Mein Ziel, über jeden Tag der Internationalen Sommerakademie des ÖSFK zu schreiben, habe ich nicht erreicht. Zu anstrengend war das Programm, zu mangelhaft meine Konzentration. Tag 5 und 6 musste ich leider schuldig bleiben. Hier aber der Versuch, ein kleines, persönliches Resümee über die 25. Sommerakademie (die dritte, an der ich teilnahm) zu ziehen:
In Schlaining treffen jedes Jahr kluge Köpfe, verdiente Forscher, naive Träumer, arrogante Weltverbesser, irre Fanatiker und noch viel mehr bunte Menschen aufeinander. Gemeinsame Nenner der meisten Teilnehmer, dürften nach meiner Erfahrung, Kritik an der Globalisierung, Kritik am Militär, Kritik an Israel und auch eine feste Überzeugung von der eigenen moralischen Überlegenheit sein. Verschwörungstheorien sind auch sehr beliebt, aber höchstens mehrheitsfähig. Demographisch wird die größtmögliche Breite erreicht, von sehr jung bis sehr alt. Etwas, das einige, vor allem deutsche, Vortragende, so überraschend fanden, dass sie es loben mussten. Die größte Teilnehmergruppe dürften inzwischen Studenten sein, eine Entwicklung, die auch an den Anrainern der Schlaininger Schule, in deren Turnsaal viele junge Leute gratis übernachten, nicht spurlos vorübergeht. Immer wieder gab es während der Sommerakademie Aufrufe seitens der Organisatoren, die Hausordnung der Schule doch bitte einzuhalten, und nicht zu laut zu sein.
Die geladenen Redner sind überwiegend anerkannte Experten auf ihrem Gebiet. Als Moderatoren für die Vorträge und Diskussionen kommen immer wieder Journalisten vom ORF, vom Standard und der Furche. Gemeinsam haben sie, dass von ihnen kaum Kritik an den oben genannten gemeinsamen Nennern geübt wird. Tut man dies doch, erntet man vor allem Kopfschütteln, wie etwa die Burgenländische Landesrätin Verena Dunst während und nach ihrer Eröffnungsrede.
Ein Problem der Sommerakademie sind jene eifrigen Missionare und Weltheiler, die die Möglichkeit, nach einem Vortrag Fragen zu stellen, schamlos ausnützen um sogenannte „Co-Referate“ zu halten. Ein Teilnehmer der Sommerakademie formulierte es freundlich so, dass diese Leute „wohl so mit Informationen aufgeladen sind, dass diese einfach raus platzen, egal was man zu ihnen sagt.“ Ich würde unfreundlichere Worte finden. Diese Leute zerstören jede sinnvolle Diskussion, indem sie teilweise völlig unpassende Fragen stellen, oder eben ihre Informationen nur als Frage tarnen. Wenn etwa Peter Lock nach seinem Vortrag gefragt wird, was man gegen die Konzentration der österreichischen Medien tun könne, hört bei mir jedes Verständnis auf. Ich verlasse deshalb den Saal immer nach Ende des Vortrags, wohlwissend, dass ich damit auch die interessanten Fragen versäume.
In den Tagen der Sommerakademie, wird man mit einer gewaltigen Menge an Informationen versorgt, die zu behalten schon eine kaum bewältigbare Aufgabe sein dürfte. Dass man diese aber noch filtern, und mit anderen Teilnehmern diskutieren soll, macht das ganze unbewältigbar. Aber darum geht es nur zu einem Teil. Es geht um den Austausch mit anderen Menschen, die aus völlig anderen Perspektiven, am selben Thema interessiert sind. Es geht darum, bekannte und erfahrene Forscher, Journalisten und Aktivisten persönlich zu treffen, von ihnen zu lernen. Es geht darum, seine eigenen Positionen kritisch hinterfragen zu lassen. Es geht darum, Netzwerke aufzubauen. Es geht darum, die Hoffnung nicht zu verlieren. Es geht darum zu lernen, auch sozial. Und das alles bietet die Internationale Sommerakademie des ÖSFK.
Abschließend möchte ich noch zwei Literaturhinweise geben. Der Workshop 8 bietet jungen Forschern die Möglichkeit, ihre Arbeiten einem außeruniversitären Publikum zu präsentieren. Diese werden auf der Homepage des ÖSFK im Rahmen der SAFRAN-Reihe (Schlaininger Arbeitspapiere für Friedensforschung, Abrüstung und nachhaltige Entwicklung) publiziert.
Und wie jedes Jahr wird es ÖSFK auch heuer wieder einen Sammelband der meisten Vortragenden der Sommerakademie publizieren, den man bereits vorbestellen kann. Näheres dazu hier.
Mein Resümee, falls es auch nicht so wirkt, ist positiv, und ich werde sehr wahrscheinlich auch nächstes Jahr wieder an der Sommerakademie teilnehmen.
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