Nein, um die Überschrift zu beantworten. Zumindest nicht in der Steiermark. Ich hatte meinen Ärger darüber, dass die Sozialistische Jugend Steiermark zwei ihrer Funktionäre nach einem Facebookposting, das von der FPÖ zum Skandal aufgeblasen wurde, vom Rücktritt “überzeugt” hat, schon runtergeschluckt. Dann hat mich ein Tweet von @olobo, der eine Diskussion auf Twitter ausgelöst hat, wieder daran erinnert:
[blackbirdpie url="http://twitter.com/#!/olobo/status/107723447836217344"]
Aber, würdest du dich nicht aufregen, wenn RFJ-Mitglieder reimen dass man alle Juden abschlachten sollte? Wird hier nicht mit zweierlei Maß gemessen?
Natürlich würde ich mich aufregen, wenn ein RFJ-Mitglied dazu aufruft Juden abzuschlachten. Nur ist das nicht passiert. Genausowenige wie ein SJ-Mitglied dazu aufgerufen hat, Reiche abzuschlachten. Und nein, hier wird nicht mit zweierlei Maß gemessen. SJ und RFJ unterscheiden sich nur ebenso fundamental wie SPÖ und FPÖ. Niemand hält die SPÖ für eine Gefahr, bei der FPÖ ist das ganz anders, entsprechend bewertet man auch eine Jugendorganisation, die im wesentlichen Party macht, anders, als eine die Rassimus verbreitet.
Aber würdest du nicht auch den Rücktritt fordern, wenn JVP-Funktionäre zum Arbeiterabschlachten aufrufen? Das Beispiel ist konstruiert, ja, aber um einen sinnvolleren Vergleich zu haben. Ja, ich würde mich aufregen. Ja, ich würde JVP und ÖVP in Grund und Boden verdammen. Aber!
Wenn der JVP-Aufruf von einem jugendlichen Lokalfunktionär auf Facebook in Form von HipHop gepostet wurde, würde ich kurz den Kopf schütteln, aber nicht erwarten, dass die ÖVP ihren Nachwuchs fallen lässt, weil er gern in einem einer sexistischen und gewaltverherrlichenden Sprache zugeneigten Musikbereich Fuß fassen möchte. Das ist immer noch Freiheit von Kunst o.ä.
Dabei muss man, um auf die Überschrift bezug zu nehmen, bedenken dass “Solidaridät” für die ÖVP kein Grundwert ist. Selbst wenn die SJ-Mitglieder einen Fehler gemacht haben, und politisch ist es wohl einer, sich öffentlich angreifbar zu machen, dann müsste die Organisation zu ihnen stehen. Stattdessen geht Max “wir demonstrieren zwar gegen den sozialen Kahlschlag in der Steiermark, aber ich stimme trotzdem dafür” Lercher daran, seine SJ nur ja auf dem profillosen SPÖ-Kurs zu halten. Sich von der FPÖ den Kurs vorgeben zu lassen, ist anscheinend schon ein Reflex in der SPÖ.
[...]anstatt sich also vor die Genossen zu stellen, zögert Max Lercher nicht und stellt seine Genossen, die ihn noch bis vor kurzem trotz aller Verfehlungen seinerseits als politische Autorität anerkannten, vor die Türe. Und vor dieser Türe werden sie diffamiert in den Massenmedien, auf faschistischen Homepages bedroht, ihre Bilder und Namen werden zirkuliert. Dies ist unerträglich.
schreibt derfunke.at
Fassen wir zusammen: Ein junger Bursch hat, für alle nicht ganz blinden offensichtlich, in einem bestimmten Slang etwas auf seiner privaten Facebookpage veröffentlicht. Ein zweiter hat sein Gefallen bekundet. Privat, nicht im Namen der SJ. Ein Aufruf etwas zu tun steht nirgens. Es hat kein Klubomann einer Nationalratspartei öffentlich gegen eine Gruppe von Menschen gehetzt. Und nur weil es Mitglieder der SJ sind, wollen wir die Konzepte von Privatperson und von Kindheit bzw. Jugend abschaffen? Geh machts euch nicht lächerlich.