Er [Jörg Haider, Anm.], der Junge, verbündete sich mit den Alten, denen Norbert Steger und Friedhelm Frischenschlager zu wenig deutschnational waren. Statt einer liberalen Partei der Mitte, wie sich das die Steger-FPÖ vorgestellt hatte, sollte die FPÖ zu ihren Wurzeln zurückkehren. Und zu diesen zählt Georg Schönerer ebenso wie Adolf Hitler.

Pelinka, Anton: Nach der Windstille. Wien, 2009 S. 50-51

Wer sich nicht zuordnet, wer in einer fragmentierten Gesellschaft wie der österreichischen die unbedingte Loyalität verweigert, bleibt als Einzelgänger übrig. Die Lehensherren der einen Seite haben jedes Verständnis dafür, wenn man sich dem Feudalsystem der anderen Seite unterordnet. Kein Verständnis haben sie jedoch, wenn man sich der Vasallentreue der einen Seite entzieht, ohne zur anderen Seite überzugehen. Die Interessenslage ist klar: Das Gesamtsystem braucht Fahnenträger. Sekundär ist, welche Fahne man schwingt; wichtig ist, man tut es. Wer sich weigert, das Lob eines Lehensherrn zu singen, hat letztlich alle Hierarchien gegen sich.

Pelinka, Anton: Nach der Windstille. Wien, 2009 S. 50-51 (erstmals 1985 so publiziert)

Radlegger: Wir müssen einmal klarlegen, welche Menschen wir aus der Schule verabschieden wollen. Bei uns loben Lehrer diejenigen Schüler, die ruhig sind, gut zuhören und Hefte tragen helfen. Dann loben Arbeitgeber ihre Mitarbeiter, die ruhig und verlässlich sind. Dann suchen sich Parteien die Leute, die loyal sind und gut Zettel verteilen. Ob jemand gelegentlich sperrig oder kritisch ist, wird nie lobend erwähnt. Bei uns wird alles belohnt, was auf Sekundärtugenden beruht. Und die Primärtugenden fallen unter den Tisch.

profil: Welche meinen Sie?

Radlegger: Courage. Toleranz, die nicht auf Gleichgültigkeit beruht, sondern sich für etwas einsetzt. Mitmenschlichkeit, man kann auch Solidarität sagen, die nicht im oberflächlichen Schulterklopfen besteht. Und Offenheit. Solche Primärtugeden sind in der SPÖ nicht gefragt. Laura Rudas und Niko Pelinka sind die Inkarnation der Sekundärtugenden.

Wolfgang Radlegger im Interview mit Eva Linsinger. profil 36, 5. September 2011, S. 23

Dass sich der ebenfalls antisemitische Gewerkschaftspräsident von Dollfuß’ Gnaden, Johann Staud, von Hitlers Gesandtschaft in Wien finanzieren ließ, wurde von mir nicht erstmals entdeckt, sondern nur in meine Analyse aufgenommen – ohne dass dieses doch erstaunliche Faktum von den Apologeten, die den Ständestaat primär als Widerstandsaktion gegen Hitler sehen wollten, in irgendeiner Form zur Kenntnis genommen wurde.

Als ich knapp zwei Jahrzehnte später mich intensiver mit Karl Renner beschäftigte, entdeckte ich, dass Renner nicht nur im April 1938 sein bekanntes “Ja” zur Anschlussparole der Nationalsozialisten veröffentlicht hatte – ohne jeden Zwang; dass er darüber hinaus im Oktober 1938 eine Publikation zu veröffentlichen versucht hatte, die das “Münchner Abkommen” als besondere Weisheit europäischer Politik lobte. Dieser zweite Anpassungsschritt wurde von der Sozialdemokratie nach 1945 de facto unterschlagen, er taucht in keiner der sozialdemokratischen Renner-Hagiographien auf.

Beide Zitate: Pelinka, Anton: Nach der Windstille. Wien, 2009 S. 9

Mein politischer Werdegang

Ich interessiere mich für Politik. Der Satz stimmt solange ich zurückdenken kann. Als kleines Kind interessierten mich die Plakate die mein Vater für die SPÖ klebte, die Kandidaten, seine Arbeit in der SPÖ und im Gemeinderat meines Heimatorts. Der erste … Read more →

Wikileaks ist pleite

Heute gaben Julian Assange and Kristinn Hrafnsson von Wikileaks eine Pressekonferenz in London. Ebenfalls dabei war Bernd Fix von der Wau Holland Stiftung, die seit 2009 zentraler Spendensammler für Wikileaks war. Assange gab einen kurzen Rückblick auf die Probleme mit … Read more →

Man weiß ja gar nicht, wo man überhaupt anfangen könnte, etwas zu kritisieren, wenn immer noch die Gegenreformation marschiert. Kinder werden noch in der Volksschule für ihren späteren Lebensweg buchstäblich selektiert, nur damit diese katholisch geprägte feudalistische Klassengesellschaft ihre Existenzlüge der auserwählten (und in meist katholischen Privatschulen erzogenen) Elite und des ungebildeten Fußvolks aufrechterhalten kann.

Aus einer “E-Mail von Elfriede Jelinek”, erschienen, anlässlich der große PISA-Aufregung unter der schwarzblauen Regierung Schüssel, im STANDARD

Was hat Maria Fekter eigentlich gesagt?

Maria Fekter (ÖVP), Beschützerin der Nation, erst vor Asylantentsunamis (frei nach der wegen Verhetzung verurteilten FPÖ-Abgeordneten Susanne Winter), jetzt vor linksextremistischem Umverteilungsstalinismus (oder wie man Vermögensbesteuerung auf dem OECD-Durchschnitt oder etwa dem Niveau der USA sonst bezeichnen mag), sorgt wieder … Read more →

Die FPÖ ist als Teil der Normalität Europas erkennbar – wie Front National in Frankreich, Vlaams Belang in Belgien, Jobbik in Ungarn, die National Party in Großbritannien und Ataka in Bulgarien. Alle diese Partein werden – aus guten Gründen – als gefährlich eingestuft; als Bedrohung des demokratischen Grundkonsenses und eines auf den universellen Menschenrechten bauenden europäischen Wertekodex. Die offene Ausländerfeindlichkeit, die sich an der Realität der Migration hochrankt, verbindet alle diese Parteien ebenso wie ihr mehr oder weniger versteckter Antisemitismus und ihre mehr oder weniger militante Ablehnung der Europäischen Union.

Pelinka, Anton: Nach der Windstille. Wien, 2009 S. 203

Als ich mich mit Karl Renner beschäftigte (“Karl Renner zur Einführung”, Hamburg 1989), war ich von der Persönlichkeit dieses Mannes, der zweimal den die Republik gründenden Regierungen vorgestanden hatte – 1918 und dann wieder 1945 -, fasziniert, aber auch irgendwie abgestoßen. Die offenkundige Leichtigkeit, mit der Renner bis 1918 die Reform der Monarchie betrieb und in der österreichischen Kriegswirtschaft ein zukunftsträchtiges Modell für den Sozialismus sah; mit der er 1918 für den Anschluss an die deutsche Republik eintrat, um dann aber rasch die von den Ententemächten aufgezwungene Eigenständigkeit zu akzeptieren; mit der er einen modus vivendi mit den Regierungen Dollfuß und Schuschnigg suchte, nur um sich 1938 an die Nationalsozialisten in einer Form zu wenden, die wohl am besten mit dem Wort Anbiederung zu charakterisieren ist; mit der er im Frühjahr 1945 einen Brief an den “werten Genossen Stalin” schrieb, in dem er versicherte, Österreichs Zukunft würde dem Sozialismus gehören, um dann aber sofort einen konsequent antikommunistischen Kurs zu verfolgen; mit dem er seinen Deutschnationalismus durch einen neu- oder wiederentdeckten Österreich-Patriotismus überwand: Das alles machte ihn zu einer schillernden Figur. Das alles unterstrich eine intellektuelle Flexibilität erstaunlichen Ausmaßes. Das alles machte ihn aber zu der österreichischen politischen Figur, die von nahezu allen politischen Richtungen zitiert und beansprucht werden kann.

Pelinka, Anton: Nach der Windstille. Wien, 2009 S. 182-183

SJ – S wie Solidarität?

Nein, um die Überschrift zu beantworten. Zumindest nicht in der Steiermark. Ich hatte meinen Ärger darüber, dass die Sozialistische Jugend Steiermark zwei ihrer Funktionäre nach einem Facebookposting, das von der FPÖ zum Skandal aufgeblasen wurde, vom Rücktritt “überzeugt” hat, schon … Read more →

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