Feuerhaken Politik Blog
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Posted Okt 28th, 2008 by thomas knapp    / Permalink /

Trotz massiven Einsatzes der Grünen, die ein Dossier über die Burschenschaft Olympia, der Graf als Alter Herr angehört, erstellt und den weit über die Parteigrenzen anerkannten ehemaligen Bundessprecher Alexander Van der Bellen als Gegenkandidaten nominiert haben, wurde Martin Graf heute vom neu konstituierten Nationalrat zum 3. Präsidenten gewählt. Er erhielt 109 von 182 abgegebenen Stimmen. Zuvor wurden Barbara Prammer (SPÖ) als Präsidentin des Nationalrats (140 von 182) und Michael Spindelegger (ÖVP) (142 von 181) als zweiter Präsident wiedergewählt. Die Grünen hatten bereits mit dem Ergebnis gerechnet, und bei Bekanntgabe der Wahl ein Transparent mit der Aufschrift “Ihr habt aus der Geschichte nichts gelernt” hochhielten (einen Screenshot hat Oliver). Vor Bekanntgabe der Wahl Grafs gab es eine Stehpräsidiale (Beratungen der Mitglieder der Präsidialkonferenz während einer Plenarsitzung zur schnellen Klärung eines Sachverhalts) da es möglicherweise markierte Stimmzettel gab, und die Gültigkeit der Wahl (die geheim sein sollte) geklärt werden musste. Laut Eva Glawischnig wurde der Name Grafs sehr spezifisch in die linke Ecke geschrieben, so dass es ihrer Meinung nach keine geheime Wahl war. Die Mehrheit der Präsidiale hielt sich an die Meinung, dass es auf den Stimmzetteln einen Zusatz geben müsste, der Rückschlüsse darauf zulässt, wer wie gestimmt hat. Es gab anscheinend 34 Stimmzettel dieser Art, das entspricht der Anzahl der FPÖ-Abgeordneten. Die Wahl erfolgte trotz zivilgesellschaftlicher Aufrufe an SPÖ und ÖVP Martin Graf nicht zu wählen. So gab es zwei offene Briefe die von zahlreichen Intellektuellen und Künstlern unterzeichnet wurden (erster Brief, zweiter Brief). Einige SPÖ-Abgeordnete wie Laura Rudas und GPA-Chef Wolfgang Katzian hatten im Vorfeld erklärt Graf nicht wählen zu wollen. Deshalb lies die SPÖ dann auch frei darüber abstimmen. Das BZÖ sprach sich für Graf aus. Grund für die Wahl war wohl weniger die große Zuneigung die ÖVP und SPÖ für die FPÖ, Olympia und Martin Graf empfinden, als die parlamentarischen Gepfolgenheiten. Diesen entsprechend stellt die stärkste Partei den Präsident, die zweitstärkste den zweiten Präsident und die drittstärkste den dritten Präsident. Nach der Wahl 2006 war dies Eva Glawischnig von den drittplatzierten Grünen. Nun sind die Grünen nurmehr fünftstärkste und damit die kleinste Partei im Parlament. Da Graf weder strafrechtlich relevantes tat und außerdem als Vorsitzender FMA-U-Ausschusses gute Figur gemacht hat, und von allen Parteien in diese Funktion gewählt worden war, dürften einfach zu wenig Argumente für einen Bruch dieser Gepflogenheiten vorgelegen haben.

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Comments
3 Responses

  • politiknews.at.im - a:bout queer lif:e green politic:s sagt:

    Burschenschafter Martin Graf zum 3. Nationalratspräsidenten gewählt…

    Der österreichische Nationalrat hat soeben in seiner konstituierenden Sitzung den dritten Nationalratspräsidenten gewählt. Die Wahl viel mehrheitlich auf das  Mitglied der vom “Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands” als…

  • [...] auch der Feuerhaken berichtet über die Wahl von Martin [...]

  • “Diese Nation hat keinen Respekt und keine Anerkennung verdient”…

    Ziemlich harte Worte. Gleich einer ganzen Nation Respekt und Anerkennung abzusprechen ist als Kritik nicht gerade leicht wegzustecken.

    Ich glaube, als Einwohner einer Nation, der jeglicher Respekt und Anerkennung abgesprochen wurde, darf man sich durc…