Weil das wissen sie ja selbst nicht. Selbiger leidet offensichtlich seit geraumer Zeit unter schierem Größenwahn. Anstatt seiner in den letzten Jahrzehnten überschaubar gewordenen Anzahl Gläubiger in der sonntäglichen Messe ins Ohr zu flüstern, dass, wer sein Kind abtreibt, wider den Willen Gottes handelt, will er nun diesen undurchdachten, geistigen Spontanerguss zur allgemeinverbindlichen Doktrin erheben. Menschen, die an den jüdischen Gott glauben, Menschen, die an das Spaghettimonster glauben und Menschen, die Gott nur aus dem Schlager kennen sollen diesen irren katholischen Geboten Folge leisten müssen, die im krassen Gegensatz zur körperlichen Selbstbestimmung stehen. Wenn Gott – oder vielmehr jene, die sich anmaßen, als Sprecher eines Gottes aufzutreten – über den Körper einer Frau entscheiden, ist es nicht mehr weit her mit dem Mittelalter.

Wenn eine religiöse Gruppe Bestrebungen unternimmt, mit dem Argument eines Gottes solche fundamentalen Rechte aufzulösen, muss mit aller Entschlossenheit dagegen angekämpft werden. Denn Gott als eine Marionette der Geistlichen wurde seit jeher als Rechtfertigung für jeden erdenklichen Unsinn herangezogen, den menschliches Hirn nur in der Lage war zu produzieren. Bis heute funktioniert der Trick mit dem „mächtigen Verbündeten“ im Hintergrund bei einer nicht geringen Zahl an Zeitgenossen und die Herren der Gaukelei, die „Zauberkünstler“, gelten als honorige Menschen, die wir mit der Kraft unserer Finanzen fördern müssen, um ihnen weitere Kunststücke zu ermöglichen. Als Humanisten und als selbstbestimmte Menschen, die nicht willig sind, ein Leben unter der Diktion der Hirngespinste anderer zu führen, sollte es unser Bestreben sein, gegen dieserart Humbug öffentlich Stellung zu beziehen. Ansonsten laufen wir Gefahr, dass diejenigen, die andere von einer Sache überzeugen wollen, an die sie aus Mangel an Beweisen selbst nur glauben können, die Oberhand gewinnen.

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