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Posted Nov 3rd, 2008 by thomas knapp    / Permalink /

Auf meine kurzen Überlegungen, warum Barack Obama nicht Präsident der USA werden wird, folgen nun etwas längere Überlegungen, warum er die Wahl (doch) gewinnen wird. Nicht nur gibt es zu jedem Argument aus meinem Kontra-Beitrag ein Gegenargument, dass diese zumindest relativiert, es gibt auch darüber hinaus gut Gründe einen Wahlsieg Obamas für realistisch zu halten. Aber fangen wird mit meiner “Selbst-Widerlegung” an:

Sarah Palin – sicher, sie hat die reaktionäre Rechte und die religiösen Fundamentalisten bei Laune gehalten. Aber um einen viel zu hohen Preis. Nicht nur konnte McCain eines seiner stärksten Argumente, Erfahrung die er habe und Obama nicht, vergessen, sondern Sarah Palin vertrieb die unentschiedenen Wähler der Mitte vermutlich massenhaft. Das Tempo dass sie bei ihrer Tour von Ausrutscher zu Ausrutscher hinlegt, ist schon fast rekordverdächtig. Was auch immer McCain zur Wahl Palins bewegt hat (vermutlich eine Mischung aus Jugend, Weiblichkeit und bei Laune halten der Erzkonservativen und Reaktionären), steht in keinem guten Verhältnis zum Schaden den ihre Wahl angerichtet hat.

Der Bradley-Effekt konnte bei den letzten Wahlen in den USA kaum nachgewiesen werden. Sicher, ein Restrisiko bleibt, einfach weil es auf Bundesebene keine Daten dazu gibt. Aber ich würde es als marginal einschätzen, schon weil die wirklich rassistischen Wähler vermutlich ohnehin den Republikaner gewählt hätten (oder gar nicht gewählt hätten, da sie eine rassistische Splitterpartei bevorzugen).

Das vor lauter Siegessicherheit Faulheit als Massenphänomen unter den potentiellen Obama-Wählern auftritt, und dass viele der (vor allem) jugendlichen Erstwähler die von Obama begeistert wurden, dann doch nicht zur Wahl gehen, sind auch nicht ohne. Es spricht aber vieles dafür, dass sie bei dieser Wahl keinen großen “Schaden” anrichten werden. Denn es gibt viel zu “verlieren” (nämlich mindestens vier weitere Jahre einen republikanischen Präsidenten) und der Wunsch nach “Change” ist sehr ausgeprägt. Sehr gute Vorraussetzungen für Obamas Wahlkampfteam, die eigenen Wähler zu motivieren.

Der “Skandal” um Obamas Tante, die illegal in den USA lebt, wird Obama vielleicht Stimmen kosten. Das diese aber zu McCain wechseln, ist nicht gesagt. Wenn die Umfragen halbwegs richtig liegen, dürfte es für Obama ohnehin zu verkraften sein. Außerdem könnte der “Skandal” zu spät aufgekommen sein. In drei Tagen ein Thema so auszuschlachten, dass sich eine Wählerbewegungen von mehr als 1-2 % ergibt, würde schon an ein kleines Wunder grenzen. Und solche hat McCains Team bisher nicht abgeliefert. Nebenbei hat Sarah Palin ja gleich nachgelegt und dafür gesorgt, dass es auch für sie (und damit John McCain) negative Schlagzeilen gibt.

Bleibt noch die gewagte These einer Manipulation der Wahl. Ich halte diese eigentlich für nicht tragbar. Ganz abgesehen davon, dass die Zahl der Wahlcomputer deutlich abgenommen hat, scheint es mir einfach nicht haltbar, dass in einer signifikanten Anzahl von Wahllokalen nur korrupte Republikaner sitzen, die auf die Verfassung pfeifen. Ich denke, für Wahlbetrug in großem Ausmaß sind die USA einfach zu demokratisch.

Was spricht sonst noch für einen Sieg Obamas?

Er hat “Geld wie Heu” gesammelt, was nicht nur eine starke Medienmacht für Obama bedeutet, sondern auch zeigt wie groß der Zuspruch ist, den er erfährt. Die große Zahl der Spenden ermöglichte letztlich auch den hervorragenden Wahlkampf, den Obama führte (vgl. dazu Armin Wolf über David Broder). Die bereits angesprochene Stärke des Wunsches nach Veränderung, gepaart mit den Tatsachen dass Obama den Change einerseits glaubwürdig verkörpert, andererseits aber nicht so fremd wirkt, dass man ihm das Amt nicht zutraut, sind vermutlich überhaupt die Ursachen für den Sieg Obamas. Dann sind da noch Themen wie der Irak-Krieg und die “Finanzkrise”, bei denen Obama klar punktet.

Sicherheit wird man erst nach der Wahl haben. Aber ich denke, die Chancen für Obama stehen gut.

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  • USA - Auftaktsiege für Obama - SPREADY.net News & More sagt:

    USA – Auftaktsiege für Obama…

    [...] Minute haben Barack Obama und John McCain um die Gunst der Wähler gekämpft. Den [...]…