Ich interessiere mich für Politik. Der Satz stimmt solange ich zurückdenken kann. Als kleines Kind interessierten mich die Plakate die mein Vater für die SPÖ klebte, die Kandidaten, seine Arbeit in der SPÖ und im Gemeinderat meines Heimatorts. Der erste Wahlkampf an den ich mich erinnern kann, war mit Vranitzky (SPÖ) und Busek (ÖVP). Die erste Nationalratswahl die ich bewusst mitverfolgt habe, war 1999. In diesem Sinn wurde auch ich 2000 von der blau/schwarzen Regierungsbildung politisiert. Das mündete aber vorerst in keinem politischen Engagement. Die Parteien interessierten mich in dieser Hinsicht kaum.
In der Handelsakademie die ich besuchte hatte ich zum Glück einen Lehrer der mein Interesse an politischen Diskussionen förderte. Später begann ich auch, provokante Plakate von Parteiorganisationen (Grüne und Sozialistische Jugend) an der Schule aufzuhängen. Mit Erlaubnis des Direktors, wohlgemerkt (ein Plakat verbot er mir, wenn ich mich richtig erinnere eine Fotomontage von Engelbert Dollfuß mit Wolfgang Schüssel und Andreas Kohl). Für Schülerpolitik interessierte ich mich nicht, für Parteien aber schon.
Ich liebäugelte mit den Grünen und der KPÖ. Nach E-Mails zu verschiedenen Fragen und Themen lud mich die KPÖ ein, für ein Gespräch mit Franz Stephan Parteder nach Graz zu kommen. Als ich aus dem Bus stieg, fielen mir beim Weg durch Graz sofort die Anti-EU-Plakate der KPÖ auf (ich kann mich nicht mehr erinnern welche Kampagne genau es war). Das schuf letztlich eine Distanz zur Partei, die Franz Stephan Parteder, der sich viel Zeit für mich nahm, nicht ganz ausräumen konnte, auch wenn in vielen Punkten übereinstimmten.
Nachdem ich nach Graz gezogen war und mein Studium begonnen hatte, kontaktierte ich Ende 2006 drei ÖH-Fraktonen, von denen nur der VSStÖ Graz auf meine Kontaktaufnahme reagierte, GRAS (Grüne) und KSV (KPÖ) nicht. Anfang 2007 wurde ich dann auch Mitglied der SPÖ (der „Protestsektion“ in Linz). Im ÖH-Wahlkampf 2007 ließ ich mich mehr oder weniger vom VSStÖ “verheizen” (und war gleichzeitig von einer gewissen Ideologielosigkeit abgeschreckt). Das reichte, um mich erst einmal vom Verband zu entfernen. Auch aus der SPÖ trat ich, nachdem diese unter Alfred Gusenbauer der Einrichtung des Asylgerichtshofs zugestimmt hatte, wieder aus.
Doch ganz riss der Kontakt nicht ab, und in der Zwischenzeit kam ich auch wieder zur SPÖ. Ich war im Wahlkampf 2008 aktiv, wurde von der SPÖ dafür bezahlt und wurde Parteimitglied. Auch beim VSStÖ engagierte ich mich wieder. Nach moderatem Einsatz im ÖH-Wahlkampf 2009 wurde ich für den VSStÖ auf der ÖH Uni Graz, wo der Verband erstmals seit langem wieder in der Exekutive vertreten ist (in einer Koalition mit GRAS und Aktionsgemeinschaft (ÖVP)), Sachbearbeiter im Sozialreferat. Und auch gleich Mitglied des VSStÖ.
2 Jahre in der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH), im Verband Sozialistischer Studenten (VSStÖ) und im Umfeld der SPÖ haben mir eines ganz deutlich gemacht: Ich bin nicht der Pragmatiker, der ich glaubte zu sein, sondern der Idealist, auf den ich spöttisch herabblickte. Meine Resümee kann man in den Einträgen “Kritik der österreichischen Politik” und “Trotz allem ein politischer Mensch” nachlesen.
Seit Sommer 2011 bin ocj nicht mehr Mitglied der SPÖ und nicht mehr im VSStÖ aktiv.

